Aufsatz 
Stimmen gegen die Überschätzung der Kunst / vom Gymnasiallehrer Paul Primer
Entstehung
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13 habe. Auch giebt er zu, ¹) dass Alles, was er an Homer tadelt, echt dichterisch und für die Menge vergnüglich zu lesen sei, aber grade je dichterischer etwas ist, desto grösseren Schaden richtet es nach seiner Meinung an.

Hierauf trägt er, was er hier braucht, von seiner Ideenlehre vor. Er zeigt am Bei- spiel eines Stuhles und eines Tisches, dass alle Einzelwesen nur Abbilder der einen Idee des Dinges seien und fährt dann fort: Wührend nun ein Tischler einen Tisch nach der Idee des Tisches oder ein Stuhlmacher einen Stuhl nach der Idee des Stuhles anfertigt, giebt es Leute man merkt schon den beissenden Hohn Platos welche sämtliches verfertigen können, was alle einzelnen Handwerker machen. Ja noch mehr. Sie ver- fertigen auch alle aus der Erde hervorwachsenden Pflanzen, alle lebenden Wesen und zu- dem noch Erde, Himmel, Unterwelt, Götter und Helden. Natürlich meint Plato die Dichter und die Künstler und man sieht schon an dieser Einführung, wie nichtig und ober- flächlich ihm all' ihr Thun vorkommt. Sie geben nur äussere, leere Scheinbilder, nichts aber irgend wie Seiendes. So macht zwar der Maler einen Stuhl, aber doch nur einen, der ein Stuhl zu sein scheint. Wie weit ist er nun aber von der Idee entfernt, da alles, was er verfertigt, doch nur in ganz beschränkter Weise, nur auf eine gewisse Art, nur von einer bestimmten Seite ihm zu thun möglich ist. Und so können denn alle nachah- menden Künstler im besten Falle nur täuschen, indem sie uns Dinge als wirklich vor- führen, die es nicht sind.

Selbst Homer(c. 3) und die Tragiker kennen nur die Abbilder der Dinge, die sie schildern, nicht die Dinge selbst. Denn wenn sie in Wahrheit ein Wissen über jene Dinge hätten, die sie nachahmen, so würden sie doch weit eher ihren Eifer auf die Dinge selbst, als auf deren Nachahmung verwenden und es versuchen, viele herrliche Dinge als Werke von ihnen selbst zu hinterlassen. Wir wollen, sagt Plato, z. B. den Homer, wo er von Arznei dichtet, nicht fragen, ob er als Dichter schon einen gesund gemacht bat? Gewiss nicht, denn er ist kein Arzt. So spricht Homer über Kriege, Feldherrenwürde, Staatsverwaltung und Menschenbildung, aber welcher Staat hat denn durch ihn eine bessere Einrichtung erhalten? Welchem Staat hat er gute Gesetze gegeben? Welchen Bürgern hat er Nutzen gebracht? Oder ist etwa auf seinen Beirat ein Krieg gut geführt? Oder ist Homer selbst auch nur einem Einzelnen ein Führer der Bildung geworden, der ihm ge- wissermassen einen homerischen Pfad für sein Leben hinterlassen hätte?

Wenn Homer wirklich im Stande gewesen würe, Menschen zu bilden und besser zu machen, so hätten ihn seine Landsleute nicht als Volkssänger herumziehen lassen, son- dern sich an ihn geklammert und von ihm Bildung zu erlangen gesucht.(c. 4.) Aber die Dichter haben eben von den Dingen selbst keine Kenntnis, sie sind nur Nachahmer von Abbildern der Vortrefflichkeit und der übrigen Dinge, welche sie dichten. Sie machen es nicht anders wie der Maler, der einen Lederarbeiter als einen Scheinbaren malt, wobei sowohl er selbst von der Lederverarbeitung nichts versteht, als auch für Leute malt, welche nichts davon verstehen, sondern das Werk nur aus den Farben und Formen be- trachten. In gleicher Weise streicht der Dichter gleichsam Farben vermittelst der Namen und Worte, ohne selbst etwas zu verstehen, so dass es Andern, ebenso Beschaffenen, welche es aus den Sprachausdrücken betrachten, ganz gut gesagt zu sein scheint, mag von der

¹) Staat III c. 1.

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