Hebräerev. stehe. An der Identität beider Worte ist trotz kleiner Abweichungen nicht zu zweifeln. Auf die Frage aber, ob die Sprüche nicht diesem zuzuweisen seien, ist weiter unten noch einzugehen. Der Anfang ist aus der Bergpredigt bekannt Matth. 7, 7; Luc. 11, 9:„suchet, so werdet ihr finden“. Auch vom Staunen über Jesu Worte und Taten ist häufig die Rede; vgl. Marc. 1, 27; 10, 24. 32; Luc. 4, 36; 5, 9. Der Schluss aber erinnert an das wundervolle Wort Matth. 11, 29:„ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“. Der Gedanke ist in den Propheten und Psalmen, aber auch im Neuen Testament häufig ausgesprochen worden(Jerem. 31, 2; Ps. 132, 14; vgl. Hebr. 4, 1. 3. 9. 11).
11. Es spricht(Jesus: Wer sind die,) die euch ziehen(in das Reich?) das Reich ist im Himmel,(die auf Erden sind und) die Vägel des Himmels(und jedes Geschöpf), das unter der Erde(und in der Unterwelt ist und) die Fische des Meeres,(die sind es, die) euch ziehen. Und das Reich(der Himmel) ist in euch(und wer sich selbst) erkennt wird es jinden.(Denn wenn ihr in Wahrheit) euch selbst erkennen werdet, so seid ihr(Söhne und Töchter) eures Vaters(im Himmel, und) ihr werdet euch erkennen,(dass ihr in der Stadt seid?) und ihr selbst seid. Aus diesem Spruch ist nur der eine Satz bekannt, dass das Hlimmelreich inwendig in dem Menschen sei(Luc. 17, 21). Die andern Gedanken sind neu, wenn auch nicht ausser jeder Parallele in den Evangelien. Freilich ist vieles infolge der schlechten Erhaltung des Spruches sehr unsicher; und man muss vorsichtig sein, nicht zu weitgehende Schlüsse auf einen Text zu bauen, der mehr erraten als gelesen ist. Dass der Mensch nur gezogen zum Himmelreich kommt, ist auch Joh. 6, 44; 12, 33 gesagt; aber an diesen Stellen ist Christus oder Gott der Ziehende. Hier jedoch sind es die Vögel, die Tiere des Feldes, die Fische im Wasser. Man kann allerdings daran denken, dass Jesus die Vögel unter dem Himmel, die Lilien auf dem Felde, die Sperlinge auf dem Dache den Menschen als Beispiele angeführt hat. Doch damit, dass man sich an ihnen ein Muster nehmen soll, ist noch nicht gesagt, dass sie den Menschen in das-Himmelreich ziehen. ¹). Auffallend klingt ferner im Munde Jesu der delphische Spruch „erkenne dich selbst“. Aber hier hilft uns vielleicht eben der Zusammenhang weiter. Das Reich Gottes ist inwendig in uns, sagt Jesus. Bei Luc., wo das Wort ebenfalls verwertet ist, besteht über die Deutung Zweifel. Ein Pharisäer hat ihn gefragt, wann das Reich komme. Auf diese Frage gibt Jesus keine rechte Antwort; er spricht so als habe man ihn gefragt, wie, unter welchen Erscheinungen es komme. Denn er sagt, es komme nicht so, dass man es wie eine Himmelserscheinung beobachten könne*²), man könne überhaupt nicht sagen, hier oder da ist es;„denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Man hat übersetzt„mitten unter euch“, was in den Zusammenbang auch passen würde, und in erster Linie dem Gedanken Rechnung trägt, dass Reich Gottes= Kirche ist. Die Schwierigkeit, die dieser Satz in dem
Zusammenhang verursacht,—„hier und da“ und„inwendig in euch“ sind kein rechter Gegen- satz— scheinen wieder dadurch entstanden zu sein, das Luc. die Worte aus einem andern Zu-
sammenhang, d. h. eben dem Agypterev. entnahm und einsetzte, wo es ihm passte. Der Zu- sammenhang, in dem das Wort hier steht, ist deutlich. Jesus sagt 1. das Gottesreich ist im Ilimmel, 2. es ist in euch selbst.¹) Wer sich selbst erkennt, findet das Reich.„Sich selbst
¹) Vielleicht ist eine beabsichtigte Paradoxie anzunehmen. Die Menschen ziehen die Vögel und Tiere in das Netz und-in die Schlingen(Ps. 10, 9). Aber die Tiere ziehen sie, als Beispiel nie zweifelnden Vertrauens zu Gott. Dann müsste man freilich annehmen, dass der Satz im Zusammenhange mit andern Worten gestanden hat, die seinen Sinn deutlich machten.
²) Das Wort A⁴ασνσροςα wird sonst von den Himmelsbeobac htungen der Auguren gebraucht. Diod. V, 31; vgl. I, 28. Suidas s. v. IIoM. 1να Atνιες. Vgl. xαeρα παννμνν to ⁸ν& 5AvO Tsvéhsva Dio Cass. XXXVIII, 13.
²³) Dabei könnte man leicht an eine Art platonischer Ideenlehre denken; aber das verbietet die Aus-
führung des Gedankens. 3*


