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Jugend erzählt werden sollten. Die Fabeldichter müssten deshalb beaufsichtigt werden, und selbst die Fabeln seien zu verbannen, welche Hesiod und Homer erzählen. Denn auch sie erzählen unwahre Fabeln und schildern die Götter und die Heroen, wie sie nicht sind. Selbst wenn beispielsweise das, was Hesiod von Uranos und Kronos erzählt, ¹) wahr würe, sollten es Unverständige und junge Leute nicht erfahren. Sonst könnten diese zu dem Glauben kommen, sie thäten nichts schlechtes, wenn sie ihren Vater, der ihnen Unrecht gethan habe, züchtigten, sondern nur eben dasselbe, was auch die obersten und grössten Götter gethan hätten. ²)
Und wie es unwahr und für die Jugend sehr nachteilig ist, von Homer und Hesiod zu hören, dass die Götter mit einander Krieg führen und einander nachstellen, dass der Sohn mit dem Vater fortwährend in Hader liegt und ihn schliesslich stürzt, so sind auch Dinge wie die Fesselung der Hera durch ihren Sohn ³) und das Herabschleudern des Hephästos durch seinen Vater, ¹) weil ersterer seiner Mutter, welche Schläge bekommt, beistehen will, für die Jugend schädlich zu hören, ebenso alles derartige, selbst wenn ein tieferer Sinn darin enthalten sein sollte. Denn diesen verstehen die Jünglinge noch nicht. Dagegen pflegt das, was sie in jüngeren Jahren erfassen, ein Untilgbares und Unwandel- bares zu werden.
Gott sollte, so fährt Plato fort, ⁵5) doch stets als gut und als Urheber des Guten dargestellt werden, denn das ist er, nicht aber auch als schlecht und als Ursache des Bösen, wie dies Homer oft thut. Z. B. wenn Homer dichtet, jene Verwirrung der Eide und Verträge, welche Pandaros anzettelte, sei durch Athene und Zeus eingetreten, ⁶) so ist dies ebenso schüdlich für die Jugend zu lesen, wie der Streit der Götter im XX. Buch der Ilias und dessen Entscheidung durch Themis und Zeus. Auch den Kschylos tadelt Plato, weil dieser in der jetzt verlorenen Tragödie Niobe den Zeus als Ursache von all' dem Unglück hinstellt, welches die Niobe getroffen.
Wie oft dichtet Homer von Zeus und den übrigen Göttern Dinge, die überaus unmässig und unsittlich genannt werden müssen! Welche verworrenen und schädlichen Begriffe müssen z. B. dem Volk von der Gottheit entstehen, wenn es das hört, was Homer von Zeus auf dem Ida erzählt.*) Sehr nachteilig ist es ferner, wenn Homer von den Göttern lehrt, dass sie sich oft verwandeln. ³5) Denn von den Göttern sollen sich die Jüng- linge vorstellen, dass ihre Gestalt schon an sich die schönste und beste ist und dass die Unveränderlichkeit zu ihrem Wesen gehört. Aber bei Homer verwandeln sie sich sogar, um die Menschen zu täuschen und in Furcht zu setzen. Wie soll da Achtung vor den Göttern, Eltern und Freunden den Zöglingen eingepflanzt werden? Welche falschen Vor- stellungen von der Gottheit werden dadurch in solchem Alter aufgenommen und festge-
¹) Theogon. v. 154— 200.
2²) Staat II c. 17.
3) Jl. XV v. 18 u. f.
4) JI. I v. 588 u. f., vergl. Ritter, Anal. u. Krit. d. v. Plato i. s. Schema v. Staate aufgest. Er- zieh. Progr. v. Brühl 1881.
5) Staat II c. 18.
6) Jl. IV v. 88 u. f.
7) Jl. XIV v. 153 u. f. Staat III c. 4.
8) Od. XVII v. 485 u. f.


