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auch der Lehrling eine ganz andere und erweitertere geiſtige Schule durchmachen, ehe er zum beſonderen Geſchäfte ſich hinwendet? Muß er nicht bei den heutigen Zuſtänden dazu ange⸗ than und gerüſtet ſein, an fremden Orten, unter anderen Umgebungen und neuen Beziehungen ſein Unterkommen zu ſuchen, ſich in neue Zweige des Geſchäftslebens zu finden und mit Er⸗ folg hineinzuarbeiten? Was iſt aber da die Hauptſache für ihn? Daß derſelbe eine rechte gei⸗ ſtige Gewandtheit, eine gute allgemeine Bildung neben ſpecieller Berufs⸗ und Geſchäftskennt⸗ niß beſitze. Die Grundlage zu dieſer Gewandtheit und Bildung aber kann in rechter und wirkſamer Weiſe nur die Schule legen, und auch dieſe nur dann, wenn ihr die nöthige Zeit und Ausdehnung gegönnt wird. Iſt dieß aber dann wirklich gelungen, ſo ſteht einem ſo ge⸗ bildeten jungen Manne heutzutage in wahrem Sinne des Wortes die Welt offen. Die Wei⸗ ten der Länder haben ſich genähert; aber dadurch iſt auch der Wettſtreit aller geiſtigen und materiellen Kräfte weit lebhafter und gewaltiger geworden, als er vordem ſeit langen ge⸗ weſen iſt.
Erwähnen wir endlich noch Eines. Der Bürger hat, wenn er von einem edleren Stre⸗ ben beſeelt und auf höhere Ziele gerichtet iſt, in unſerer Zeit auch auf die perſönlich einfluß⸗ reiche Stellung außerhalb ſeines ſpeciellen Geſchäftskreiſes ein hohes Gewicht zu legen. Als Haupt ſeines Hauſes und der Familie, als Bürger der Gemeinde und des Staates, in den geſellſchaftlichen Lebensbeziehungen, muß er mit ſittlicher Kraft des Charakters, mit kenntniß⸗ reicher Einſicht, mit gebildetem und edlem Sinne ſeinen Platz ehrenvoll ausfüllen können. Die Aufgaben, die er in dieſen Hinſichten zu löſen hat, ſind zum Theil noch viel wichtiger und ſchwieriger als diejenigen, welche ihm ſein beſonderer Beruf auflegt; von ihnen hängt am meiſten gerade das innere Lebensglück und die höbere geiſtige Zufriedenheit ab, Güter, die alle anderen an Werth weit übertreffen. Die glückiche Löſung jener Aufgaben kann aber ohne eine über das gewoͤhnliche Maaß hinausgehende tüchtige Schulvorbildung nimmer oder nur in ſeltenen Fällen erwartet werden. Es gehören dazu jene unſchätzbaren geiſtigen Beſitzthümer und Anregungen, für welche die Jugend in den unteren Klaſſen einer Schule zwar ſchon vor⸗ bereitet wird und empfänglich gemacht werden kann und muß, die aber erſt in den Oberklaſſen die Klarheit, den Halt und Zuſammenhang empfangen, daß ſie die Grundlage einer gebildeten und edlen Denkungsweiſe im ſpäteren Leben ausmachen können. So vollenden alſo auch in dieſer Hinſicht die beiden Oberklaſſen das Werk der Vorbildung an denjenigen Schülern, welche ſich für eine höhere und freiere bürgerliche Lebensſtellung innerhalb des Handels⸗ und Gewerbe⸗ ſtandes ausbilden ſollen.
Doch wir ſchließen; unſere Abſicht war, den Werth der weiteren Schulbildung in den oberſten Klaſſen der höheren Bürgerſchule für die bürgerliche Berufsvorbildung vorzuſtellen und etwa dagegen g hegte Bedenken zu beſeitigen. Möchten nun die Eltern ſich dadurch veranlaßt fühlen, diejenigen ihrer Kinder, welche Talent und Fähigkeit zu einem höheren bürgerlichen Berufe in ſich tragen, in den beiden Oberklaſſen vollſtändig dazu auszurüſten. Die Schule wird das Ihrige thun, daß kein Waffenſtück und keine Uebung ihnen mangele, um den Wett⸗ kampf des ſpäteren Lebens ehrenvoll beſtehen zu können.


