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Das Sommerhalbjahr wurde am 28. September mit öffentlicher Prüfung der Herbstklassen und einer Schluszandacht beschlossen; das Winterhalbjahr begann am 14. October 1872.
Mit dem Beginn des Wintersemesters traten Dr. Kraemer und Candidat Kius als wissen- schaftliche Hülfslehrer, Lehrer Weidenbusch als technischer Hülfslehrer für Zeichnen und Turnen ein.
Dr. Carl Wilhelm Kraemer, geb. zu Steinbach bei Giessen am 21. December 1837, lutherischer Con- fession, besuchte 1853— 1856 das Gymnasium zu Mainz, studierte 1856— 1859 Theologie und Philologie in Giessen, bestand Ostern 1859 die theologische Prüfung, promovierte in Giessen im August 1860 auf Grund einer Prüfung in Philologie und Philosophie sowie einer Abhandlung„über die Freiheit des menschlichen Willens“ und bestand im September 1860 die theologische Definitorialprüfung. Im Januar 1861 ward er Lehrer an einer Erziehungsanstalt zu Offenbach a. M., im August 1862 an der Kantonsschule zu Frauenfeld in Thurgau, Ostern 1865 erster Lehrer für Philologie und Geschichte an der Realschule I. Ordnung zu Gera, bis er daselbst am 1. August 1871 seine Entlassung nahm. Seitdem privatisierte er, vorwiegend mit pädagogischen Studien beschäftigt..
Oscar Kius, geb. zu Alsfeld am 10. December 1848, evangelischer Confession, besuchte 1860—1867 das Gymnasium zu Weimar, studierte 1867— 1870 Philologie in Jena und dann bis 1872 in Göttingen. Den französischen Krieg machte er im 95. Regiment mit und erwarb sich das eiserne Kreuz.
Wilhelm Weidenbusch, geb. zu Lindenholzhausen(Reg.-Bez. Wiesbaden) am 26. März 1846, katholischer Confession, wurde im Seminar zu Montabaur gebildet. wurde 1865 Lehrer an der Realschule und zugleich Zeichen- lehrer an der Gewerbeschule zu Bad Schwalbach. Im Winter 1869/70 besuchte er die Kgl. Central-Turnanstalt zu Berlin. Er machte den Krieg gegen Frankreich im 87. Regiment mit und erwarb sich das eiserne Kreuz. Mit dem 1. October rückten die Oberlehrer Dr. Grosz, Dr. Lindenkohl, Riedel, Authl.
und Ernst in die 4. resp. 5. 6. 7. und 8. Oberlehrerstelle vor und wurde Candidat Dr. Osthoff zum 13. ordentlichen Lehrer ernannt.(Verfügungen Königlichen Trorinzial. Schulcollegiums vom 26. September und vom 11. October 1872.)
Am 1. December waren 50 Jahre verflossen, seitdem der Huülfslehrer Geyer in den Staats- dienst getreten war. Leider erhielt der Director zu spät Kenntnisz hiervon, um eine Feier dieses seltenen Festes in der gewünschten Ausdehnung veranstalten zu können. Erst nachträglich, am 21. December konnte der Director am Schlusse der Hora den Jubilar im Namen der Anstalt beglück- wünschen und ihm den von Sr. Majestät dem König allergnädigst verliehenen Rothen Adler-Orden vierter Klasse(mit der Jahreszahl 50) überreichen. Der Abend vereinigte die jetzigen und früheren Casseler Collegen des Jubilars zu einem frohen Festmahle in der Carlsaue-Restauration, und bei dieser Gelegenheit wurde dem Lehrer Geyer ein silberner Pokal als Festgabe des jetzigen Lehrer- collegiums überreicht.
Die alljährliche Abendmahlsfeier für die evangelischen Lehrer und Schüler des Gymnasiums war am 3. November in der St. Martinskirche.
Die Christtagsferien dauerten vom 21. December 1872 bis zum 5. Januar 1873.
Am 18. Januar veranstaltete die Anstalt eine musikalische Abendunterhaltung in der Aula. Eine Sammlung von Gaben zum Besten der durch die Sturmfluth beschädigten deutschen Bewohner der Ostseeküsten ergab hierbei die Summe von 93 Thalern.
Durch Verfügung Sr. Excellenz des Herrn Ministers vom 13. Januar 1873 wurde dem Ober- lehrer Ernst die Stelle eines Regierungs-Referenten für die katholischen Elementarschulen des Regierungsbezirks Cassel als Nebenstelle provisorisch übertragen.
In der Woche vom 27. Januar bis zum 1. Februar nahm der Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel eine Revision der Anstalt vor.


