7 nicht unerwähnt bleiben, I. dab Schiller den Räubern ein Citat aus Hippocrates(Aphorismi sectio VIII 6, zum Motto gesetzt hat:„OQuae medicamenta non sanant, ferrum sanat, quae ferrum non sanat, ignis sanat“, 2. daß er in der Vorrede zu den Räubern von der Medea der falten Dramatiker sagt, sie bleibe bei all' ihren Greueln noch ein grobes, staunenswürdiges Weib, was darauf schließen läßt, daß er schon damals die Medea des Ruripides oder die des Seneka gekannt haben muß, und 3. daß ihm, als er die Räuber schrieb, schon Aristoteles bekannt war; in der Vorrede Zzu den Räubern sagt er hinsichtlich des reichen Stoffs seines Schauspiels, es wäre unmöglich gewesen,„die Fülle ineinander gedrungener Realitäten in die allzuengen Pallisaden des Aristoteles einzukeilen- S. 3.
Wir kommen zu Schillers zweitem Drama, der Verschwörung des Fiesko Zu Genua (1782), dem er auch ein lateinisches Citat zum Motto gegeben hat, nämlich die Stelle aus Sallust, Catilina VI, 4. Nam id facinus inprimis ego memorabile existimo sceleris atque periculi novitate.“ Die erste Anregung zu diesem Stück erhielt Schiller durch Rousseau. Bei diesem hatte er die Worte gefunden:„Plutarch hat darum so herrliche Biographieen geschrieben, weil er keine halbgroßen Menschen wählte, wie es in ruhigen Staaten Tausende gibt, sondern große Tugendhafte und erhabene Verbrecher. In der neuen Geschichte gab es einen Mann, der seinen Pinsel verdient, und das ist der Graf von Fiesko.““) Diese Worte anden in Schiller einen lebhaften Widerhall und brachten ihn auf den Gedanken, den Fiesko zum Hielden eines Trauerspiels zu- machen. Somit können wir auch hier, wie bei den Räubern, Plutarch den Vater des Stücks nennen. Fiesko ist ebenso wie Karl Moor nach dem Muster der grohen Männer Plutarchs geschildert? ²)
Ist also Schiller so durch die Antike angeregt worden, dieses Stück zu schreiben, so können wir im einzelnen viele Stellen nennen, die Anklänge an das Altertum enthalten. Oft ist die Anlehnung hier, wie auch in den anderen Stücken, wohl unbewußt, jedenfalls tun alle diese Anklänge Schillers Originalität keinen Abbruch. Gleich zu Anfang nennt Leonore den Fiesko einen blühenden Apoll, verschmolzen in den männlich schönen Antonius. Schiller hatte im Antikensaale zu Mannheim die beiden berühmten Statuen gesehen.¹)— Seine Blicke, sagt Leonore, fielen unter uns Mädchen wie der Goldapfel des Zanks.— Verrina erinnert seine Tochter an die Tat des Virginius, auch ließ er den Sturz des Appius Claudius al fresco malen.“)— Der Endymion-Selenemythus wird erwähnt.“) Fiesko sagt von Doria: Auch Patroclus ist gestorben und war mehr als Du.¹) Dies mit deutlichem Anklang an llias XXI, 107, wo es heißt z4 9„⸗ nal IHaοννον, isg 40 wonAey IIlsi,y.¹)—
¹) R. Boxberger in seiner Ausgabe des Fiesko, XXXVI.
²) Fries(a. a. O.) sagt, Fiesko atmet ganz antike Gesinnung. Der freiheitsliebende, an alte Römertugend erinnernde Verrina ist gleichsam wörtlich aus dem Plutarch übersetzt, aus Cato und Brutus. Fiesko trägt Züge von Caesar und Demetrios Poliorketes. Für Leonorens Auftreten als Amazone weist er auf das Leben des Arat hin (Schirach VIII, 502.) Auch die Romanoscene hat in Plutarchs Arat eine merkwürdige Parallele. Selbst für die Be- Ziehung Fieskos zu Julia finden sich in der vita des Arat Analogieen. Arat war offenbar wie Brutus ein Lieblingsheld Schillers. Bertha ist der Virginia nachgebildet. Auch Andreas ist ein antiker Charakter.
²) S. Boxberger in der Ausgabe von Schillers Werken in Kürschners Deutsch. Nat.-Lit. Bd. 120, S. 228.
*) a. a. O. S. 249.
5) a. a. O. S. 271.
5) a. a. O. S. 287.
*) Nach Fries' Ansicht(a. a. O., S. 364), hat Schiller auch hier den Plutarch vor Augen gehabt, der im Leben des Alexander erzählt, Kallisthenes soll, wie er die Ungnade des Königs gemerkt, als er nach flause gekommen. zwei- oder dreimal zu sich selbst Lesagt haben:„Auch Patroklus kam um, ein Mann, weit besser als Du.-


