Aufsatz 
Stimmen gegen die Überschätzung der Kunst / vom Gymnasiallehrer Paul Primer
Entstehung
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zerschmettert diesen Marmor, verbannt diese Bilder, verjagt diese Sklaven, welche Euch unter dem Joche halten und deren unselige Künste Euch verderben. Lasst fremde Hände durch eitle Geschicklichkeiten berühmt werden. Die einzige, den Römern gezie- mende Geschicklichkeit ist, die Welt zu überwinden. Als Cineas unseren Senat für eine Versammlung von Königen hielt, wurde er nicht von eitlem Pompe geblendet. Er hörte nichts daselbst von der kindischen Beredsamkeit, nichts von den leeren Künsten dieser nichtigen Leute.

Er kommt hierauf zu dem zweiten Teil und zeigt, dass die Künste und Wissen- schaften aus unseren Lastern entspringen und dass ihre Wirkungen äusserst verderblich sind. Zuerst spricht er von dem Verlust der Zeit, den sie verursachen. Nichts gutes thun, sagt er, heisst böses thun. Ihr nun, ihr stolzen Weltweisen, ihr erleuchteten Denker, die ihr uns die Geheimnisse der kreisenden Weltbahnen verraten, die ihr uns den Sitz und das Wesen der Seele, die ihr uns die Wunder der Natur aufgedeckt habt, antwortet mir: wenn ihr uns das alles nicht gelehrt hüttet, würden wir weniger zahlreich, weniger gut regiert, weniger fruchtbar, weniger blühend oder mehr verderbt sein? Doch was ist der Verlust der Zeit gegen andere UÜbe]l, welche den Künsten und Wissenschaften folgen? Das grösste ist die Verschwendung, die doch der Verderb aller Staaten ist. Mit Geld kann man alles haben, nur Sitten und Bürger nicht. Ein neues Übel, welches die Ver- schwendung nach sich zieht, ist die Verderbung des Geschmacks. Um zu gefallen, wird nicht mehr das gesagt und gethan, was schön und recht ist, sondern was der Menge schmeichelt. Und während sich die Bequemlichkeiten des Lebens vermehren, die Künste steigen und die Verschwendung überhand nimmt, wird der wahre Mut entkräftet und die kriegerischen Tugenden verschwinden. Die Geschichte bestärkt es durchgüngig. Die Er- hebung des Hauses Medici und die Wiederherstellung der Künste verlöschte von neuem und vielleicht auf ewig den kriegerischen Ruhm, welchen Italien vor einigen Jahrhunderten wieder erhalten zu haben schien. Nicht allein den kriegerischen, sondern auch den sitt- lichen Vollkommenheiten sind die schönen Künste nachteilig. Man sieht überall uner- messliche Stiftungen, wo die Jugend alles mit grossen Unkosten lernt, nur ihre Pflicht nicht. Unsere Gürten sind mit Bildsäulen, unsere Galerien mit Bildern geschmückt. Und was stellen sie meist vor? die Verteidiger des Vaterlandes? oder die noch erhabeneren Männer, die es durch ihre Tugenden bereichert haben? Abbildungen aller Ausschweif- ungen des Herzens und der Vernunft sind es, so wie man sie sorgfältig aus der alten Fabelwelt gezogen hat. Die Geschicklichkeiten werden vorgezogen und die Tugend wird verachtet. Man fragt nicht mehr, ob ein Mensch Tugend, sondern ob er Geist hat, ob ein Buch nützlich sei, sondern ob es gut geschrieben sei. Der schöne Kopf erhält Be- lohnungen und der ehrliche Mann geht leer aus und bleibt im Dunklen. Es giebt hundert Preise für schöne Reden, keinen einzigen für schöne Handlungen. Wir haben Natur- forscher, Erdmesser, Sternseher, Dichter, Tonkünstler, Maler; nur Bürger haben wir nicht. Sind unsere Nachkommen nicht noch thörichter, als wir selbst, so werden sie die Hände zum Himmel strecken und ausrufen: Allmächtiger Gott, befreie uns von der Erleuchtung unserer Väter, führe uns zurück zur Einfalt, Unschuld und Armut, den einzigen Gütern, welche unser Glück befördern und Dir angenehm sind. Was enthalten denn die Schriften der bekanntesten Philosophen? Welches sind denn die Lehren dieser Freunde der Weis- heit? Wenn man sie hört, sollte man sie für einen Haufen Marktschreier halten, wovon