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den Worten„Soll nicht der reinen Schwester Segenswort— Hilfreiche Gôtter vom Olympos rufen?“ hatte sie sich ihm schon zu erkennen geben wollen, aber bei seiner Erregung und der Umnachtung seines Geistes hört er nur ihr letztes Wort und antwortet darauf„Es ruft! es ruft!“ so dafs Iphigenie ihm nun mit klaren Worten sagt, dafs sie, die vor ihm stehende Priesterin, seine Schwester ist.
Als eine ganz unmõgliche, wie Kern meint(S. 27), hat Iphigenie die Rettung des Orest durchaus nicht hingestellt. Als sie sich ihm als Schwester entdeckt hat und Orest sich zu sterben bereit erklärt hat, erwidert sie ihm ja mit vollster Bestimmtheit„Du wirst nicht untergehen“. Nur zu Anfang des Gespräches hatte sie von dem schmerzlichen Geschick gesprochen, dem er entgegengehe, doch sofort hinzugefügt, sie könne und dürfe es sich noch nicht sagen, daſs er verloren sei. Wie sollte sie das auch glauben, sie, die selbst erfahren hatte, daſs die Unsterblichen„der Menschen— Weit verbreitete gute Ge- schlechter“ lieben und nicht blutgierig sind? Sie wuſste bei dem aufgebrachten Sinne des Königs augenblicklich bloſs kein Rettungsmittel. Konnte sie aber nicht hoffen, daſs Thoas, der Jahre lang ihr zu Liebe die Opfer ausgesetzt hatte, der der Frauen Wort mehr achtet, „als eines Bruders Schwert“, auch jetzt noch mit der Vollziehung derselben warten werde? Und warum soll sie nicht hoffen, daſs der König jetzt Gnade walten lassen werde, wo ein so wunderbares Ereignis eingetreten war, wo sie ganz unerwartet ihren Bruder im fremden Lande wiedergefunden hat? Sie hatte volles Recht zu glauben, daſs der König nur drohe, um zu schrecken. Und wie muſste dieses wunderbare Ereignis erst auf Orest wirken? Er hatte sich unter der Schwester, von der Apoll sprach, stets Diana, des Gottes Schwester, vorgestellt, jetzt findet er hier seine eigene, totgeglaubte Schwester Iphigenie. Soll da nicht in seiner Seele der Gedanke auftauchen, ihm sei hier Rettung nnd Heilung beschieden?
Ich meine also, daſs sein gequältes Herz durch Iphigeniens Einwirkung wohl Frieden bekommen konnte, wenn auch augenblicklich der ausgestreute Same nicht aufging. Das thut er eben nie. Er bleibt auch auf dem Acker zunächst eine Zeit lang liegen. Kern giebt ja doch zu(S. 28), daſs„Iphigeniens hoheitsvolle Erscheinung einen mächtigen Ein- druck auf alle hervorbringt, die sich ihr nahen“, er nennt es auch„natürlich und verständ- lich, wenn Orest auf ihre herzlichen, teilnehmenden Worte, mit denen sie sein trauriges, unabwendbares Geschick beklagt, von ihr wie von einer Himmlischen redet, wenn ihr schönes, ihm unerklärliches- Mitgefühl mit dem Schicksal des Atridenhauses ihn gegen seinen Vorsatz zwingt, ihr das Bekenntnis seiner That abzulegen“, aber daſs diese„Himmlische“ ihn von seinem UÜbel befreit, kann sich Kern nicht denken. Nach meiner Meinung ist dies aber psychologisch klar und natürlich. Ein Charakter, der in sich selbst Ruhe und Frieden hat, das sehen wir täglich, übt auch auf andere einen versöhnenden Einfluſs aus. Er macht seinen Seelenzustand zu dem des Anderen, er formt die fremde Seele nach und nach um nach der eigenen. Dieselbe Auffassung der That, die Iphigenie hatte, gewinnt Orest. Und hat Iphigenie nicht in Tauris fast noch Gröſseres schon geleistet, als die Heilung ihres Bruders ist? Sie hat ja auch des Königs, des Scythen, des Barbars trüben Sinn erheitert. Sie hat den„grausamen Gebrauch,— Daſs am Altar Dianens jeder Fremde— Sein Leben


