Mönchtum und Sarapiskult Von Lic. Dr. Erwin Preuschen
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Eine Untersuchung der Entstehung und Entwicklung des christlichen Mönchtums bildet eine der verlockendsten Aufgaben für den Kirchenhistoriker. Denn wir haben es bei dem Mönchtum und seinem Verhältnis zu der Kirche mit der paradoxen Thatsache zu thun, daß eine Bewegung, die sich grundsätzlich in den denkbar größten Gegensatz zu der Welt und ihren Ordnungen stellt, doch fort und fort in der stärksten Weise auf die Welt eingewirkt und daß sie ganz wesentlich die Kirche zu ihrer Wirksamkeit innerhalb der Welt befähigt hat. Die Entstehung dieser Erscheinung darzustellen, heißt die Entwicklung der Beziehungen zwischen dem Christentum und den in ihm wirksamen geistigen Kräften zur Welt schildern, wobei unter Welt die ganze Summe von Ordnungen vom Staat bis zur Familie und das ge- samte Kulturleben mit Einschluß des Geisteslebens verstanden ist. Diese Entwicklung zu zeichnen, kann nicht Aufgabe der folgenden Erörterungen sein. Denn die verschiedenen Fäden aufzuzeigen, die sich durch die Geschichte der ersten Jahrhunderte hindurchschlingen, ist nicht die Sache einer Abhandlung. Hier soll vielmehr versucht werden, über einen Punkt Klarheit zu schaffen, der die Zusammenhänge des christlichen Mönchtums mit anderen Erscheinungen auf dem Gebiete der Religionsgeschichte betrifft.
Die Erforschung der Anfänge des Mönchtums hat in den letzten zwanzig Jahren eine lebhafte Förderung erfahren. Den Anlaß bot eine Untersuchung von H. Weingarten, mit der die Zeitschrift für Kirchengeschichte 1876 ihren ersten Jahrgang eröffnete ¹). Die über- raschenden Sätze, die Weingarten aufstellte und zu begründen suchte, zielten auf den Nach- weis, daß das Mönchtum keineswegs in der konstantinischen Zeit entstanden, vielmehr erst nach dem Jahre 350 aufgekommen sei. Alle Berichte, die ein früheres Vorhandensein be- haupteten, seien gefälscht, namentlich sei die Vita des Antonius, des«Vaters des Mönchtumss», zu Unrecht dem Athanasius beigelegt worden. Alle späteren Quellen, Palladius in der historia Lausiaca, Rufin in der historia monachorum, Cassian in den Institutiones und col- lationes und vor allem Hieronymus in seinen Mönchsviten, seien als unglaubwürdig zu ver- werfen, wenn sie von Mönchen berichteten, die bereits in konstantinischer Zeit gewirkt hätten. Vielmehr sei das Mönchtum in späterer Zeit als eine Fortsetzung des Mönchtums, wie wir es in den Sarapisheiligtümern finden, in Agypten entstanden. Gegen die von verschiedenen
1) Der Ursprung des Mönchtums im nachkonstantinischen Zeitalter Zeitschr. f. KG. I. S. 1 fl. Eine etwas erweiterte Separatausgabe der Abhandlung erschien Gotha 1877. Nach ihr citiere ich.
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