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Im Anfang unseres Jahrhunderts gelangten durch Araber, die in Agypten auf eigene Faust Ausgrabungen veranstaltet hatten, eine größere Anzahl von Papyrusfetzen in die europäischen Museen, die leider nicht zusammen blieben, sondern nach verschiedenen Orten zerstreut wurden. Den Hauptanteil erhielt Paris, andere kamen nach Leyden, London, Turin, Rom, Berlin und Wien. Im ganzen waren es über 150 Nummern. Mehr als die Hälfte von ihnen stammte aus dem Ruinenfelde von Saçqârah, der Stätte des alten Memphis¹). Ob sie ursprünglich z. T. einem Archiv oder einer Registratur angehört haben, wie man früher annahm, ist nicht sicher. Neben Dokumenten, die den Präsentationsvermerk eines Beamten tragen, finden sich auch Entwürfe zu Eingaben in verschiedener Gestalt, die niemals an die amtliche Stelle gelangt sein können. Deshalb hat die Vermutung manches für sich, daß sie großen- teils wohl aus alten Kehrichthaufen herausgelesen sind, auf die man alle möglichen Abfälle, auch litterarische der niedersten Gattung, wie Rechnungen, Kontrakte u. a., warf. Das Grab im Wüstensande, der schon zur Zeit Strabos Memphis und besonders das große Sarapeum von Memphis bedeckte*), hat diese Denkmäler vergangener Tage uns im wesentlichen unver- sehrt erhalten. Die Urkunden sind sämtlich veröffentlicht⁰), ohne daß freilich, was leicht verständlich ist, die Form dieser Veröffentlichungen den Anforderungen entspricht, die man heute zu stellen berechtigt ist. Aus ihnen ergiebt sich ein anschauliches, wenn auch nicht immer ganz klares Bild von dem öffentlichen und privaten Leben in Memphis zur Zeit der älteren Ptolemäer. Eine größere Anzahl beschäftigt sich mit den Angelegenheiten des Kultuspersonales in dem großen Sarapeum von Memphis. Diese Stücke sind es, die hier in Betracht kommen.
Eine häufig vorkommende Persönlichkeit ist ein gewisser Ptolemäus, der Sohn des Glaucias, der Nachkomme eines Macedoniers, der in dem Lande zurückgeblieben war, als die griechischen Söldnerscharen Agypten eroberten. Er lebte in dem«großen Sarapeum» und zwar, wie er stets betont, als zãro⸗νο. Was mit diesem Ausdruck gemeint ist, muß zunächst noch offen bleiben. Ein Schluß auf die Bedeutung, in der das Wort hier gebraucht ist, wird erst möglich sein, wenn man aus den verschiedenen Angaben, die er über sich selbst und seine Beschäftigung im Tempel macht, ein Bild von seiner Stellung zu gewinnen sucht. Neben ihm treten uns zwei Priesterinnen entgegen, die ebenfalls in dem Sarapeum beschäftigt waren und als deren Beschützer sich Ptolemäus zeigt. Ihre Namen sind Thaes(nach der wechselnden Orthographie— eigentlich Unorthographie— der Urkunden wird der Name Ta*⁵ς, Tab*ς, Gabrsh und 0οος geschrieben) und Taus(TAoος). Sie gehörten zum Kultus- personale, da sie gelegentlich als ihre Aufgabe bezeichnen, der Isis und dem Sarapis Spenden darzubringen. UÜber ihre Geschicke erfahren wir aus einer Petition, die sie an den König Ptolemäus und die Königin Kleopatra richteten, die allerdings vielleicht niemals an ihre
1) Uber den heutigen Zustand vgl. Baedeker, Unter-Agypten, S. 409 ff.— 2) Strabo, XVII, 1, 32, p. 807 Cas. Eott αl Yepämetoy dv ,EGet Tö— 965A, 6S” b e ene ä eeeeen, ag' d„ 2²³ ꝓρέες ο v dAb Pyt Ths usᷣAαλμς ευιμ ναυο b ½ 16v οναυνει π, 5' Nu**avets.— 3) Ich nenne hier diese Publikationen, nach denen im folgenden citiert ist. Paris: W. Brunet de Presle, Notices et textes des papyrus grecques du musée du Louvre et de la bibliothèque impériale. In den Notices et extraits des Mss. de la bibliothèque impériale XVIII, 2(Paris 1865) mit Photolithographien der Texte, die meist die Kontrolle ermöglichen(Nr 22— 51). Leyden: Papyri Graeci Musei antiquarii publici Lugduno-Batav. ed. C. Leemans I(Lugd.-Batav. 1843), II(ib. 1884). In Betracht kommen BODE. London:[J. Forshall), Description of the Greek Papyri in the British-Museum I(London 1839); Nr. II-—XVIII. J. Kenyon, Greek Papyri in the British-Museum I, Lond. 1893.[Nach Kenyon ist citiert; die Nummern in Klammern sind die aus Forshalls Description.] Turin: A. Peyron, Papyri Graeci Regii Taurinensis Musei Aegyptii(Taurin. 1826/27). Rom: A. Mai, Classici auctores V(Rom 1833), p. 352 sqd. 601 sqq. Die zahlreichen neueren Publikationen, die sonst außerordentlich wichtige Aufschlüsse über die Geschichte Agyptens, seine Verwaltung, Verfassung und Religion von der Ptolemäerzeit bis zur Herrschaft der Araber gebracht haben, enthalten nichts, was beitragen könnte, die hier erörterte Frage weiter zu klären.


