Aufsatz 
Von dem Hauptgesichtspunkt, den ein Bürger bei der Wahl einer öffentlichen Schule für Knaben festzuhalten hat. Ein Wort des Rektors zur Verständigung zwischen Schule und Eltern
Entstehung
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ſam, wie es namentlich in den vier erſten Klaſſen für das 6. bis 10. Lebensjahr von der größten Wichtigkeit ſei, daß der Unterricht und die Erziehung an dem Einzelnen ſich fruchtbar und eingreifend erweiſe. Wie bildſam iſt in dieſem Alter die Jugend; wie dankbar und erfolg⸗ reich in den meiſten Fällen die Arbeit, ihre Anlagen zu wecken, ihren Fleiß anzufeuern, ihre Aufmerſamkeit rege zu halten, ihren Ordnungsſinn zu pflegen, ihre Gefühle, ihre Sprache zu entfalten und zu veredeln! Was kann aber von allem dem in überfüllten Klaſſen ge⸗ ſchehen? Der trefflichſte Lehrer wird geſtehen: nicht das Genügende. Man wird außerdem auf die Schulen ſein Augenmerk zu richten haben, die mit Lehrmitteln und Lehrkräften am reichſten ausgeſtattet ſind, und die erfahrungsmäßig den Knaben am meiſten Garantie bieten, zu der er⸗ ſtrebten allſeitigen Ausbildung zu gelangen. Es wird ferner diejenige Schule vorzuziehen ſein, vou deren Schul⸗ und Schülerleben im Allgemeinen ein die äußere und innere Haltung des Zöglings ſittlich hebender, nicht herabziehender Einfluß zu erwarten ſteht. Man wird die einfachere Schule für den minderbegabten Knaben erwählen, während für den faſſungs⸗ kräftigen, mit lebendiger und erfolgreicher Geiſtesthätigkeit begabten ſich diejenigen Anſtalten öffnen werden, die eine ſtärkere und mannigfaltigere Anſtrengung des Geiſtes bedingen und für erhöhtere Ziele und Leiſtungen auch erhöhtere Anforderungen ſtellen müſſen. Hier ſte⸗ hen wir nicht an, aus dem Kreiſe unſerer eigenen Erfahrungen heraus zu behaupten, daß z. B. manche Schüler, welche die höhere Bürgerſchule beſuchen und beſucht haben, paſſender dem einfacheren Bildungsgang der Mittelſchulen anvertraut worden wären; denn zu den vielſeitigeren Anſprüchen, welche an ihre Kräfte erhoben werden müſſen, genüget das Maaß ihrer Befähigung nicht. Gleiche Erfahrungen machen in noch höherem Grade die wiſſen⸗ ſchaftlichen allgemeinen Vorbildungsanſtalten, unſere Gymnaſien, und es iſt ein Zeichen rich⸗ tiger Ueberlegung, wenn die Eltern ſolcher Knaben es bei Zeiten über fich gewinnen können, ſie aus der geſpannteren Atmoſphäre höherer Schulbildung in die mildere und leichtere einer niederen zu verſetzen. Eine ſolche Verſetzung hat den oft recht ſichtbaren Erfolg, daß der Knabe wieder neu aufathmet und nun, ſeinen Aufgaben gewachſen, befriedigende Fortſchritte zeigt. Und wird nicht auch der umgekehrte Fall häufig genug vorkommen, daß ein Knabe in einen Bildungsgang ſeine Jahre hindurch gebannt bleibt, worin ſeinem Talente bei weitem nicht die hinreichende Nahrung geboten werden kann. Von dem höchſten und erſten Geſichtspunkt aus, den wir für das Verfahren der Eltern aufgeſtellt haben, nämlich: aus dem Knaben das hervorbilden zu laſſen, was in ihm angelegt iſt, würden fie ſich auch in dieſem Falle eine Schuld zuzuſchreiben haben, weun ihnen die Möglichkeit eines anderen Bil⸗ dungswegs für denſelben dargeboten war. Denn die Kinder ſind nicht ihr Eigenthum und ſie nicht die Herren derſelben, ſondern ſie ſind die Mandatare Gottes für ſie und verant⸗ wortlich dafür, wenn ſie vie ihnen anvertrauten Pfunde geiſtiger und leiblicher Begabung ihrer Kinder vergraben liegen laſſen.

Aber keineswegs wird dieſem inneren Beſtimmungsgrund bei der Wahl der Schule und bei dem ganzen Bildungsplan immer das gebührende Gewicht, die erſte und entſcheidendſte Stimme beigelegt; auch andere Stimmen machen ſich geltend und ſprechen oft lauter und überredender, als jene.

Was dieſen anderen Stimmen ſo leicht Gehör verſchafft, liegt zum Theil gewiß noch in dem Umſtande, daß in den Kreiſen des Bürgerſtandes Dasjenige, was man die allgemeine Bildung zu nennen gewohnt iſt, und was durch eine allſeitigere und individuelle Durchbil⸗

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