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einst bei einem Gastmahl ein Lied vorgetragen hatte,„schämst Du Dich nicht, so gut zu singen?“
Wenden wir uns jetzt zu den Römern. Schon der Umstand, dass der römische Staat ühnlich wie der dorische von seinen Untertbanen völlige Hingebung und Aufopferung des Einzelnen an das Ganze verlangte, lässt von vornherein erkennen, dass für die Ent- wickelung der Künste in Rom der Boden nicht günstig war. Alle wirkliche Kunst beruht auf der Freiheit des Einzelnen und dem fröhlichen Lebensgenuss, in Rom aber erdrückte das Gemeingefühl und das Pflichtbewusstsein die Keime der Kunst. In dem angeborenen Charakter der Römer lag die Peindseligkeit gegen die Kunst tief begründet. Die Be- schäftigung mit idealen Dingen hielten sie von Hause aus für müssiges Spiel und Jahr- hunderte lang konnten sie nicht begreifen, dass man etwas um seiner selbst willen betreiben könne. Was keinen greifbaren Wert hatte, fiel für sie weg. Diesem Grundsatz blieben sie durchaus treu und es ist bewunderungswürdig, wie die Leiter des Staats sofort mit ihrem Veto einschreiten, wo sich ein Abweichen von dieser Richtung kenntlich macht.
Schon die Zwölftafelgesetze traten den ersten Anfängen der Schaubühne hemmend entgegen. Strenge Polizeivorschriften engten die Kunst überall ein. Dichter und Künstler, gumal wenn sie ihr Handwerk für Geld betrieben, waren völlig verachtet und standen mit dem Seiltänzer und dem Hanswurst in gleicher Reihe. Die Censoren erklärten derartige Leute regelmässig für unfähig im Heere zu dienen und in der Bürgerversammlung mitzu- stimmen. Die Folge davon war, dass alle diese Künste den niedrigsten Klassen der römischen Bürgerschaft und vor allem den Fremden überlassen wurden. ¹)
So lange diesc römische Eigentümlichkeit bestand, galt künstlerische Thätigkeit nur soweit, als sie eine praktische Seite hatte, für unbedenklich, und es ist unbestreitbar, die Jahrhunderte, wo Rom keine Litteratur, keine Kunst besass, sind die seiner staatlichen Grösse. Als es für derartige feinere Genüsse Geschmack bekam, begann sein innerer Ver- fall. Mit Betrübnis sahen vaterlandsliebende Römer, wie Nacvius, das Verlassen der natio- nalen Bahn, das Hinneigen zu griechischer Kunst und griechischem Geist. An der Spitze dieser Partei zur Zeit des zweiten punischen Krieges stand Q. Fabius, Zu ihr gehörte der ganze Adel. Aber auch die Regierung sah in den Künsten lediglich eine feindliche Macht. Deshalb erliess sie i. J. 186 das Senatusconsultum de bacchanalibus. Aus diesem geht deutlich hervor, dass durch die Berührung mit Griechenland viel wirklich verderbliches eingerissen war. Im Jahre 173 verwies man die epikureischen Philosophen Alkaios und Philiskos aus Rom, 161 vertrieb man die griechischen Rhetoren, 155 schickte man die athenische Gesandtschaft, an deren Spitze Karneades stand, möglichst bald wieder nach Hause. Aber es war vergebens. Hellenische Kunst und Wissenschaft untergruben immer mehr den altrömischen Geist. Wenn sich auch eine gewisse Bildung von dieser Zeit an beim niederen Volke verbreitete, so wuchs doch das innere Verderben, die Sittenlosigkeit, die Feilheit, die unersättliche Bereicherungssucht in schrecklicher Weise.
Einen wohlthuenden Eindruck macht in dieser Zeit die strenge, rauhe Persönlichkeit des M. Porcius Cato, eines Römers von altem Schrot und Korn. Der grösste Feind, welcher jemals in Rom den von Griechenland herübergekommenen Künsten und der sich immer mehr einnistenden Bildung erwuchs, war er. Seinem gesunden Blicke entging es
¹) Mommsen, Röm. Gesch. I S. 450.


