Aufsatz 
Stimmen gegen die Überschätzung der Kunst / vom Gymnasiallehrer Paul Primer
Entstehung
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nicht, dass das Griechentum und die ganze Schöngeisterei mit der Fortdauer der strengen römischen Sittlichkeit unvereinbar sei. Er hat sein langes Leben darangesetzt, dem ein. reissenden Verfall nach allen Seiten hin zu begegnen und er ist nicht müde geworden, den neuen Zeitgeist zu bekämpfen. Klar erkannte er die Gefahr, welche den römischen Sitten aus der herübergekommenen attischen Komödie erwuchs, und so sah er denn in der griechischen Litteratur den gefährlichsten Abschaum des grundverdorbenen Griecben- volks.Wer kann es bezweifeln, sagt Mommsen, ¹) dass dieses attisch-römische Lustspiel der Korruption praktischen Vorschub geleistet hat und es gereicht der römischen Regie- rung zum Vorwurf, nicht dass sie für diese Poesie so wenig that, sondern dass sie dieselbe überhaupt duldete. Man gehe die gesamten 30 aus der Römerzeit uns erhaltenen Lust- spiele durch und sage, ob die geringste Moral in ihnen enthalten ist. Dagegen werden Gedanken ausgesprochen und Verhältnisse vorgeführt, welche für das Volk leicht verderb- lich sein können. Und wie Cato die griechische Komödie bekäümpfte und behauptete, die Römer würden über sie das Handeln verlernen, ²) so eiferte er überhaupt gegen die ganze griechische Bildung und Denkweise, wie sie von den Fremden damals herüberkam. Von ihm sagt Macrobius: ³) Er habe es für einen verständigen Menschen nicht für passend ge- halten, dass er singe. Auch das Theater nannte er eine kindische Lustbarkeit,(c. 3 a. a. O.) Als der eben erwähnte Karneades, der Wortführer einer attischen Gesandtschaft durch sein glänzendes Talent ein Gefallen an glatter Redekunst bei der Jugend erweckte, sprach er sein Missfallen in harten Worten aus und er war es, welcher riet, die Fremden eiligst zurückzusenden.¹) Diese Opposition gegen die Bildung der Zeit, sagt Mommsen,) und den Tageshellenismus war wohl berechtigt. Einer Opposition aber gegen die Bildung und das Hellenentum überhaupt, hätte sich Cato keineswegs schuldig gemacht. Letzteres scheint mir doch zweifelhaft. Wenigstens steht von ihm fest, dass er in seinem Eifer so weit ging, den Sokrates einen Schwätzer und einen als Frevler an dem Glauben und den Ge- setzen seiner Heimat mit Recht hingerichteten Revolutionär) zu nennen.

Auch noch nach Cato traten Männer auf, welche die nationale Fahne hoch hielten. So vor allen der jüngere Afrikanus. Auch er versuchte vergeblich dem eindringenden Griechentum die Thüre zu verschliessen. Ihn lässt Macrobius?) von den Römern seiner Zeit sagen:sie gehen ins Theater und lernen singen, was unsere Vorfahren eines freien Mannes unwürdig fanden. Warum beweinte er auf den Trümmern von Karthago den Untergang seiner Vaterstadt? Doch aus keinem anderen Grunde, als weil er die Stoffe der Gährung und Zerstörung, wie sie aus Griechenland herübergekommen waren, schon in ihrer Wirkung vor Augen sah.

Später war es Varro, welcher die überfeinerte griechische Kultur entschieden be- kümpfte. Noch i. J. 93 trat einmal die Staatsgewalt hemmend durch ein censorisches

1) a. a. O. S. 905.

2) Plut. Cat. maj. c. 23.

3) Sat. 10., Cato, cui etiam cantare non serii hominis videtur.

4) Plut. a. a. O. c. 22.

) a. a. O. I S. 939.

6) Plut. a. a. O. c. 23.

7) Sat. III 14. eunt in ludum histrionum, discunt cantare, quae majores nostri ingenuis probro ducier voluerunt.

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