Aufsatz 
Zur Vorgeschichte des Evangelienkanons
Entstehung
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gewonnen hat. ¹) Leider ist das Blatt, das 1903 gefunden wurde, so stark verstümmelt, dass sehr vieles unsicher bleiben muss. Die beiden Stücke sind nicht einem einzigen Buch ent- nommen. Das erste Blatt gehörte einst zu einem grösseren Buch, von dem es wahrscheinlich das elfte Blatt ausmachte; denn diese Zahl ist auf der Rückseite von späterer Hand notiert. Der untere Rand ist stark zerrissen, auch sonst sind einige Risse und Löcher dem Text ver- derblich geworden. Doch lässt sich bis auf den Schluss alles mit ziemlicher Sicherheit noch ergänzen. Schlimmer steht es um das zweite 1903 gefundene Blatt. Es hat, wie es scheint, zu keinem Buch gehört, höchstens zu einem Heft. Der Besitzer hat, wie das häufig vorkam, die unbeschriebene Rückseite eines Verzeichnisses von Ländereien, wahrscheinlich einer Steuerliste, benutzt, um für seine Zwecke etwas daraufzuschreiben. Von diesem Blatt ist der Länge nach ein Streifen, auf dem ein Teil der Worte stand, abgerissen, so dass jetzt jede Zeile unvollständig ist. Die Ergänzungen bleiben in vielen Fällen unsicher. Ich gebe zunächst eine Ubersetzung dieser Worte, bei der ich das Unsichere einklammere:

1.1... und dann magst du zusehen, den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, 2zu entfernen. Das Wort stimmt genau mit Luc. 6, 42. Matth. 7, 4 weicht ein wenig ab.

2. Es spricht Jesus: wenn ihr euch nicht von der Welt enthaltet, werdet ihr nicht das Gottesreich jinden; und wenn ihr nicht den Sabbat feiert, werdet ihr den Vater nicht sehen. Das Wort hat in den kanonischen Evangelien keine Parallele. Der dunkle Anfang àdy pe vOtsba-te Toy 16OE,O, hat Verbesserungsversuche hervorgerufen, von denen der am nächsten liegende pyrorsbantswenn ihr heiratet ist. Doch wird nichts zu ändern sein. Clemens Alex., Strom. III, 99 sagt ganz ähnlich und vielleicht gerade im Blick auf unsre Stelle pazrdεν obroi oty 0 ro 760,OO vnrsbovtscselig sind diese, die sich von der Welt nüchtern erhalten. Der Ausdruck zGορ ist dem Juden geläufig als Inbegriff der dem Gottesreich entgegengesetzten Sphäre. Dem Sinne nach ist der Jacob. 1, 27 ausgesprochene Gedankesich von der Welt unbeflekt erhalten zu vergleichen. Wie an dieser Stelle die Enthaltsamkeit ein Stück des rechten Gottesdienstes ist, so in dem Herrnwort die Vorbedingung dafür, dass man das Gottes- reich findet. ²) Auffallend ist der 2. Teil des Wortes. Wir wissen zwar, dass in den jüdischen Kreisen zu Jesu Zeit die Frage nach der rechten Sabbatheiligung im Mittelpunkt des Interesses stand, aber dass Jesus ihr eine solche Bedeutung beigelegt habe, scheint durch Stellen wie Matth. 12, 1 ff. u. a. ausgeschlossen. Das Wort scheint demnach aus streng judenchristlichem Geist geflossen. ²). Doch kann man auch an ein Wort denken, wie das im Codex Bezae zu Luc. 6, 4 überlieferte, wo Jesus zu einem sprach, der am Sabbat arbeitete:Mensch, wenn du weisst, was du tust, bist du selig; wenn du es nicht weisst, bist du verflucht und ein Übertreter des Gesetzes, und daran, dass Jesus die rechte Sabbatheiligung im Tun des Guten erblickte (Matth. 12, I ff.; bes. v. 12, Marc. 2, 23 ff., bes. 3, 4; Luc. 6, 1 ff., bes. v. 9)..

3. Es spricht Jesus: ich trat mitten in die Welt und wurde von ihnen im Fleisch ge- sehen uud fand sie alle trunken und keinen fand ich durstig unter ihnen. Und meine Seele ist

¹) Die 1897 gefundenen und die 1903 neu entdeckten Sprüche sind bequem zusammengestellt von den beiden glücklichen Findern Grenfell und Hunt, New Sayings of Jesus. London 1904. Die älteren habe ich in meinen Antilegomena S. 43 f. abgedruckt. Eine kurze Besprechung des neuen Fundes habe ich in der Vos- sischen Zeitung 1904 Nr. 305 gegeben.

²) Vgl. Pistis Sophia p. 256, 21 Kopt.(= 158, 1 lat.)sagt ab aller Welt und aller Materie die in ihr ist, worauf schon Grenfell u. Hunt hingewiesen haben. 3

³) Eine geistige Deutung mit Rücksicht auf Hebr. 4, 9; Barn. 15; Justin, Dial. 12 hat Harnack, Über d. jüngst entdeckten Sprüche Jesu, 1897 S. 11 den Worten gegeben. Er meint es heisse:Das Leben im Dienste Gottes und nach seinem Gesetz heiligen. So konnte man es wohl später erklären. Aber sollte das Wort nicht vielmehr im Gegensatz zu der äusserlichen Sabbatfeier der Pharisäer geprägt sein? 6οαρ†αετiety oy heisst den Sabbat zum rechten Sabbat machen.