Aufsatz 
Der Zeichenunterricht in der Realschule / [vom Gesang- und Zeichenlehrer Presber]
Entstehung
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Entwurfe desſelben verfahren muß; das Nachzeichnen dieſer Bildform wird ihm ohne Zweifel weniger Schwierigkeit darbieten, als das Abzeichnen eines Modells ohne Kenntniß der Perſpective.

Im Elementarzeichnen wird der Lehrgang ungefähr folgender ſein:*)

Man beginnt mit der geraden Linie nach allen Richtungen. Nachdem die nöthigen Begriffe vonſenkrecht,wagrecht undſchief gegeben ſind, übt man zunächſt die ſenkrechte Linie ſo lange, bis ſie mit Sicherheit gezogen wird, und dann erſt ſchreitet man zur wag⸗ rechten und zuletzt zur ſchiefen.**) Wenn hinreichende Sicherheit im Ziehen der geraden Linie erlangt iſt,***) geht man zum Theilen derſelben, ſowie zum Bilden und Theilen der Winkel über. Hierbei iſt beſonderes Gewicht darauf zu legen, daß der rechte Winkel in den verſchiedenſten Lagen gezeichnet werde. An dieſe Uebungen reiht ſich das Zeichnen ge⸗ ſchloſſener Figuren der Drei-, Vier⸗ und regelmäßigen Vielecke. Zuſammengeſetzte ſymmetriſche Figuren, aus geraden Linien zuſammengeſetzte Geräthſchaften und ein⸗ fache Monumente bilden die letzten Aufgaben dieſer Stufe. Daß bei Einübung des Zeichnens aller dieſer Linien und Figuren auch deren Begriffserklärungen gegeben werden müſſen, bedarf kaum der Erwähnung. Bei einzelnen Figuren können auch ſchon Schattenlinien, und zwar gleichmäßig ſtarke, angewandt werden, jedoch erſt dann, wenn die nöthige Gewandtheit im Reinzeichnen der Conturen erworben iſt. Eine ſehr zweckmäßige Schlußübung wird das Schattiren der geraden Linie in ihrer mannichfachen Lage ſein, ſowohl nach einem ihrer Ende, als nach der Mitte hin.

*) Bor Beginn des eigentlichen Unterrichts gebe der Lehrer eine zweckmäßige Anleitung über Körperhaltung, Reinhalten des Papiers u. dgl. Er halte ſtreng darauf, daß auch nur mit freier Hand und nach bloßem Augenmaße gezeichnet werde.

Im Hinblick auf die Wichtigkeit einer richtigen Leitung des erſten Zeichenunterrichts ſeien noch folgende Bemerkungen geſtattet: Der Lehrer laſſe von jedem Schüler vorerſt zwei Hefte von je 46 Bogen in Halbbogenformat anlegen, von denen das eine aus weißem Schreibpapier zu den Uebungen, das andere aus Zeichenpapier(Handpapier ohne Waſſerſtreifen) zum Reinzeichnen dient. Gleich Anfangs iſt vor dem häu⸗ figen Gebrauch des Gummi elaſticums, ſowie vor Benetzung des Bleiſtifts zu warnen.

Beim Entwerfen laſſe man den Bleiſtift, der beim Freihandzeichnen nicht zu hart ſein ſoll, möglichſt lang halten und mit den 3 erſten Fingern der rechten Hand leicht führen; beim Auszeichnen dagegen iſt der Stift etwas kürzer und ſteiler zu faſſen, um den Linien die nöthige Schärfe und den gehörigen Ausdruck zu geben. Auf der Spitze des kleinen Fingers und hauptſächlich auf der Handwurzel muß beim Ziehen der Linien die rechte Hand ruhen, während der Oberarm ſeine Stütze auf dem Ellenbogen finden muß.(A. W. Faber Nro. 2, Großberger und Kurz Nro. 2, J. J. Rehbach in Regensburg Nro. 2, J. J. Axnd in Fulda Nro. 2, auch Robertſon und Comp. Nro. 2 ſind die geeignetſten Bleiſtifte zum Freihandzeichnen; zum ſpäteren Schattiren bediene man ſich, beſonders bei kräftigen Schatten, Nro. 1 aus den angegebenen Fabriken.) Die Elementarübungen dürfen nicht zu klein ausgeführt werden.

**) Zum genauen Beſtimmen der Richtung und Länge einer Linie gebe man zuerſt die Endpuncte fein an. Man laſſe die Linie Anfangs in einer Länge von circa einem Zoll ſcharf und zart ohne Bewegung des Oberarms, in einem Zuge, mit einer ſteten, nicht zu ſchnellen, aber auch nicht zu langſamen Handbewegung machen. Allmählich iſt der Schüler dahin zu bringen, daß er auch die längeren Linien in einem Zuge ſicher ausführt, wobei indeſſen die Hand nicht ſtoßweiſe fortrücken darf, das Handgelenk und der Unterarm ſich aber gemeſſen bewegen müſſen, ohne jedoch auf dem Ellenbogen feſt aufzuliegen.Ein Hauptgewicht iſt auf das ſichere Ziehen dieſer erſten Linien zu legen. Lilienfeld.

***) Wenn auch die ſenkrechten Linien naturgemäß von oben nach unten, und die wagrechten von links nach rechts geführt werden, ſo iſt es doch auch zweckmäßig, dieſelben zuweilen in umgekehrter Weiſe aus⸗ führen zu laſſen.