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Lederverarbeitung oder von Feldherrenwürde oder irgend etwas anderem in Versmass und Rhythmus oder musikalischer Komposition die Rede sein. Auch übt dies nun einen ge- wissen mäüchtigen Zauber aus. Aber es sind trotzdem das alles nur nichtssagende Trug- und Scheinbilder, denn der Nachahmende weiss nichts der Rede wertes über dasjenige, was er nachahmt, sondern die Nachahmung ist irgend ein Spiel, nicht aber ein Ernst.
Hat Plato so den Nachweis geliefert, dass die Dichter wegen ihrer Unkenntnis nicht im Stande sind, etwas von Belang zu schaffen, so beweist er im folgenden, dass sie sogar Schaden mit ihren Werken stiften.
Wührend nämlich unser Verstand viele Dinge geschaffen hat, durch die es uns möglich ist, die Dinge nicht so anzusehen, wie sie uns scheinen, sondern zu erkennen, wie sie sind, zielt die gesamte Kunst nur auf unsere Einbildungskraft und weit entfernt uns die Wahrheit zu geben, spricht sie zu dem Teil unserer Seele, der von der Vernunft und dem Verstand nicht regiert wird. Also als eine schlechte mit Schlechten verkehrend erzeugt schlechte Dinge die Kunst der Nachahmung; so die bildende Kunst, so die redende, so der Maler, so der Dichter(c. 5).
Er fährt fort: Handelnde Menschen ahmt die Kunst der Nachahmung nach, welche entweder in gewaltsamen oder in freiwilligen Handlungen sich bethätigen und in Folge hiervon sich gut oder schlecht zu befinden glauben und daher Schmerz oder Freude emp- finden. Führt uns der Dichter solche Menschen vor, so kommt man in Zwiespalt mit seinem Denken. Wührend nämlich ein tüchtiger Mann, der einen Sohn oder irgend etwas anderes Hochgeschätztes verliert, im Leben dies geduldig zu tragen bemüht sein muss, wird er bei den Dichtergebilden nicht in gleicher Weise Mass halten. Soviel ihn auch die Vernunft entgegenzustreben mahnt, die Leidenschaft zieht ihn zu dem Schmerz hin. So kommt er in verderbliches Schwanken. Denn wenn es von jeher als eine zu erstrebende Weisheit gepriesen wurde, so sehr als möglich die Leidenschaften zu bekämpfen, im Un- glück sich aufrecht zu erhalten und nicht Unwillen zu zeigen, sondern die Seele so schnell als möglich daran zu gewöhnen, zur Hand zu sein, um sich aus dem Unglück wiederauf- zurichten, macht uns die Tragödie in unvernünftiger Weise thatenlos, weichlich und feige. Sie führt uns fremdes Leid vor, lässt uns Gefallen daran finden und nährt also grade die schlechte Seite in uns. Denn um so uneingeschränkter geben wir uns diesem schädlichen Mitgefühl hin, als die Leidenden von den Dichtern als gute und unserer Teilnahme würdige Menschen dargestellt werden. Kurz, die Tragödie macht die Menschen nicht sittlicher, sondern sie entsittlicht sie. Fort also mit den Dichtern aus dem Staate, fort mit ihnen um so mehr, als sie nicht bloss der Jugend, sondern selbst den Tüchtigsten schaden. Denn selbst diese werden, wenn sie fortwährend durch Anschauen von fremdem Leid die schlechte Seite in sich genährt und das Mitleid in sich haben einnisten lassen, bei eigenem Leid nicht im Stande sein, sich in Schranken zu halten. ¹)
Ebenso schlimm steht es mit dem Lustspiel(c. 7). Während nämlich ein ver- ständiger Mann sich schämt, nur Lachen zu erregen, ist er im Lustspiel über einen der- artigen hoch erfreut, und während er im Leben sein Lachen durch die Vernunft zügelt, lässt er ihm in der Komödie freien Lauf. Ja, ohne dass er es merkt, wird er das im Lustspiel dargestellte Lächerliche auf das wirkliche Leben übertragen. So werden die in uns schlummernden Leidenschaften und Begierden in Liebehund Hass durch die dichterische
1) Staat X c. 7 p. 595— 607 D.


