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Adresse gelangt ist ¹). Sie lautet:- Dem Könige Ptolemäus und der Königin Kleopatra, seiner Schwester, den Philometores, den Göttern, Gruß. Thaues und Taus, die als Priesterinnen in dem großen Sarapeum bei Memphis fungieren, indem sie dem Sarapis Spenden darbringen für Euch und Eure Kinder, und die in mehrfacher Hinsicht Unrecht erfahren von Nephoris und Pachrates ſihrem Sohne]²), nehmen zu Euch unsere Zuflucht, damit wir unser Recht er- langen. Die genannte Nephoris verließ unsern Vater und wohnte mit einem gewissen Philippus zusammen[zwischen der Zeile: verband sich mit einem Bürger von Memphis, Philippus] und obgleich sie das gethan hatte, nahm sie doch nicht die Miene einer Sünderin an, sondern half noch dazu mit, daß Philippus ihn(d. h. den Vater) in den gegenwürtigen wirren Zeitläuften beiseite schaffte. Dieser(Philippus) lauerte an der Thüre seines Hauses, das auf dem ägyptischen Markt am Flusse liegt, als unser Vater herausging und als er es (d. h. das Auflauern) wahrnahm und in den Fluß schwamm und sich nur mit Mühe auf eine Insel rettete und von einem vorüberfahrenden Schiff aufgenommen wurde, und, da er es nicht mehr wagte zurückzukehren³), sich nach Herakleopolis begab, wo er, weil wir nicht mehr bei ihm waren, vor Gram starb. Seine Brüder aber fuhren hinauf und brachten ihn nach der Nekropole von Memphis; bis jetzt aber hat ihn Nephoris noch nicht zu begraben gewagt. Sein Vermögen, das vom Fiskus eingezogen war, hat Nephoris eingelöst, indem sie die Hälſte des uns und ihr gemeinschaftlich gehörigen Hauses hergab um 60 Kupfertalente und sie behielt einen Vermögensteil von 60 Kupfertalenten zurück und an Miete nimmt sie monatlich 400 Kupfertalente ein[und davon giebt sie uns nichts abl]. Nicht zufrieden damit trieb sie uns auch noch aus dem Hause, so daß wir in Gefahr waren, zu verhungern. Wir aber erinnerten uns an einen gewissen Ptolemäus, der zu denen gehört, die in dem großen Sara- peum sich in der zτοmνπ befinden, einen Freund unseres Vaters. Zu diesem gingen wir und fanden unsern Unterhalt. Als nun die Trauerfeier für den Apis stattfand, führte man uns hinab, um die Klage abzuhalten. Die Freunde unserer Mutter überredeten uns, daß wir ihren Sohn zu uns nahmen, damit er uns diene. Als das geschehen war, blieb er eine Zeit lang bei uns, nahm dann ſ[das von der Verwaltungsbehörde] ausgestellte[Schriftstück], betreffend das Quart Ol und die Leinwand, die uns geliefert werden mußte[z. d. Z.„das Eine, das uns von Euch geliefert werden mußte“] und nahm uns diese Urkunde heimlich weg, stahl uns auch das Geld, das wir gerade hatten lund andere Dinge], und begab sich wieder zu seiner Mutter, so daß wir nicht einmal das Notwendigste haben. Wir bitten Euch also, dieses Bittgesuch an Dionysius, den Strategen zu senden, daß er dem Mennides[Apol- lonius], dem Verwalter, und Dorion, dem Sekretär, schreibt, daß sie weder das uns zu- kommende Ol noch das Kiki-Ol noch sonst etwas von unserem Besitze behält, und daß sie uns das väterliche Erbe, das sie widerrechtlich behält, herausgiebt, damit wir durch Euch Hülfe erfahren. Lebt wohl!⸗-
Die Bittstellerinnen verraten sich in dem Schreiben als wenig gebildete Leute. Die Konstruktionen sind durch das ausgezeichnet, was noch heute für die Schreibweise von Leuten charakteristisch ist, die nicht gewohnt sind, mit der Feder umzugehen: durch die endlose Aneinanderreihung der Sätze mit«und. Was sich aus dem Schreiben über die Stellung der beiden Bittstellerinnen im Sarapeum entnehmen läßt, ist nicht viel. Die Not hat sie dorthin getrieben, nicht ein Gelübde. Ihre Aufnahme verdanken sie Ptolemäus, dem ⁴ το0,
1) Par. 22. Vgl. den Entwurf dazu Par. 23. Vgl. auch 26. Leyd. B. u. a. Brunet de Presle setzt die Petition mit gutem Grund in die Jahre 163 oder 162. S. Notices, p. 274.— 2) Die eingeklammerten Worte stehen in der Urkunde zwischen den Zeilen. Sie stellen offenbar Korrekturen vor, die man vor der Ein- reichung anzubringen für notwendig hielt.— 3) Die Scene ist nach dieser Schilderung nicht ganz deutlich. Nach 23, 5 ff. drang Philippus mit gezücktem Schwerte auf den Vater ein, um ihn umzubringen. Da das Haus unmittelbar am Flusse lag, rettete sich der Angegriffene, indem er in das Wasser sprang und im Schwimmen sein Heil suchte.


