Aufsatz 
Mönchtum und Sarapiskult
Entstehung
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Seiten erhobenen Einwände suchte Weingarten seine Behauptungen sicher zu stellen und zugleich in mancher Hinsicht weiter auszubilden in dem Artikel«Mönchtum» in der zweiten Auflage von Herzogs Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche 10, S. 758 ff. Daß er auch später an seinen Sätzen festhielt, zeigte er durch die Andeutungen, die er in der dritten Auflage seiner Zeittafeln der Kirchengeschichte(Rudolstadt 1888, S. 228) gab. Alle Behauptungen, die Weingarten aufgestellt und in anregender und lebhafter Darstellung verteidigt hatte, sind angegriffen und als übertrieben oder unbegründet zurückgewiesen worden. So seine Datierung der Anfänge des Mönchtums, seine Bestreitung der Echtheit der Vita Antonii des Athanasius, seine Behauptung von dem Zusammenhang der Ursprünge des Mönchtums mit bestimmten Kultformen der ägyptischen Religion¹). Dennoch sind die Unter- suchungen nicht wertlos gewesen. Es ist nicht bloß das negative Verdienst, daß sie wie ein belebender Luftzug gewirkt haben und daß durch sie zahlreiche Einzeluntersuchungen über die in Betracht kommenden Fragen veranlaßt worden sind, was ihnen einen bleibenden Wert in der Kirchengeschichte sichert. Höher ist das Verdienst anzuschlagen, daß sie eine religions- geschichtliche Erscheinung aus ihrer Isolierung losgelöst und in einen größeren Zusammen- hang hineingestellt haben. Mag auch der Weg, der dabei eingeschlagen wurde, verkehrt ge- wesen sein, so bleibt es doch immerhin ein dankenswertes Unternehmen, auf die notwendige Vergleichung mit Formen der religiösen Bethätigung hingewiesen zu haben, die anderen Kultformen entstammen. 1

Es ist daher erklärlich, wenn in neuester Zeit gerade diese Seite der Arbeit Wein- gartens mit besonderem Beifall begrüßt wird und zwar nicht sowohl von seiten der Kirchen- historiker als derjenigen Philologen, die nach den tiefgreifenden Untersuchungen Useners in dessen Sinn die religionsgeschichtlichen Zusammenhänge aufzuhellen bemüht sind. Ein Bei- spiel dafür bietet der Vortrag, den A. Dieterich über Sarapis auf der letzten Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner 1897 in Dresden gehalten hat und der, allerdings nur in einem sehr knappen Auszug, gedruckt vorliegt²). Hier ist das Mönchtum als eine späte Frucht des Sarapisdienstes aufgefaßt. Diese Vermutung würde eine schöne Bestätigung darin finden, wenn die Annahme neuerer Gelehrter im Rechte wäre, wonach der Organisator des mittelügyptischen Klosterwesens, Pachomius, vor seinem Übertritt zum Christentum Sarapis- mönch gewesen wäre*). Voraussetzung ist, daß es bei dem Sarapisdienst eine Institution gegeben hat, die irgendwie mit dem Mönchtum verwandt war. Auch solche Gelehrte, die der Behauptung, Pachomius sei zu einer Zeit seines Lebens ein Sarapismönch gewesen, widersprechen zu müssen geglaubt haben, sind doch bei dem Sarapismönchtum als einer realen Größe stehen geblieben ¹). Andere haben die fast zum Kanon gewordene Meinung, daß es an den Sarapisheiligtäümern Asketenvereine gegeben habe, zwar bekämpft, aber doch die Erscheinungen des religiösen Lebens, die zu jener Ansicht die Veranlassung gegeben haben, nicht befriedigend zu erklären vermocht. Es ist daher notwendig, zunächst die Grundvoraussetzung zu prüfen.

1) Es ist hier überflüssig, ein Verzeichnis der gesamten über die Frage angesammelten Litteratur zu geben. Was für die Untersuchung von Wichtigkeit ist, wird an seiner Stelle angeführt werden. 2) Ver- handlungen der XLIV. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Dresden, Leipzig 1897, S. 31 33. Eine Veröffentlichung des vollständigen Vortrages ist dort in Aussicht gestellt, bis jetzt aber noch nicht erfolgt. 3) Revillout in der Revue Egyptologique I, 160 u. 6. Grützmacher, Pachomius u. d. älteste Klosterleben, Freiburg 1896, S. 39 f. Basset, Les Apocryphes éthiopiens VIII, Paris 1896, p. 5. Zöckler, Askese u. Mönchtum², Frankfurt a. M. 1897, S. 195. Batiffol, La litérature grecque, Paris 1897, p. 252. 4) So z. B. Butler, The Lausiac history of Palladius(Texts and studies VI, 1), Cambridge 1898, p. 229 f.