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geometriſche Zeichnen, als deſſen erſte Stufe, wo möglich auch ſchon in der erſten Alters— claſſe derſelben beginnen. Wir verhehlen uns nicht die Schwierigkeiten, die mit dem ſo frühen Beginn dieſes Lehrgegenſtandes verbunden ſind, zumal wenn der Schüler noch gar nicht im Freihandzeichnen geübt iſt. Da jedoch die Realſchule in der Regel ihre Zöglinge nur bis zum 14. Lebensjahre behält, und in derſelben die Vorübungen im Linearzeichnen doch zu einem ge⸗ nügenden Abſchluß gelangen ſollen, ſo bleibt Nichts übrig, als daß der Unterricht im geome⸗ triſchen Zeichnen, wenn nicht die darſtellende Geometrie zu kurz behandelt werden oder die Per⸗ ſpective gar ganz ausfallen ſoll, mit dem vorgeſchlagenen Alter beginne. Auch erſehen wir aus einzelnen Programmen, daß an den betreffenden Schulen der Unterricht in dieſer Diseiplin in der That ſchon mit dem 10. Jahre ſeinen Anfang nimmt.
Im geometriſchen Zeichenunterricht ſollen die Schuͤler mit Linien, Winkeln und Figuren, welche in der Ebene liegen, bekannt gemacht werden und zugleich die nöthige Anleitung erhalten, dieſelben mittelſt Lineal, Winkel, Zirkel, Reißfeder ꝛc. ſchnell, pünctlich, ſauber und ſchön zu zeichnen. Die geometriſchen Conſtructionen ſind nicht nur als Vorübung für ſpätere genaue und richtige Ausführung techniſcher Zeichnungen nothwendig, ſondern finden auch ſchon unmittel⸗ bar in der Praris des Handwerkers Anwendung. Indeſſen muß bei der Kürze der Zeit, welche dieſem Unterricht nur gewidmet werden kann, derſelbe um ſo eher von der Beweisführung bei Darſtellung der Figuren abſehen, als dieſe füglich in den geometriſchen Unterricht verwieſen werden kann, welcher ja ebenfalls Lehrgegenſtand der Realſchule iſt und ſeinerſeits durch jenen weſentlich gefördert wird.
Nachdem in den erſten Lehrſtunden die nöthigen Erläͤuterungen über Behandlung und Gebrauch der einzelnen Inſtrumente eines Reißzeuges vorausgegangen ſind, läßt man die ver— ſchiedenen Uebungen mittelſt der gewöhnlichen Reißfeder und der Einſatzziehfeder im Ziehen von geraden und kreisförmigen(ausgezogenen, punctirten und geſtrichelten) Linien von der größten Feinheit bis zur größten Stärke machen, welche die Feder geben kann. Auf die gute Löͤſung dieſer erſten Uebungen möchten wir denſelben Werth legen, wie auf die ſichere Aus⸗ führung der erſten Linien beim Freihandzeichnen. Wird der Schuler hierbei richtig geleitet, ſo wird es nicht ſchwer fallen, auch ſpäter reine und ſchöne Zeichnungen complicirter Figuren von ihm zu erhalten.
Iſt eine genugende Fertigkeit in dieſer Vorübung erreicht, ſo beginnt der Unterricht im eigentlichen geometriſchen Zeichnen, bei dem ſich die Methode, dergemäß der Lehrer an die Tafel vorzeichnet, am Meiſten empfiehlt, da durch das Anſchauen der allmählichen Entſtehung der Figuren auch das Verſtändniß derſelben weſentlich gefördert wird.
Indem man von den einfachen Conſtructionen,— deren viele üͤber eine Aufgabe aus⸗ zufuͤhren ſchon der Mangel an Zeit, mehr aber die Beſorgniß verbietet, den Anfänger zu ver⸗ wirren,— zu den ſchwierigeren fortſchreitet, tritt bei letzteren der Gebrauch des Reißbrettes ein; den Schluß der Aufgabe dieſes Curſus bildet das Anlegen einiger Zeichnungen(beſonders geometriſcher Ornamente) mit Tuſch und andern Waſſerfarben. Dabei muß überall auf die Anwendung der betreffenden Conſtructionen in der Praris hingewieſen werden.
Im Einzelnen geht man von der Verlängerung einer geraden Linie auf das Fällen eines Perpendikels über und macht hier ſchon auf den Gebrauch des Winkels, des Senkels, der Setz- und Waſſerwage im practiſchen Leben aufmerkſam. Hieran reiht ſich das Transportiren der Winkel und das Ziehen der Parallellinien;(bei den letztern übe man das ſogenannte Parallelſchieben). Dann folgen die Uebungen im Theilen der
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