Das Sommersemester und mit ihm das neue Schuljahr begann am 8. April 1872. Mit demselben trat an die Stelle des zum 1. April entlassenen Hülfslehrers Pfarrers Hopf
der bisherige Rector der Stadtschule zu Wolfhagen, Pfarrer Paulus.
Siegmund Paulus, geb. zu Ersen(Kr. Hofgeismar) am 26. Juni 1839, besuchte 1854— 1858 das hiesige Gymnasium. 1858— 1860 dasjenige zu Rinteln, studierte Theologie zu Marburg, ward Lehrer in einem Privat- institut, 1865 Pfarrassistent zu Waldkappel, Januar 1867 Vicar in Kruspis bei Hersfeld, Juni 1867 in Heiligen- rode, Dec. 1867 in Berenburg, 1868 in Waldkappel; bestand 1868 die Rectorprüfung und wurde Herbst 1868 Rector in Wolfhagen.
Zu gleicher Zeit wurde für den an die höhere Bürgerschule zu Schmalkalden versetzten Hülfslehrer Engelhard der Candidat des höheren Schulamts Wagner dem Gymnasium als Probe-
Candidat zugewiesen und mit Aushülfeleistung beauftragt.
Carl Wagner, geb. zu Ringenkuhl bei Groszalmerode am 29. November 1846, evangelischer Confession, besuchte bis zu Ostern 1866 das hiesige Gymnasium, studierte hierauf Philologie in Marburg und bestand daselbst, nachdem er aus dem Kriege von 1870/71 heimgekehrt war, im März 1872 die Prüfung pro facultate
docendi. Durch Verfügung Königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 1. Juni 1872 wurde der Hülfs-
lehrer Püttgen zum elften ordentlichen Lehrer vom 1. April 1872 ab ernannt.
Ferien waren während des Sommerhalbjahres vom 1. bis zum 27. Juli. An der während derselben abgehaltenen Ferienschule nahmen 86 Schüler Theil.
Durch Verfügung Königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 8. Juli 1872 wurde der Pfarrer Ernst Paulus von den ihm seit Ostern 1862 übertragenen Functionen am Gymnasium unter dem Ausdruck der Anerkennung für seine gewissenhafte und segensreiche Thätigkeit entbunden. An seiner Stelle wurde der Metropolitan Dr. theol. Hochhuth mit Ertheilung von 16 wöchentlichen
Religionsstunden beauftragt.
Carl Wilhelm Her mann Hochhuth, geb. zu Eschwege 1825, besuchte 1839— 1843 das Gymnasium zu Hersfeld, studierte 1843— 1846 Theologie in Marburg, war 1847— 1862 Pfarrassistent und Conrector an der Bürgerschule zu Eschwege, 1862—1870 ref. Pfarrer und Metropolitan in Frankenberg, seit Sommer 1872 Pfarrer der Unterneustädter Geme inde dahier. Am 22. März 1872 erhielt er von der Universität Marburg die Würde
eines doctor theologiae.
Der Oberlehrer Casselmann sah sich leider durch die Rücksicht auf seinen Gesundheits- zustand, welchem weder ein längerer Urlaub noch eine Badekur anhaltende Besserung verschafft hatten, genöthigt, seine Pensionierung zum 1. September 1872 nachzusuchen. Die Anstalt bewahrt dem ebenso kenntniszreichen wie pflichttreuen und freundlichen Lehrer ein dankbares Andenken.
Die Lectionen des Oberlehrers Casselmann wurden bis zum Schlusse des Sommerhalbjahres von den Probe-Candidaten Dr. Flügel und Kius übernommen.
Die Abiturientenprüfung zum Herbsttermin 1872 wurde in ihrem schriftlichen Theile vom 22. bis zum 28. August, in ihrem mündlichen Theile unter dem Vorsitze des Provinzial-Schulraths Dr. Rumpel am 23. September abgehalten.
Zur Feier des 2. September betheiligte sich die Anstalt an dem von der Stadt Cassel veran- stalteten Festzuge der gesammten Casseler Schuljugend nach der Carlsaue. Nachmittags wurde wieder wie im Jahr zuvor ein Spaziergang des Gymnasiums nach der Knallhütte gemacht.


