Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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Lateinische stehe ihm dabei nicht im Wege, das habe er inne wie seine Muttersprache. Es wird dies ferner durch die Tatsache bewiesen, daß Schiller, als er später die Heimat wiedersah und sich in Ludwigsburg aufhielt, seinem alten Lehrer Jahn in der lateinischen Schule, die er selbst einst besucht hatte, bisweilen die Horazstunden abnahm. Es beweist dies aber auch seine meisterhafte Ubersetzung von Vergils Aeneis und ein Brief an Goethe vom 20. Dezember 1795, in dem er schreibt, daß er seiner Frau aus dem Stegreif die Adelphi von Terenz übersetze. Auch im Griechischen müssen seine Kenntnisse später nicht schlecht gewesen sein. Zwei Stücke von Euripides hat er übersetzt, die lphigenie in Aulis ganz und die Phönissen zum Teil. Die lateinische Ubersetzung des englischen Philologen Josua Barnes war zwar nach seinem eigenen Zeugnisse dabei sein eigentliches Original, und auch das théatre grec des Pater Brumoy hat er dabei zu Grunde gelegt, aus den Anmerkungen ist aber deutlich zu sehen, daß er das griechische Original auch eifrig benützt hat. An mehreren Stellen zieht er den griechischen Text heran, um seine Über- setzung gegen die seiner Vorgänger zu rechtfertigen. Dabß Schiller etwa aus Eitelkeit und um sich mit der Kenntnis der griechischen Sprache zu brüsten, den griechischen Text in den Anmerkungen herangezogen hat, ist doch wohl völlig ausgeschlossen. InAnmut und Würde spricht er an einer Stelle von ᷣꝑναρσς᷑ und d.οᷣσσα; in seiner Abhandlung über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen(1780), der er ein Motto aus Ovids Metamorphosen gegeben hat, erwähnt er§ ll das ,6: εaαντσιν im Kallias oder über die Schönheit erklärt er das Wort aονσι¶᷑ in Autonomie(S. 55). In einem Briefe an Goethe(vom 2. März 1708) gebraucht er den Ausdruck za⁊' ²εον. In seiner Besprechung der Goethischen lphigenie erwähnt er den Vers aus der Iphigenie auf Tauris von Euripides iνιανρς ᷣτeννοᷣςσ ννπννμ νρνκς 220). Nicht selten braucht er griechische Wörter, wie Z. B. Eautevtiuρομμμνν der érsοςνᷣ ναμιως Er schreibt diese aber nicht mit griechischen Buchstaben, sondern mit lateinischen, also Heautontimorumenos und heteros logos.(Briefe an Goethe vom 30. Mai 1804 und 25. April 1805). Dies sind die einzigen Stellen in Schillers Werken, wo er sich der griechischen Sprache bedient und Proben seiner Kennt- nis dieses Idioms ablegt.

Eine ganz andere Frage ist aber: Welche Kenntnis hat Schiller vom klassischen Altertum gehabt, gleichviel auf welchem Wege er sich diese Kenntnis verschafft hat? Welche Spuren desselben finden sich in seinen Werken? Welchen Wert legte er dem Studium des klassischen Altertums bei?

Die Dramen Schillers.

Betrachten wir zunächst zu unserem Zwecke die Dramen Schillers, Sso können wir drei Gattungen unterscheiden. Zu der ersten rechnen wir alle die Dramen, die eine äußere oder innere Einwirkung der Antike zeigen.

Die zweite Gattung behandelt geradezu antike Stoffe.

Die dritte umfaßt solche Dramen, in denen Schiller bestrebt ist, die Eigenart der alten Tragödie nach der strengsten griechischen Foim im deutschen nachzuahmen.

¹) Deutsche National-Literatur, herausgegeben von J. Kürschner, Schillers Werke XII,. S. 105,