b) mit Schattirung. (2 Stunden wöchentlich vom 12— 13. Jahre.)
Hat der Schüler die Fertigkeit erworben, Umriſſe correct darzuſtellen, ſo wird die Er— langung der nöͤthigen Gewandtheit im Schattiren Hauptaufgabe; nun erſt wird der Zeich⸗ nung durch Schatten und Licht Ausdruck und Leben gegeben, wiewohl auch hier der Haupt⸗ werth derſelben auf deren richtige Umriſſe,„welche den Koͤrper und die geſtaltete Form beſtimmen,“ gelegt werden muß.
Als Vorübung für das Schattiren dient das Zeichnen(mit Bleiſtift) gleichweiter neben⸗ und dann auch mit rautenförmiger Durchkreuzung übereinanderliegender Striche. Da jedoch auch hier eine kurzgefaßte und faßliche Theorie der Licht⸗ und Schattenlehre nicht fehlen darf, ſo iſt an einfachen Körpern nachzuweiſen, wie die Schatten durch das Licht entſtehen, und ſodann ſind die drei Hauptarten derſelben mittelſt des Objects aufzuzeigen. An die Begriffs⸗ beſtimmung der Haupt-, Halb⸗ und Schlagſchatten ſchließt ſich als letzte die der Reflere an. Da indeſſen das vorgeſtellte Modell über die Art und Weiſe des Schattirens keinen Aufſchluß gibt, ſo empfehlen ſich für das Zeichnen ſelbſt, trotz mancher entgegengeſetzter Anſichten, doch nur Vorlegeblätter, weil ſie dem Anfänger die Manier des Schattirens, ſowie den Ausdruck der Form leichter und beſtimmter zur Anſchauung bringen.*)
Was den Gang des Unterrichts anlangt, ſo läßt man zuerſt Ornamente in halber Haltung, ſpäter auch in ganzer Haltung zeichnen, und zwar beginnt man auch hier mit Uebungen in Blei, geht dann auf ſolche mit Kreide über und ſchließt mit Federzeichnen, zu welchem die groͤßte Sicherheit der Hand erforderlich iſt, dieſelben ab.**)
2) J. Sedlmaier(Lehrer an der Handwerks⸗Feiertagsſchule zu München), 24 griechiſche Ornamente in Umriſſen und 24 mittelalterliche Ornamente. 2. Aufl. München. 3 fl. 3) C. Möllinger, Hauptformen architektoniſcher Ornamente der claſſiſchen Zeit der alten Griechen. Holzminden. 16 Sgr.
4) H. Weishaupt's Elementarunterricht im Freihandzeichnen ꝛc. 4.— 8. Heft.(Siehe Seite 5.)
5) J. B. Weiß, Elemente der Ornamentenzeichnung. 3 Hefte a 24 Blätter. Kempten. 2 fl. 42 kr.
6) Derſelbe, 24 Blätter Ornamenten⸗Zeichnen in Detailen. 1 fl. 48 kr.
7) H. Meichelt, Ornamentenzeichnen. 2 Hefte. 2 fl. 40 kr.
8) C. Domſchke, der Ornamentenzeichner. 1. Heft. Berlin. 1 fl. 12 kr.
9) W. Weſtmann, ornamentale Vorlagen. Wien. 4 Hefte. *) Um die Technik des Schattirens mit Kreide in ſtufenweiſer Folge anſchaulich zu machen, eignet ſich beſon⸗ ders das von Profeſſor Kugler in ſeinem Kunſtblatt empfohlene Werk:„Anleitung zum Schattiren in 60 Vorlagen als nothwendige Uebergangsſtufe zur Plaſtik des freien Handzeichnens, zunächſt für Schulen bearbeitet“ von C. J. Lilienfeld, Maler und Lehrer. Magdeburg bei Fabrieius. 1846. gr. 12. Preis 1 Thlr. Um auch von dem Anfänger gefällige Zeichnungen zu erhalten, läßt man ihn die Conturen erſt uuf gewöhn⸗ liches Schreibpapier anfertigen, mit Hülfe eines auf der Rückſeite mit Graphit geſchwärzten Blattes auf den Zeichenbogen durchpauſen und an den geeigneten Stellen den Umriß zart nachfahren. Bei Kreidezeich⸗ nungen bedient man ſich der Reißkohle, um die Umriſſe ſogleich auf das Zeichenpapier zu entwerfen. Will man eine Bleifeder⸗ oder Kreidezeichnung ſchneller und in ihren Schattenpartien weicher zu Stande bringen, ſo läßt man die Hauptſchattenmaſſen bei größeren Zeichnungen mit dem Wiſcher anlegen und alsdann daruͤber ſchraffiren. Auch wendet man, wenn es gilt, eine Zeichnung raſch zu vollenden, Naturpapier von nicht zu heller Farbe an, indem man auf demſelben nur die Haupt⸗ und Schlagſchattenpartien anzulegen und die Lichter mit weißer Kreide aufzuſetzen hat. Dieſe Art von Zeichnungen haben auch den oft gewünſchten Vortheil eines ſtärkeren Effects. Die Haupt⸗ und Schlagſchatten legt man am Beſten mit ſtumpfer Kreide an, ſo auch die Halbſchatten, und arbeitet die kräftigſten Schatten zuletzt mit ſpitzer Kreide nach.
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