Aufsatz 
Der Zeichenunterricht in der Realschule / [vom Gesang- und Zeichenlehrer Presber]
Entstehung
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Linien, zunächſt durch das Parallelſchieben, ſowie die Conſtructionen der zur Beſtimmung der verjüngten Maßſtäbe anzuwendenden Proportionallinien. Hierauf geht man zur Zeich⸗ nung der gewöhnlichen und Transverſalmaßſtäbe und zur Anleitung im richtigen Abgreifen über.

Nach der Löſung dieſer Aufgaben ſchreitet man zur Theilung der Winkel, der An⸗ fertigung des Transporteurs, gibt die nöthige Unterweiſung in Handhabung dieſes In⸗ ſtrumentes und zeigt die Anwendung desſelben als Gradbogen bei Grubenaufnahmen, ſowie bei Höhenmeſſungen über Tag. Cbenſo müſſen die Conſtructionen der Drei⸗ und Vierecke, dann die für Maſchinenbauer, Uhrmacher ꝛc. höchſt wichtige Theilung der Kreislinie, ſowie die Zeichnung der regelmäßigen Vielecke im Kreis und über eine gegebene Seite gruͤndlich eingeübt werden. Weiter werden unregelmäßige Vielecke nach be⸗ ſtimmten Maßen gezeichnet, dabei auf die Anwendung des Proportionalzirkels und Storch⸗ ſchnabels(Pantographen) aufmerkſam gemacht(für künftige Geometer ſehr inſtructiv), Tan⸗ genten zum Kreiſe gezogen(in der Praris anwendbar bei Beſtimmung und Berechnung der um 2 Räder zu legenden Riemen), die bei künftigen Steinhauern, Schreinern, Spenglern ꝛc. häufig angewandten architektoniſchen Glieder(Viertelsſtab, Rundſtab, Hohlleiſte, Rinnleiſte, Kehlleiſte, Sturzrinne) und die Schneckenlinien, beſonders die Volute am Kapitäl der joniſchen Säule, conſtruirt. Daran ſchließen ſich die in der Baukunſt vorkommenden architek⸗ toniſchen Bogen(Löniſche, gedrückte, ſteigende, gothiſche, mauriſche, ägyptiſche, perſiſche, indiſche, Stich- und Fledermausbogen ꝛt.), die Ovale und Eilinien, die Kegelſchnitt⸗ linien, die Evolvente, Cykloide, Epicykloide und Hypocykloide ꝛc. Mit den betreffenden Zeichnungen iſt ſtets zu verbinden die Hinweiſung auf die practiſche Anwendung, ſo der Ellipſenform bei Gegenſtänden, die der Schreiner, Spengler, Küfer, Maurer u. ſ. w. anfertigt; der Parabel bei Spaten, Pflugſcharen, Drillbohrern, Dämmen, Ausgußrinnen, Hohlſpiegeln ꝛc.; der Evolvente bei Hebedaumen eines Pochwerks und den Zähnen eines Stirnrades, durch welches eine Zahnſtange in Bewegung geſetzt wird, ſowie den Zähnen der coniſchen Räder, welche unter einem rechten Winkel eingreifen; endlich der Cykloide bei Zahnſtangen und der Epi⸗ und Hypocykloide bei verzahnten Rädern u. dgl. m.

Den Schluß bilden die gothiſchen Maßwerke(Naſen, Drei⸗, Vierpaß ꝛc., Fiſch⸗ blaſen oder Schweifungen, Sternroſen, Roſetten ꝛc.) und die ſchon erwähnten geometriſchen Ornamente.

Bei beſonders befähigter Claſſe wird auch die fuͤr Geometer wichtige Theilung und Verwandlung der Figuren, ſowie die bei Maurern und Zimmerleuten in Anwendung kommende Beſtimmung des Schwerpunctes unregelmäͤßiger Vielecke in den geome⸗ triſchen Zeichenunterricht aufgenommen werden können, andernfalls ſind dieſe Aufgaben in die Lehrſtunden der eigentlichen Geometrie zu verweiſen.*)

*) In Bezug auf die Ausführung der Zeichnung iſt es für die Präciſion der Conſtructionen zweckmäßig, ſie vorerſt in Blei zu entwerfen und dann in Tuſch auszuziehen; Hülfslinien werden hier geſtrichelt oder zur Zeiterſparung in Carmin ausgeführt. Beim Ziehen der Curven empfiehlt ſich das Curvenlineal. Auch die practiſche Conſtruction der Ellipſe mit einer Schnur oder einem Ellipſenzieher iſt beiläufig anzugeben.

Für den Unterricht im geometriſchen Zeichnen ſind zu empfehlen:

1) H. Weishaupt'sElementarunterricht im Linearzeichnen. 1. Abtheilung: Geometriſche Zeichnungslehre. München 1856. 15 Tafeln und ein Band Text. 1 fl. 45 kr. 1. Abtheilung 2r Theil: 1861. 16 Tafeln mit 1 Band Text. 2 fl. 24 kr.