Aufsatz 
Über die Interferenzerscheinungen und primären Gebilde feiner und regelmäßiger Wellensysteme tropfbarer Flüssigkeiten und ihre Darstellung auf dioptrischem Wege
Entstehung
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I.

Methode, sehr feine und regelmässige Undulationen zu erzeugen. Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Wellen.

Wenn aus der Erregungsstelle in gleichen Zeiten gleich- viel Wellen hervorgehen, so ist das dadurch entstehende Wellensystem ein regelmässiges, und nur dieses soll hier in Betracht gezogen werden. Zur Erzeugung regelmässiger Un- dulationen bediene ich mich der transversalen Schwingungen elastischer Stäbe oder Drähte, welche an ihrem einen Ende befestigt sind und mit dem andern Ende den Wasserspiegel berühren. Die freien Oscillationen elastischer Stäbe sind, so lange ihre Amplitude gewisse Grenzen nicht überschreitet, als isochron zu betrachten, und erzeugen daher, mit dem Wasser in Berührung gebracht, jenen feinen und regelmässigen Wellen- schlag, welcher eine Grundbedingung für die Entstehung reiner und scharf ausgeprägter Interferenzen ist. Diese Gattung von Wellen ist es, welche wir als Träger der hier zur Sprache kom- menden Erscheinungen zu betrachten haben; sie unterscheidet sich von den auf gewöhnliche Weise erregten Wellen durch ihre ungemein rasche, höchst regelmässige Aufeinanderfolge und ihre geringe kaum einen Millimeter betragende Höhe. Gibt man den elastischen Drähten bei gleicher Dicke verschie- dene Längen, so verhalten sich bekanntlich die Schwingungs- zahlen umgekehrt, wie die Quadratwurzeln aus den Längen. Durch Verkürzung und Verlängerung des Stabes oder Drahtes ist man daher im Stande, die Geschwindigkeit der Oscilla- tionen zu reguliren und kürzere oder längere Wellen zu er- zeugen. Jede Oscillation, d. h. jeder Auf- und Niedergang des elastischen Stabes erzeugt eine Wellenlänge.