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auf wiederholtes Ersuchen des Stadrats unterm 23. Oktober 1890 die Eingabe dem K. Prov.-Schulkollegium. Dieses lehnte es jedoch unterm 29. desselben Mon. ab, dem Antrage eher näher zu treten, als bis die höheren Orts schwebenden Verhandlungen über die Or- ganisation des höheren Schulwesens abgeschlossen seien. Als im Sommer 1891 dieser Augenblick gekommen schien, richtete dann am 18 August 1891 der Stadtrat unmittelbar an den Herrn Minister die Bitte um Errichtung einer Realschule neben dem Progymnasium mit gemeinsamem lateinlosen Unterbau(in der Weise, wie sie vom Direktor in der Fest- schrift zum 5ojährigen Jubiläum der Anstalt, II. S. 9⸗ f vorgeschlagen war), erhielt aber die Antwort, dass auf den Antrag z. Z. nicht eingegangen werden könne. Nunmehr wurde auf Wunsch der städtischen Behörden im Februar 1802 die Bitte um Gestattung eines Parallelunterrichts für die Gymnasiasten in Latein und für die Realisten in Französisch bei übrigens gemeinsamem UÜUnterricht beantragt. Die Bedenken, welche im Ministerium diesem Plane entgegenstanden, wurden durch persönliche Verhandlungen des Direktors im Unter- richts-Ministerium selber soweit behoben, dass unterm 5. April 1892 eine im ganzen genehmigende Verfügung dahin erging: die Verbindung einer Realschule mit einer gym- nasialen Anstalt sei zwar im allgemeinen nicht wünschenswert, aber unter den in Eschwege gegebenen Verhältnissen erscheine die vorgeschlagene Form dieser Verbindung zulässig.— Damit war denn eine Frage, welche lange Zeit die Gemüter bewegte, entschieden. In ihrer Ausgestaltung wird demnach die Friedrich-Wilhelms-Schule im ganzen eine ähnliche Ver- fassung haben wie vor 1883, nur mit dem Unterschiede, dass das Progymnasium nach wie vor ein vollständiges und vollberechtigtes sein wird.— Die Obersekunda musste freilich in Folge der Neugestaltung des gesamten hôheren Unterrichts trotz aller Bemühungen auch hier aufgehoben werden.— Die Neuordnung begann mit Beginn des Schuljahres mit der Teilung der Sexta in eine gymnasiale und realistische Abteilung. Ostern 1893 wird die- selbe Teilung für Quinta eintreten und Ostern 1898 die Neuordnung abgeschlossen sein. Möge sie die Hoffnungen, mit denen sie ins Leben gerufen wurde, erfüllen!
Der regelmässige Unterricht wurde im Sommer zweimal erheblicher gestört, indem vom 30. Mai bis in die Ferien der Oberlehrer Dr. Voigt, vom 1I. Juli bis 13. August der Oberlehrer Dr. Ritter zur Dienstleistung im Heere eingezogen waren.
Am 30. Juni wurde eine Turnfahrt unternommen.
Der Sedantag musste diesmal in sehr stiller Weise durch eine Schulfeierlichkeit begangen werden, bei welcher Oberlehrer Dr. Voigt die Ansprache hielt. Einen Ausflug zu unternehmen verhinderte die Rücksicht auf mehrfach wegen der drohenden Cholera- gefahr geäusserte Bedenken.
Am Ende des Sommerhalbjahrs bestand 1 Realsekundaner die ausnahmsweise an- geordnete Prüfung zum Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung für den Subalterndienst.
Mit Beginn des Winterhalbjahrs trat der Kandidat des Pfarr- und des hôheren Lehramtes Gustav Gonnermann aus Wichmannshausen, welcher der Anstalt zur Ab- leistung des pädagogischen Probejahres überwiesen war, in das Lehrerkollegium ein.
Vom 18. bis zum 26. Oktober nahm der Direktor an einer ausserordentlichen Tagung der Hessischen Gesamtsynode zu Kassel teil.
Am 21. November verliess uns zu unsrem Bedauern in Folge seiner Versetzung


