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An die Einuͤbung des Zeichnens der verſchiedenen geraden Linien ſchließt ſich die der krummen oder gebogenen an.*)
Der Anfang wird mit dem Zeichnen flacher Bogen in verſchiedenen Lagen, als mit den leichteſten Aufgaben dieſer Art, gemacht, ſodann geht man zu dem Viertel⸗ und Halb⸗ kreis und endlich zu dem ganzen Kreis über, den man zuerſt zur Erleichterung des Schuͤlers entweder in ein Quadrat oder um zwei gleichlange, ſich in der Mitte rechtwinkelig ſchneidende Huͤlfslinien ziehen läßt. An die Bildung der Kreisform ſchließt ſich die der Eilinie, des Ovals, der Spirale ꝛc. an. Einfache Blattformen und Blumen, Früchte, Urnen Vaſen ꝛc. werden als letzte hierher gehörige Uebungen zu betrachten ſein. Die entſprechende Schlußuͤbung auch auf dieſer Stufe iſt das Schattiren aller dieſer verſchiedenen Linien.**)
II. Ornamentenzeichnen. a) in bloßen Umriſſen.**) (2 Stunden wöchentlich vom 11— 12. Jahre.)
An das Elementarzeichnen reiht ſich das Ornamentenzeichnen an, welches man deßhalb in neuerer Zeit mit Recht in höherem Maße in den Kreis des Zeichenunterrichts der Schule
*)„Dem Anfänger wird das Zeichnen der Bogenlinien viel Schwierigkeiten verurſachen. Es darf, wie bei den geraden Linien, ein gemäßigtes Ziehen derſelben, ohne dabei abzuſetzen, nicht außer Acht gelaſſen werden.“(H. Weishaupt.) Auch die gebogenen Linien werden am Bequemſten von oben nach unten oder von der Linken zur Rechten gezeichnet; indeſſen empfiehlt ſich auch hier ein jeweiliges Zeichnen derſelben in umgekehrter Richtung.„Die geſchwungene Linie hat der Anfänger in jeder beliebigen Biegung und Lage oder Richtung durch einen feſten Zug correct und ohne Wanken zu lernen.“(C. Möllinger.) Zur Erleichterung des Entwerfens der krummen Linien wendet man ſchwach gezogene(nicht punetirte) gerade Linien an, und zwar muß der Schüler von Anfang an gewöhnt werden, immer erſt, nachdem dieſe ſenk— rechten und wagrechten Hülfs⸗ und Eintheilungslinien angegeben ſind, die Hauptform und in dieſe hinein die einzelnen Theile fein zu entwerfen. Auch bei dieſen Entwürfen iſt auf die Grundregel zu achten, nämlich oben links anzufangen und ſowohl nach unten als auch nach rechts auf beiden Seiten gleichmäßig fortzuarbeiten. Zu Anfange läßt man die gekrümmten Striche auch hier in der Größe ausführen, wie es den Fingern am Bequemſten und Angemeſſenſten iſt; in der Folge gewöhnt man den Schüler, die Aufgaben in größeren Dimenſionen zu zeichnen. Erſt nach dem vollendeten Entwurfe beginnt das Reinzeichnen.
**) Empfehlenswerthe Werke für den Unterricht im Elementarzeichnen ſind: 1
1) Zeichnungslehre von J. Ramsauer. 2 Theile mit 31 Tafeln. Stuttgart und Tübingen. 2 fl. 55 kr. (Der 2. Theil enthält die Perſpective.)
2) J. G. Wolff, erſte Grundlage des rationalen Zeichenunterrichts. 2. Aufl. Leipzig. 5 Hefte. 1 fl. 30 kr.
3) H. Meichelt(Profeſſor in Karlsruhe), elementares Freihandzeichnen ac. 1 Heft. 1 fl. 12 kr.
4) H. Weishaupt(Beichenlehrer an dem Maximilians⸗Gymnaſium und der Handwerks⸗Feiertagsſchule zu München), Elementarunterricht im Freihandzeichnen u. ſ. w. 1. Abtheilung, aus 120 Ta⸗ feln in 10 Heften beſtehend, mit erläuterndem Texte. München 1858.(Das 1. Heft enthält das eigent⸗ liche Elementarzeichnen; in dem Texte ſind treffliche Winke für angehende Zeichenlehrer gegeben.)
5) Zeichnungs⸗ABC für den Vorbereitungsunterricht des freien Handzeichnens von C. Möllinger, Architekt und Lehrer an der Baugewerkſchule in Holzminden. 3 Stufen in 7 Heften. Holzminden 1863.(Auf 56 Blättern ſind die Vorzeichnungen gedruckt und ſoll der Anfänger dieſelben nebenan mehrfach nachzeichnen.) Preis der 7 Hefte 1 fl. 38 kr.
6) Der Elementarzeichner. 1—4. Heft. Berlin, Winkelmann und Söhne, à Heft 54 kr.
7) J. Müller's Vorſchule im Freihandzeichnen. Wiesbadeg. 1. Heft gerade Linien. 16 kr.
***)„Das Zeichnen der richtigen Umriſſe iſt die Seele der Zeichenkunſt.“ Ausfeld.


