Aufsatz 
Zur Vorgeschichte des Evangelienkanons
Entstehung
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helümmert über die Menschenkinder, wweil sie blind sind in ihrem Herzen und nicht sehen.... Der Anfang erinnert an Joh. 1, 9 f., 14. Aber die Khnlichkeit ist doch mehr scheinbar.Im Fleisch gesehen werden heisstsich als Mensch zeigen; der Ausdruck ist vollständig hebrai- sierend d95 h. Man kann dabei an das Urteil der Pharisäer über Jesus im Gegen-

satz zu Johannes dem Täufer denken; diesen nannten sie einen Narren, ihn einen Fresser und Weinsäufer(Luc. 7, 32. Matth. 19, 19), weil er sich nicht abschloss, sondern mitten in die Welt hineintrat. Aber, was er fand, war unerfreulich. Sie waren alle trunken und kein Dürstender unter ihnen. Das steht eng zusammen mit der Seligpreisung derer, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit(Matth. 5, 6) und dem Weheruf über die Satten(Luc. 6, 25). Beide Ge- danken ergänzen sich vortrefflich. UÜber die Blindheit der Führer des Volkes haben nicht nur die Propheten geklagt(Jes. 56, 10), sondern auch Jesus(Matth. 15, 14; 23, 26; Luc. 6, 39). Die Übertragung auf die Blindheit des Volkes lag ebenso nahe, wie Jes. 43, 8. Hebraisierend ist auch der Ausdruckmeine Seele ist bekümmert= H, Np.

4. Von diesem Spruch sind nur die Worte r'y xroyelay erhalten.

5.(Es spricht Jesus): ο(zwei) sind, sind sie(nicht) ohne Gott und wo einer allein ist, sage ich, da hin ich bei ihm. Hebe den Stein auf, und da wirst du mich jinden; spalte das Hole und ich bin da. Der erste Teil macht keine Schwierigkeit. Es ist eine Parallele zu Matth. 18, 20:Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. ¹) Die Beziehung auf die Kirche, die bei Matth. schon deutlich ist, fehlt hier. Der zweite Teil des Wortes macht dagegen grössere Schwierigkeiten. Ist hier eine Art Pantheismus gelehrt, die Ubiquität Jesu, den man unter jedem Stein und in jedem Holz findet? Ich sehe keinen Grund, dass man die Worte so verstehen muss. ²). Steine aufheben und Holz spalten sind tägliche Arbeiten des Bauersmannes. Die Steine liest er auf seinem Acker auf und schichtet sie am Rand zu einem Wall zusammen, eine Arbeit, die er bei dem steinigen Boden seines Berglandes gar nicht unterlassen darf, wenn er nicht in kurzer Zeit seine Felder ruiniert sehen will. Und dass Holz spalten(Pred. Salom. 10, 9) eine gewöhnliche Tagesarbeit darstellt, braucht man nicht erst zu beweisen. Der Sinn des Satzes ist demnach: auch wenn der Christ allein ist, ist Jesus bei ihm; selbst bei seiner gewöhnlichen Tagesarbeit ist er um ihn. Die falschen Deutungen sind dadurch hervorgerufen worden, dass man das zdxer presste.Da wirst du mich finden, heisst nicht:an dem Orte, wo das Holz oder der Stein ist, sonderndabei, dann nämlich bei der Arbeit= rpd doh. Das zat in zdwz: leitet hebraisierend den Nach- satz ein.

6. Es spricht Jesus: nicht ist willlommen der Prophet in seiner Vaterstadt und der Aret verrichtet keine Kuren an denen, die ihn kennen. Der erste Teil des Ausspruches findet sich wörtlich bei Luc. 4, 24:Wahrlich ich sage euch, kein Prophet ist in seiner Vaterstadt will- kommen. Eine andere Form des Wortes haben Matth. 13, 57; Marc. 6, 4 bewahrt, auf die

¹) Im Cod. D lautet die Stelle: ob eloty 7a b0 7 Tpsc OVITSvOt ic 15 Sdv SvOHA, xag dic 05X SIpi Sy P6% ³Qν v. Vgl. Clem. Strom. III, 68. 70. Robinson im Expositor 1897, II, p. 418.

²) Vgl. Harnack, ÜUber die jüngst entdeckten Sprüche Jesu 1897, S. 18 ff. Der Anklang an Pred. Sal. 10, 9 ist mehr äusserlich. Was Scholz(Theol. Quartalschr. 1900, S. 1 ff.) alles herausgelesen hat, mag man bei ihm selbst nachsehen. Wie sich der Gedanke in einer späteren Form ausnahm, kann man aus der von Zahn(Theol. Lit. Blatt 1897, Sp. 428) angeführten Stelle aus einem nicht näher bekannten Ev.(Ev. der Eva) ersehen:ich stand auf einem hohen Berg und sah einen grossen Mann und einen andern kurzen, und ich hörte eine Stimme wie das Rollen des Donners und trat näher um zu hören und sie sprach zu mir und sagte: ich bin du und du bist ich; und wo du bist, da bin ich und überall bin ich zerstreut(&xaoty elhl oαei5–ο⁴ενοον): und wo du willst, kannst du mich sammeln; wenn du mich sammelst, sammelst du dich selbst. Man braucht diese Stelle nur mit dem oben besprochenen Worte zu vergleichen, und wird den ganzen Abstand ermessen.

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