Aufsatz 
Von dem Hauptgesichtspunkt, den ein Bürger bei der Wahl einer öffentlichen Schule für Knaben festzuhalten hat. Ein Wort des Rektors zur Verständigung zwischen Schule und Eltern
Entstehung
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Gehorſam wie des Hauſes ſo der Schule und Kirche zu leben(denn darin liegt die Quelle aller Charaktertüchtigkeit im Leben) und du haſt einen Knaben erzogen, der die Grund⸗ lagen alles Deſſen in ſich trägt, was zur allgemeinen Bildung gerechnet werden kann. Daß ein ſolcher in dem Leben Etwas werden, in die Verhältniſſe desſelben ſich finden kann, iſt, wenn ſonſt Art und Natur desſelben ſich dazu eignen, ſicher zu erwarten. Bildung gibt Unabhängigkeit und macht den Mann zum Herrn ſeiner Lage. Mit Recht ſcheuen daher auch ſelbſt weniger bemittelte Eltern ein größeres Opfer nicht, um einen Knaben, den ſie dafür geeignet halten, jener Bildung theilhaftig zu machen; ſie folgen dabei dem erſten und ober⸗ ſten Beſtimmungsgrund, der, wie wir forderten, die Elteru bei der Wahl einer Schule leiten muß. Nicht jeder Knabe wird freilich geſchickt und geeignet ſein, die ausgebreitetere Funda⸗ mente einer allgemeinen Bildung in ſich zu legen; mancher wird ſich mit dem einfacheren und begrenzteren Maaße begnügen müſſen; die Verhältniſſe mancher Familie, manches Ge⸗ ſchäfts⸗ und Hausſtandes werden es nicht erlauben, von den drei Stufen bürgerlicher Ju⸗ gendbildung, welche z. B. unſere Stadt in der Elementarſchule, den Mittelſchulen uud der höheren Töchter⸗ oder Bürgerſchule beſitzt, jedesmal die höhere zu erwählen. Das, was wir wollen, iſt aber auch nur, darauf hinzuweiſen, daß Diejenigen, welche in der Lage ſind, es zu kön⸗ nen, nicht mit einer gewiſſen Gleichgültigkeit oder mit Geringſchätzung höherer Bildung ihre Schuldigkeit gegen befähigte Kinder verſäumen ſollen. Der Koſtenpunkt ſollte in den aller⸗ meiſten Fällen nicht als Einwand gebraucht werden; denn abgeſehen davon, daß das Schul⸗ geld, wenigſtens für die Knabenſchulen, keineswegs hoch gegriffen iſt und für den zweiten und dritten Bruder noch beträchtliche Herabſetzung erfährt, ſo beweiſen auch die Thatſachen, daß ſelbſt unbemittelte, von kleinen Dienſten, Geſchäftsbetrieben und ihrer Hände Arbeit le⸗ bende Familien, denen es aber ernſtlich um ihre Kinder zu thun iſt, dasſelbe ohne allzugroße Entbehrung aufzubringen vermochten. Und wie viele Ausgaben für andere Zwecke würden eher geſtrichen oder gekürzt zu werden verdienen, als diejenigen für die möglichſt allſeitige und gründliche Ausbildung der Kinder.

In dem bisher Geſagten haben wir von aller Berufsbildung noch gänzlich abgeſehen. Mit Willen; denn wir verlangten ja, daß dem Geſichtspunkt der rein perſönlichen Ausbil⸗ dung des Kindes die erſte und entſcheidendſte Stimme bei dem Erziehungsgeſchäft und alſo auch bei einem ſo wichtigen Schritte, wie er bei der Wahl der Schule zu thun iſt, eingeräumt werde. Legten aber, wie wir ſahen, nicht ſelten die Vermögens⸗ und Lebensverhältniſſe einen traurigen Zwang der Entſagung auf, ſo ſcheint die Rückſicht auf den Beruf, welchen man für einen Knaben in Ausſicht zu nehmen pflegt, nicht weniger gebieteriſch den Weg, Maaß und Ziel der Bildung vorzuſchreiben. Und ſo iſt es in gewiſſem Grade auch. Schon im 10. Jahre in der Regel tritt an viele Eltern die Nothwendigkeit heran, ſich da⸗ rüber zu entſchließen, ob ſie den Sohn zu einem Berufe, welcher wiſſenſchaftliche Ausbildung zur Vorausſetzung hat, oder zu einem Geſchäfte, welches eine ſolche Vorbildung nicht verlangt, hinführen wollen. Der Weg der Gelehrtenſchulen und der Bürgerſchulen geht ſchon hier weſentlich auseinander. Es iſt hier nicht der Ort, weder dieß zu rechtfertigen, noch zu be⸗ klagen; obwohl Jeder einſieht, von wie großem Belang es wäre, wenn der Bildungsgang aller Klaſſen der Bevölkerung bis zu einem weit höheren Alter ein gemeinſamer ſein könnte. Mancher klaffende Spalt, der jetzt die Geſellſchaft zerreißt, würde dann auf eine heilſame Weiſe aus⸗ geglichen ſein und wie von ſelbſt verſchwinden. Denn wie der Gegenſatz zwiſchen Reichthum