Aufsatz 
Zur Vorgeschichte des Evangelienkanons
Entstehung
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21 Luc. 8, 17. Diesen beiden Formen des Wortes fügt unser Ausspruch eine dritte hinzu. Für den etwas umständlichen Ausdruck képνπροο εεν m ⁵εοςα haben die Evangelien sonst vπνον beides ist Übersetzung von*?. Neu ist der Schluss, dass nichts begraben wird, was nicht auferstehen soll.

14. Der Ausspruch ist so stark verstümmelt, dass eine Wiederherstellung kaum ver- sucht werden kann. Nicht nur die letzten Buchstaben jeder Zeile sind abgebrochen; auch die Anfangsbuchstaben fehlen. Swete ergänzt so, dass folgender Satz entsteht: Es fragen ihn die Jünger und sagen: Wie sollen wir fasten? Und wie sollen wir beten? Und wie sollen wir Almosen geben? Und was sollen wir von diesen(Dingen) beobachten? Spricht Jesus: Seht zu, dass ihr nicht den Lohn einbüsst. Tut nichts als was die Wahrheit verlangt. Denn wenn ihr das tut, werdet ihr dus verborgene Geheimnis erkennen. Ieh sage euch, selig ist wer... Wenn diese Ergänzung dem ursprünglichen Wortlaut nahekäme, läge eine Parallele zu Matth. 6, 1 ff. vor, womit sich allenfalls noch Luc. 12, 1 vergleichen liesse. Da aber viel mehr ergänzt werden muss, als noch erhalten ist, so wird man in der Ergänzung von Swete nur einen sehr scharf- sinnigen Versuch erblicken dürfen und nicht mehr.

Die Charakteristik, die ich oben(S. 15) auf Grund der sicher dem Kgypterev. zuzu- weisenden Worte von diesem zu geben versucht habe, passt vollkommen auf diese Sprüche. Es sind kürzere und längere Aussprüche, teilweise mit kurzer historischer Einleitung, teilweise auch in Dialogform. Manche von ihnen sind absichtlich dunkel gehalten und ihrer Art nach lässt sich wohl verstehen, dass sie von Enkratiten und Doketen gern benutzt wurden. Daher wird man wohl den Gelehrten recht geben müssen, die in diesen Resten einer grösseren Sammlung Reste des Kgypterev. erblicken wollten.¹) Dem scheint nun freilich der Umstand entgegen- zustehen, dass einer von den neugefundenen Sprüchen(Nr. 10) von Clemens dem Hebräerev. ausdrücklich beigelegt wird.²) Dies Ev. ist bis auf wenige Reste ebenfalls verloren. Über seinen Inhalt lässt sich also nichts mehr ausmachen. Daher kann man auch nicht sagen, ob nicht Sprüche in beiden, dem Iebräer- und dem Agypterev. vorkamen. Wenn also Clemens, der sonst von dem Hebräerev. keinen Gebrauch gemacht hat und der auch das Agypterev. nicht allzu genau kannteé ³), nicht falsch zitiert, so muss man eben annehmen, dass dieses Wort in beiden Evv. stand. Wer diese Annahme bedenklich findet, mag erwägen, auf welche Schlüsse man kommen müsste, wenn unsre kanonischen Pvangelien verloren wären und wir nur ein paar dürftige Zitate aus ihnen hätten. Wenn beide Evv. Worte Jesu wiedergeben wollten, müssen sie in manchen Stücken ebenso verwandt gewesen sein, wie die Evv. des Kanons. Daher wird, wenn das eine Wort wirklich auch im Hebräerev. stand, das weder als unmöglich noch auch als besonders auffällig bezeichnet werden dürfen.

Noch ist über den Titel des Agypterev. ein Wort zu sagen. Dass er nicht eigentlich als Titel gelten kann, ist deutlich. Aber wie ist er entstanden? Harnack⁴) hat mit Recht darauf hingewiesen, dass die BezeichnungEvangelium nach, bei den Agyptern der andern

¹) So u. a. Harnack(Uber die jüngst entdeckten Sprüche Jesu 1897), S. 27 ff., der freilich in den Sprüchen nur ein Exzerpt daraus sehen will. Diese Vermutung ist durch den neuen Fund als hinfällig erwiesen worden. Wir müssen eben unsere Vorstellung von dem, was ein Evangelium war, revidieren, wenn wir dieser Literatur gerecht werden wollen.

²) Batiffol, Les Logia du Papyrus de Behnesa(Revue bibl. VI,[1897] p. 501 ff.) wollte die Worte der ersten Sammlung bereits dem Hebräerev. zuweisen. Allein seine Gründe sind nicht erheblich.

³) Er zitiert es Strom. III, 63 mit den Worten:das steht, glaube ich, im Agypterev.

) Harnack, Chronologie I, S. 612 ff.