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werden, und doch iſt er weit entfernt, ſich über die Grenzen zu wagen, die der Vorbildung des höher ſtrebenden Bürgers gemäß ſind; er ertheilt vielmehr nur die unumgänglichen Grundlagen und Grundbegriffe desjenigen Wiſſens, welches erſtens zu einer gebildeten Welt⸗ und Lebens⸗ anſchauung überhaupt die unentbehrliche Vorausſetzung iſt, und welches zweitens das genauere Verſtändniß der Vorgänge des ſpäteren Sonderberufes vermittelt und erleichtert; er zieht nur diejenigen Uebungen und Fertigkeiten in ſein Bereich, welche Verſtand und Zunge, Auge und Hand zu geſchickten und gewandten Dienern für das Leben machen. Aber wie ſorgfältig man auch den Stoff begrenzen und alles Ueberflüſſige ausſcheiden mag, er hat immer eine Weite und Beſchaffenheit, welche ſeine Zuſammendrängung in die 4 unteren Klaſſen undenkbar macht. Das Alter der Schüler ſelbſt legt hier pädagogiſche Beſchränkungen auf, welche nur zum Ver⸗ derben der Schüler durchbrochen werden könnten. Es würde dadurch eine heilloſe Ueber⸗ füllungs⸗ und Abrichtungsmethode erzeugt werden, deren vollbeſetzter Tiſch zwar den Unkun⸗ digen reizen mag, den Kundigen und Verſtändigen aber mit Entſetzen erfüllen wird. So können alſo die Unterklaſſen ſchon des zu verarbeitenden Stoffes wegen, nur die Vorbereitung für die oberen ſein. Der Stufengang vom Leichteren zum Schwereren bedingt aber, daß der eigent⸗ liche Schwerpunkt des Wiſſens und Könnens, welches ein Schüler in der Schule erlangen kann, in den Oberklaſſen zu ſuchen iſt. Allerdings nehmen die Schüler auch der unteren Klaſſen ſchon Etwas mit, und die Schule muß in ihrem eigenen Intereſſe wünſchen, daß dieß nichts Unbedeutendes, Zweckloſes und Unpraktiſches ſei; aber demungeachtet heißt es doch auf die Hauptſache und das Weſen verzichten und mit Halbem und Bruchſtücken ſich begnügen, wenn die Eltern ihre Kinder an der Schwelle der eigentlichen Vollendung höherer bürgerlicher Schulvorbildung den Lehrcurſus abbrechen laſſen— und ſollte dieſes nur ausnahmsweiſe aus Gründen der zwingenden Nothwendigkeit geſchehen.
Die Behandlungsweiſe des Lehrſtoffes nöthigt aber die höhere Bürgerſchule nicht weni⸗ ger, als dieſer ſelbſt, über die 4 unteren Klaſſen hinaus ſich auszudehnen. Wenn dieſelbe auch keineswegs auf den Weg viſſeeſchaftlicher Erkenntniß hinarbeiten, und daher im Inhalt, in der Form und im Zuſammenhang des Lehrgegenſtandes gar Manches unbeachtet laſſen darf, was in wiſſenſchaftlich angelegten Bildungsſchulen ſchon in den unteren Klaſſen nicht überſehen und unerörtert bleiben wird; wenn öfter die Erklärung an die Stelle der Be⸗ gründung, die Deutlichkeit an die Stelle des Beweiſes, das Können an die Stelle des Wiſſens treten kann: ſo muß doch unter allen Umſtänden das blos mechaniſche Verfahren vermieden werden. Der Unterricht muß ein Uebungsmittel der Denkkraft, nicht bloß des Gedächtniſſes, ein Bildungsmittel der Geſinnung, nicht bloß ein Hülfsmittel zur Löſung praktiſcher Aufgaben; er muß die perſönliche Geiſteskraft ſtärken und nicht belaſten, das Gemüthsleben erregen und veredeln und nicht abſtumpfen; er muß die Empfänglichkeit für die Hauptgebiete des Wiſſens⸗ werthen erwecken, wenigſtens einen Funken der Begeiſterung für das Schöne und Erhabene, Große und Gute, Wahre und Ewige in der Seele des Schülers entzünden und darf ſich nicht auf die engen Grenzen und Rückſichten des alltäglichen Lebens und künftigen Berufskreiſes bannen laſſen. Denn die höhere Bürgerſchule darf nicht bloß eine materielle Bildung, welche im bereiten Beſitz einer Summe von Kenntniſſen und Kunſtübungen beſteht, zu erreichen ſuchen, ſie muß auch eine formale Bildung ihrer Zöglinge und zwar in erſter Linie zu erwecken ſtreben. Dieſe formale Bildung iſt aber nicht ein theoretiſches Abſehen von dem Wirklichen, Gehaltreichen, Nützlichen, kein unfruchtbarer Formalismus; ſie beſteht vielmehr in der geiſtigen


