Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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Geſchicklichkeit, für eine gegebene Aufgabe die richtigen Geſichtspunkte zu finden und ſie nach Verhältniſſen erſchöpfend zu behandeln; ſie beſteht in der Befähigung, mit Präciſion das Er⸗ lernte und Erkannte darſtellen und ausſprechen zu können; ſie beſteht alſo in der geiſtigen Kraft, Etwas genau auffaſſen, gründlich verarbeiten und überlegen, das Eigenthümliche und Unterſcheidende hervorheben und angemeſſen und vollſtändig ſchriftlich oder mündlich wieder mittheilen zu können; kurz, ſie beſteht in jener Gewecktheit, Regſamkeit, Schärfe und Gewandt⸗ heit des Geiſtes, welche im Stande iſt, nach vorgeſetzten Zwecken in geregelter und ſo zu ſagen kunſtgerechter Weiſe zu verfahren. Man wird nicht ſagen, daß dieſe geiſtige Kunſtfertigkeit und Meiſterſchaft im Gebrauche ſeiner Kräfte, wie ſie vornehmlich bei dem Erlernen der Sprachen geübt, aber auch durch allen anderen Unterricht mehr oder weniger erzeugt werden ſoll, dem gebildeten Bürger fehlen dürfe, oder gar ſchädlich ſei; vielmehr iſt ſie eine Sache von ſolcher Wichtigkeit, daß nach deren Erreichung bei den Schülern die höhere Bürgerſchule Urſache hätte, ein Dank⸗ und Siegesfeſt, gleichſam wie nach glücklich beſtandenem Kampfe, zu feiern; ſie hätte ja dann ihre Schüler zu dem Standpunkte freier Bewegung und Handhabung ihrer Geiſtes⸗ kräfte hingeführt und könnte nun mit Zuverſicht hoffen, daß auch die materielle Bildung der Schüler nicht fruchtloſes und todtes Kapital bleiben werde. Man fragt, ob ſie dieß Ziel denn erreichen wird? Wir antworten: ſie ſtrebet darnach und ſetzen hinzu, daß es aber nur dann in einem befriedigenden Grade möglich ſein kann, wenn die beſſeren und talentvolleren Schüler ihr auch in den Oberklaſſen erhalten werden, denn erſt in dieſen tritt bei den Schülern eine Geiſtesſtufe ein, die die nähere Anleitung zur ſelbſtändigeren Behandlung und Betrachtung der Lehrgegenſtände fruchtbarer werden läßt.

Faſſen wir aber den zuſammenhängenden Gang des Unterricht im Ganzen auf, ſo darf man wohl fragen: Schließt es nicht eine Verantwortlichkeit in ſich, Schüler, welche eben im beſten Zuge ſind, ſich des ſchriftlichen und mündlichen Gebrauches der fremden Sprachen zu bemeiſtern, welche eben fähig ſind, nach Aneignung des ſogenannten bürgerlichen Rechnens ſich auch in den ſchwierigeren kaufmänniſchen Rechnungsarten einheimiſch zu machen, welche gerade vorbereitet genug ſich, in den Lehren und den praktiſchen Uebungen des Buchhaltungsweſen ein ſelbſtändigeres Verſtändniß zu gewinnen, welche nun nach einigen Anfängen begierig ſind, in die reichen und für alle Kreiſe des bürgerlichen Berufes ſo wichtigen Gebiete der Na⸗ turlehre eingeführt zu werden, welchen nun erſt Herz und Sinn recht aufgeht für das, was ein höheres Intereſſe, eine allgemeine menſchliche Theilnahme für ſich in Anſpruch zu nehmen ein Recht hat ſchließt es nicht, wiederhole ich, eine nicht kleine Verantwortlichkeit in ſich, ſolche Schüler aus ſo erfreulichem Entwickelungsgang herauszureißen?

Bei dieſem Schritte ſollte die Reife der Erziehung überhaupt die gewiſſenhafteſte und nachdrücklichſte Berückſichtigung finden. Dieſe größere Reife zu erwarten, empfiehlt ſich ſchon deßwegen, weil alsdann in dem Knaben die Berufsneiguung ſicherer und klarer hervor⸗ tritt, und eine beſonnenere und zweckmäßigere Entſcheidung über ſeine Zukunft getroffen wer⸗ den kann; aber die Hauptſache iſt, daß derſelbe an Verſtand und Charakter zu einem genü⸗ genden Grade der Feſtigkeit und Gediegenheit hingeführt werden muß. Nur wenn die Ver⸗ ſtandesentwickelung und Willensrichtung des Knaben oder, wie man ſagt, ſeine intellectuelle und moraliſche Erziehung bis zu dem Punkte einer vernünftigen Selbſtbeſtimmungsfähigkeit ge⸗ diehen iſt, ſoll das Haus die Kinder in das Leben entlaſſen; die Lehrjahre des Geſchäftes ſind aber der erſte Schritt in das Leben, und daher von jeher wichtige Entſcheidungsjahre für die

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