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in Ludwigsburg eine collectio auctorum Latinorum eingeführt war, die Stücke aus diesen drei Dichtern enthielt. Vom Griechischen lernte er nicht viel mehr als das Neue Testament kennen, das er nach dem Zeugnisse seines Lehrers Jahn„mit ziemlicher Fertigkeit über- setzte. Im Januar 1773, also im Alter von 13 Jahren, kam er auf die Karlsschule, zuerst auf die Solitude, im November 1775 nach Stuttgart, wo er sich noch eifriger als vorher mit den alten Klassikern beschäftigte. Die grammatische Schulung trat hier gegen die ästhetisch-ethische zurück. Bei Jahn las er Terenz, Ciceros Briefe, dic ars poëtica des Horaz, den Lucan, Silius Italicus, Cornelius Nepos, Curtius, Livius, Sallust, der damals sein Lieblingsschriftsteller war, und Sueton.
Das Griechische spielte, vährend Schiller die Karlsschule besuchte, eine untergeord- nete Rolle, und oft hat er später sein Bedauern ausgesprochen, auf der Karlsschule nicht mehr Griechisch gelernt zu haben. Einen großen Finfluß übte auf ihn die Lektüre Plutarchs. Die großen Menschen, die er dort fand, zogen ihn besonders an. Allerdings las er ihn nicht im Originale, sondern in der deutschen Ubersetzung von Schirach und in der französischen von Madame Dacier. Auch die fabulae Aesopicae wurden gelesen, in der Ausgabe von Hamberger, und Schiller erhielt gleich im ersten Jahre(1773) für die beste UÜbersetzung und gute Erklärung einiger äsopischer Fabeln im Griechischen einen preis. Daß Schiller schon damals eine Vorliebe für das Griechische hatte. bezeugt auch der Zögling der Karlsakademie Bilfinger, der sich über Schiller äußert“): Seine Haupt- neigung geht auf die Sprachen, besonders die griechische.— Von 1775 an las er den Homer im Urtext, und zwar dreistündig wöchentlich bei Prof. Nast, wenn er auch, wie er selbst eingesteht, es im Obersetzen nicht zu großer Fertigkeit brachte. Nebenbei wurde die Bürgersche Ubersetzung zur Hand genommen,(die Vossische var noch nicht erschienen). Als griechisches Lesebuch diente Gesners Chrestomathie, die ausgewählte Stücke aus Herodot, Xenophon, Thukydides, Theophrast, Aristoteles und Plutarch enthielt. Daneben wurde die Volborthsche Chrestomathia tragica graeca-latina gebraucht. Seine Fertigkeit im Ubersetzen dieser Schriftsteller Var nur gering. Der Sprachunterricht im Griechischen nörte in den oberen Klassen ganz auf, dagegen hörte Schiller noch Vorlesungen, wie Z. B. über griechische Literatur und Homer bei Nast. In einer solchen stellte 1770 Prof. Drück, durch den Schiller den Plutarch näher kennen lernte, seinen Schülern die politischen ldeale der Griechen und Römer zur Nacheiferung hin. Im Jahre 1780. arbeitete Schiller für die Entlassung aus der Akademie eine Dissertation in lateinischer Sprache aus, von der nur ein Bruchstück erhalten ist.—
Dies ungefähr war der Kenntnisstand Schillers in den beiden klassischen Sprachen, als er die Karlsschule i. J. 1780 verließ. War er auch mit dem Lateinischen leidlich ver- traut, so besaß er doch im Griechischen nur bescheidene Kenntnisse. Er ist aber sein ganzes Leben lang eifrig bemüht gewesen, das Altertum zu studieren und auf allen ihm zu Gebot stehenden Wegen in seinen Geist einzudringen. Er hat sich denn auch in der Tat später in diesen beiden Sprachen immer mehr und mehr vervollkommnet und es im Lateinischen wenigstens zu grober Fertigkeit gebracht. Dies beweist unter anderem der Umstand, daß er auf der Flucht aus Stuttgart im September 1782, zu seinem Freunde Streicher äußerte, er wolle sich in Leipzig den juristischen Doktortitel erwerben, das
¹) Vergl. Archivalische Nachlese zur Schillerliteratur v. Dr. v. Schloßberger, Stuttgart 1877.


