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Bemerkungen den Antheil etwas zu vergrößern, den unſere Zeit an ſprachlichen Erſcheinungen überhaupt nimmt. Noch mehr würde es mich freuen, wenn ich einen oder den andern meiner Leſer dazu vermöchte, mehr als ſonſt auf ſolche Redensarten zu achten, nach ihrem Sinn zu forſchen und ſie durch Aufzeichnung und Mittheilung an Sammler vor dem Untergang zu bewahren. So allein können manche vor Unverſtändlichkeit oder vor gänzlichem Vergeſſenwerden gerettet werden, denn wenn durch den Wechſel der Verhältniſſe gewiſſe Ausdrücke immer unverſtänd⸗ licher werden, muß ihre Anwendbarkeit abnehmen, und ſie werden zuletzt wie Pflanzen ohne Wurzeln abſterben. Nun wird einen Jeden das Leben zunächſt mit derjenigen Art von Redensarten bekannt machen, die in den Kreis fallen, dem ſeine eigene Beſchäftigung und ſein beſonderer Verkehr zugewendet iſt; um daher eine möglichſt vollzählige Sammlung zu erlangen, muß dieſe von Leuten, welche verſchiedenen Berufsklaſſen angehören, ins Werk geſetzt werden. Am meiſten werden Geiſtliche namentlich auf dem Lande, ebenſo Richter und Lehrer Gelegenheit finden, in den Kreiſen der Landleute, Handwerker, Förſter, Soldaten, Seeleute u. ſ. w. deutſche Redensarten zu hören und kennen zu lernen.
Der Verſuch, die zur Beſprechung ausgewählten Redensarten nach einem gewiſſen Syſtem zu ordnen, iſt mir nicht gelungen; ich verzichte daher auf eine ſyſtematiſche Zuſammenſtellung, die ja auch an ſich keinen größeren Werth hat, und beginne zunächſt mit einer gerade hier in Caſſel gebräuchlichen Redensart.
Kurze funfzehn machen.
Der Ausdruck kommt vom Bauweſen her. Beim Brückenbau oder wo ſonſt Pfähle eingerammt werden müſſen, ziehen 16— 20 Mann taktmäßig eine Vorrichtung, die aus einem ſchweren Klotz beſteht und Rammklotz oder Rammbär genannt wird. Dieſes Gewicht fällt auf den einzutreibenden Pfahl, und der Aufſeher der Arbeit zählt von 1 bis 15. Beim fünfzehnten Schlag oder bei dem Commando 15 tritt ein Ruhepunkt ein.
Nach einer gütigen Mittheilung meines Freundes Geh. Juſtizrath Dr. Stölzel in Berlin wird bei der ge⸗ nannten Arbeit, wenn ſie ſchwer iſt, auch vor dem 15. Stoß eine ſolche Ruhepauſe gewährt, und es entſteht dann folgende Zählung:
1, 2, 3, 15. d. h. alſo kurze 15; oder 1, 2, 3, 4, 5, 6, 15 oder lange 15.
Dieſe Art der Zählung iſt noch heute bei den angedeuteten Arbeiten im Gebrauch.
. Daß dieſe Redensart mit dem Bauen, namentlich dem Brückenbau, zuſammenhängt, geht auch daraus hervor, daß mir ältere Perſonen aus unſerer Stadt verſichert haben, ſie hätten von alten Leuten beim Billardſpielen den Ausruf:„Funfzehn Follebrücke“ gehört. Ob dieſer ſich jetzt noch erhalten hat, kann ich nicht angeben, ich erinnere daran, daß unſere Wilhelmsbrücke, gewöhnlich Fuldabrücke genannt, 1794 vollendet wurde. Die Bedeutung der Redensart hat nun allmählich den Sinn angenommen, eine Sache abkürzen, raſch zu Ende bringen, und ſie ſchließt auch noch nebenbei den Begriff ein, ſich bei Einzelnheiten und Kleinigkeiten nicht aufhalten, vielmehr kräftig und entſchieden durchgreifen.
Wander, deutſches Sprichwörter⸗Lexikon, führt auch die plattdeutſche Form der Redensart auf: daran willt wi korte Fiffteggen maken.(Lippe.)—
Schwein haben.
Die Redensart bedeutet Glück und zwar gewöhnlich unverdientes Glück haben. Der Urſprung dieſer Redens⸗ art, die keineswegs in unſerer Zeit ſich nur auf die akademiſchen Kreiſe beſchränkt, ſondern aus dieſen, in welchen ſie beſonders häufig gebraucht wird, auch in andere gedrungen iſt, führt uns auf die Wafefenfeſte der deutſchen Bürger, die ſeit 1400 allgemein verbreitet waren, ſeit 1500 auf ihrem Höhepunkt ſtanden, ſeit 1600 Spuren ihres Verfalls zeigen, und von denen in den heutigen Schützenfeſten ſich nur ein ſchwacher Ueberreſt erhalten hat. Daß bei ſolchen Feſten gute Preiſe zum Lohn des Siegers ausgeſetzt wurden, liegt in der Natur der Sache; außer dieſen gab es aber auch ſolche, die den Gewinner verhöhnen ſollten. Nach der Darſtellung von Guſtav Freytag in ſeinen Geſchichtsbildern aus Deutſchlands Vergangenheit B. II. wurde der letzte Schütz, welcher auf einen Gewinn Anſpruch machen konnte, durch eine zweideutige Auszeichnung beehrt; er erhielt unter vielen ſpöttiſchen Gratulationen des Pritſchmeiſters außer der kleinſten Geldprämie eine Sau oder ein Ferkel je nach Laune des Feſtgebers, dazu eine gute Preisfahne aber mit einem anzüglichen Bilde. Und nicht nur wenn der Sieger ein Menſch war, geſchah dies, auch bei einem Pferderennen in Ulm 1468 erhielt das langſamſte der Pferde eine Sau, die es in die Stadt führen mußte. Die Annahme, daß alſo von jenem Gebrauch bei Waffenfeſten die Redensart herkomme, ſcheint mir nicht


