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doch sicherlich nicht ohne Absicht gebraucht ist, zu vergegenwärtigen, um die Unmöglichkeit der herkömmlichen Deutung des Wortes einzusehen. Es ist in der That schlechterdings nicht zu begreifen, wie eine derartige Klausur zu Ehren des Sarapis in einem Heiligtume der Nemeseis ausgeübt worden sein sollte. Diese Inschrift stützt also die UÜbersetzung von 4ο nicht im geringsten, vielmehr wirft sie sie völlig über den Haufen ¹). Es genügt, sich an jenen Hephästion zu erinnern, von dem oben die Rede war(S. 9 f.). Er suchte das Heiligtum auf, weil er aus einer großen Gefahr, einer schlimmen Krankheit Rettung suchte. Es wird auch bei dem Philosophen Papinius, der im Jahre 211 den Nemeseis seine Dankbarkeit für erfahrene Hülfe durch Schenkung eines Hauses bezeugt, kein anderer Grund gewesen sein, der ihn ins Heiligtum trieb und ihn veranlaßte, sich in die zaro* des Sarapis zu begeben. Daher wird auch, was nach der herkömmlichen Meinung völlig unerklärlich bleiben muß, von rle ro? ⁵ρραασρ ε έμνιν οοιο˙ ο Lνοςα ερασον gesprochen(Lond. XLIV, 18f.), eine Stelle, die bisher nicht die ihr gebührende Beachtung gefunden hat. Es ist hier nicht schwer ein- zusehen, daß man mit der Übersetzung reclusus nicht auskommt: denn wie sollte sie Sarapis eingeschlossen haben? Gemeint kann nur ein von Sarapis Besessener» sein²).
Unter zäroyot haben wir daher die Bezeichnung für diejenigen Personen zu erblicken, die das Heiligtum des betreffenden Gottes aufsuchten, um durch Incubation von ihm eine Hülfe zu erfahren. Die Vorstellung, die dabei zu Grunde liegt, ist die, daß der Betreffende bei der Incubation von der Gottheit ergriffen wird. Nachdem die Gottheit von ihm Besitz genommen hat, ist sie im stande, die feindlichen Dämonen, die in ihm die Krankheit hervor- riefen, zu überwinden und damit den Heilung suchenden wirklich gesund zu machen. Es leuchtet ein, daß man ein derartiges Verfahren durchaus sachgemäß mit dem Ausdruck Be- sessenheit» bezeichnete und daß sich die, die auf diese Weise Heilung fanden, zutreffend „Besessene» nennen konnten).
Es ist eine bekannte Thatsache, daß Sarapis der Heilgott ist und als solcher häufig mit Asklepios identifiziert wird. Es ist weiter eine bekannte Thatsache, daß Sarapis häufig in Anspruch genommen wurde, um durch Incubation zur Gesundheit zu verhelfen4). Um das genauer auszuführen, wozu hier kein Anlaß vorliegt, bedürfte es einer weitläufigen Ver- gleichung mit dem Kulte des Asklepios. Hier genügt es, wenn die Hauptpunkte kurz zusammengestellt werden. Daß man den Sarapis befragte, als Alexander der Große auf dem Totenbette lag, wissen wir aus Arrian(Anabasis VII, 26, 2). Die Quelle ist so unverdächtig wie möglich. Denn Arrian benutzte für diese Partien, wie Wilcken gezeigt hatꝰ), die TxowatteHoi des Ptolemäus, der seinerseits aus den Ephemeriden, dem Journale des Haupt- quartieres, geschöpft hatte. Arrian schreibt, wahrscheinlich mit wörtlichem Citat aus den Erinnerungen» des Ptolemäus, das königliche Journal berichte, Peithon, Attalus, Demophon und Peukestas, dazu Kleomenes, Menidas und Seleukus hätten durch Incubation(α N„w·dvra) in dem Heiligtume des Sarapis den Gott befragt, ob es für Alexander weniger heilsam oder besser wäre, wenn er sich in das Heiligtum des Gottes bringen ließe und bitte, sich vom Gotte heilen zu lassen. Darauf sei die Antwort von dem Gotte gekommen, er solle sich nicht ins Heiligtum bringen lassen, sondern wenn er dort bleibe(wo er sei), werde es besser
1) Vel. Bestwann, Geschichte d. christl. Sitte I(Nördlingen 1880), S. 128 Anm.— 2) Wie Wessely die Ubersetzung sein Klausnerdiener des Sarapeums» philologisch rechtfertigen will, ist mir unklar(Wiener Studien, 1886, S. 204).— 3) Es ist sehr instruktiv, zu beobachten, unter wolchen Gesichtspunkten sich ein Mediziner die Vorgänge bei der Incubation deutlich macht. Stoff genug dazu bieten die iepot X6ο des Aristides. Eine Beurteilung vom Standpunkt des Mediziners findet sich in G. Ritter von Rittershain, Der medi- zinische Wunderglaube u. d. Incubation im Alterthume(Berlin 1878), S. 78 ff. Danach ist der Ausdruck Besessen- heit» durchaus verständlich, wenn ihn auch Rittershain nie gebraucht.— 4) Vgl. Chr. Petersen in Ersch u. Gruber, Allgem. Encyklopädie d. Wissensch. u. Künste I, 82, S. 341, und vor allem die stoffreichen Artikel
«Asklepios» in Roschers Lexikon d. griech. u. römischen Mythologie und in Pane WVissoas Real-Encyklopädie d. klass. Altertumswissenschaft, beide von E. Thrämer.— 5) Philologus 53(N. F. 7, Göttingen 1894), S. 118 ff.


