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c) nach Modellen.
(2 Stunden wöchentlich vom 13—14. Jahre.)
Erſt wenn der Schüler den vorbezeichneten Curſus vollſtändig abſolvirt hat, wird das Zeichnen nach Gypsmodellen als abſchließende Uebung im Freihandzeichnen den gewünſchten Erfolg haben. Zwar bietet bei dieſen Uebungen das Entwerfen und Auszeichnen für den genugſam an Vorlagen geübten Blick keine ſonderlich erheblichen Schwierigkeiten mehr, dagegen liegt in der Stellung, Entfernung und Beleuchtung des in körperlichen Dimenſionen vorliegen⸗ den Zeichenobjectes fuͤr den Anfänger etwas Neues und Ungewohntes, für deſſen richtige Auf⸗ faſſung der Lehrer die nöthige Fürſorge gleich Anfangs treffen muß. So hat derſelbe darauf hinzuweiſen, daß der Standpunkt des Zeichners in der geeigneten Entfernung genommen und nach keiner Richtung hin verändert werde, ſowie er dafür zu ſorgen hat, daß das Modell die zweckmäßigſte Beleuchtung(mehr von oben und möglichſt von einem Fenſter aus) erhalte. Um die an demſelben hervortretenden perſpectiviſchen Erſcheinungen in einfachſter Weiſe zur An⸗ ſchauung zu bringen, wird er als Vorübung einfache mathematiſche Körper abzeichnen laſſen, und dann erſt zu der eigentlichen Aufgabe, zum Entwurfe plaſtiſcher Ornamente, übergehen. Auch im Schattiren dieſer Ornamente wird nach den früher gegebenen Erklärungen der Arten von Schatten und der erlangten Uebung im Zeichnen derſelben nach Vorlagen der Schüler keine allzuſchwierige Aufgabe finden.*)
B. Linearzeichnen.**) I. Geometriſches Zeichnen.***)
(2 Stunden wöchentlich nacheinander, vom 10— 11. und vom 11— 12. Jahre.)
Mit Rückſicht darauf, daß das geſammte Gebiet des Linearzeichnens(mit Ausſchluß des techniſchen Zeichnens) in der Realſchule einigermaßen ſeine Crledigung finden ſoll, muß das
Gegen das Verwiſchen ſchützt ſowohl Bleifeder⸗ als Kreidezeichnungen das Uebergießen der auf dem Reißbrette aufgeſpannten Zeichnung mit Leim- oder Gummiwaſſer; in Ermangelung eines ſolchen thut auch ſchon reines Waſſer gute Dienſte.
Vorzügliche ornamentale Vorlagen mit Schatten finden ſich in folgenden Werken:
1) Das 9. und 10. Heft in Weishaupt's Elementarunterricht im Freihandzeichnen.(Siehe Seite 5.) 2) C. Domſchke, der Ornamentenzeichner bei Winkelmann in Berlin. 2. und 3. Heft. à 1 fl. 12 kr.
4. Heft(aux deux Crayons) 3 fl.
3) Ornements aux deux Crayons d'après Jullien. Wien bei Paterno. 6 Blätter. 3 fl. 30 kr.
4) Allgemeine Zeichenſchule in Umriſſen von Beckmann, Strauß, Hammann c. Formen
und Ornamente. 2. und 3. Heft(halbſchattirt); à 1 fl. 48 kr. Hannover, Karl Hornemann.
5) E. Eiſenlohr's Ornamentik. Karlsruhe. 9 Hefte à 2 fl. 24 kr.(Theilweiſe in Farben ausgeführt.)
6) F. O. Rothe's praetiſche Originalornamente. Leipzig und Dresden bei A. H. Payne. 24 Hefte à 7 ½ Sgr.
7) Wilhelm Bogler's Ornamente. 18 Hefte. Mainz. 10 fl. 30 kr.
Die Abweichung von der ſenkrechten Richtung kann der Schüler ſehr leicht durch einen kleinen Senkel und
die von der wagrechten durch einen vor ſich horizontal gehaltenen Zeichenſtift auffinden. Nach und nach
muß er auch ohne dieſe Hülfsmittel ſeinen Entwurf machen lernen.
*n) Im Jahre 1835 überſetzte Kaufmann Lamotte's Werk über das Linearzeichnen und ſeitdem erſt iſt dieſes Gegenſtand eines beſonderen Unterrichts in Deutſchland geworden.
***)„Jedenfalls gehört das Fach des geometriſchen Zeichnens nach ſeinem ganzen Inhalte zu den wichtigſten Fächern der Realſchule.“ O. Fiſcher.
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