Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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Was aber an jenem Verlangen nach größerer Fachmäßigkeit Wahres iſt, das hat auch die höhere Bürgerſchule in ihren Oberklaſſen ins Auge gefaßt, und ſie wird es zu leiſten unternehmen. Ohne das Gepräge einer allgemeinen Vorbildungsanſtalt für bürgerliche Be⸗ rufsarten von höherem Bildungsbedürfniſſe einbüßen zu wollen,nimmt ſie in ihren Unter⸗ richt doch Weſentliches von dem auf, was auch in beſonderen Fachſchulen und techniſchen Be⸗ rufsſchulen einen Hauptgegenſtand deſſelben bildet, unddie oberſten Klaſſen, vorzugsweiſe beſtimmt, den Uebergang zum beſonderen Berufsleben zu vermitteln, ſollen deßhalb auch einen den beſonderen Berufskenntniſſen förderlichen und ihnen vorarbeitenden Charakter tragen; ſie erhalten ebendeßwegen in ihrem Lehrplan auch eine Einrichtung, die es möglich macht, daß eine beziehungsweiſe Scheidung, einerſeits für zukünftige Kaufleute, anderſeits für Techniker und' Gewerbtreibende eintreten kann.*) In Betreff des Einzelnen und der Ziele des Unter⸗ richts verweiſen wir auf den vorjährigen Jahresbericht; man wird daraus die Ueberzeugung ſchöpfen, daß alle aufgenommenen Lehrgegenſtände geeignet ſind, ſowohl die Grundlagen einer allgemeinen Bildung in der erforderlichen Vollſtändigkeit und Ausdehnung zu legen, als auch das den Schülern ins Leben mitzugeben, was man beſonders gern als einnützliches Wiſſen zu bezeichnen pflegt.

Vielleicht aber kann ſchon in den 4 unteren Klaſſen alles Wünſchenswerthe geleiſtet wer⸗ den; warum dann Oberklaſſen, die den Lehrkurſus um zwei Jahre verlängern? vielleicht iſt nur eine angemeſſene Umbildung jener nöthig, um dieſe ohne Schaden entbehren zu können. Auch ſolche Rede vernimmt man; und es iſt eine beneidenswerthe Aufgabe für den, der es vermag, in kurzer Zeit Großes zu leiſten, mit Wenigem Vieles.

Worauf es alſo hier vor allen Dingen ankommt, iſt, das Verhältniß der unteren Klaſſen zu den beiden oberen in das rechte Licht zu ſetzen. Dieſes Verhältniß iſt kein zufälliges und bloß äußerliches; es beſteht ein nothwendiger und enger Zuſammenhang zwiſchen den 4 unteren und 2 oberen Klaſſen; weder jene noch dieſe können für ſich als ein abgeſchloſſenes Ganzes angeſehen werden, die einen fordern vielmehr die anderen als ihre nothwendige Ergänzung oder Vorausſetzung; nur durch ihre Verbindung kann das Ziel des Unterrichts, der Zweck der Erziehung und der öffentliche Nutzen erreicht werden, weßhalb die Schule gegründet und orga⸗ niſirt worden iſt. Wohl wird Manches an ihr noch anders geſtellt und beſſer gerichtet, ſach⸗ gemäßer umgeſtaltet, den immer klarer hervortretenden örtlichen Verhättniſſen entſprechender ausgebildet, Lehrplan und Methode, Disciplin und Erziehung, Lehrmittel und Lehrerthätigkeit immer mehr in Uebereinſtimmung mit der höchſten Aufgabe gebracht werden können, bis die Anſtalt nach Durchſchreitung ihres noch kurzen Entwicklungsſtadiums die Grundzüge ihres Cha⸗ rakters in bleibender und feſter Geſtalt ausgeprägt haben wird Dinge, die ſich bei einer Neugründung von ſelbſt verſtehen; aber das Verhältniß der unteren zu den beiden Oberklaſſen, die Ausdehnung des Grundplanes auf 6 Jahrescurſe kann ohne eine weſentliche Herabſtimmung des Zweckes, ohne eine Verſtümmelung und Verkümmerung der gefaßten Grundidee nicht be⸗ ſeitigt werden.

Die Oberklaſſen ſind nothwendig, wenn man den Unterricht ſelbſt ins Auge faßt, ſei es nach dem zu verarbeitenden Stoffe, ſei es nach ſeiner Behandlungsweiſe. Der Lehrſtoff näm⸗ lich kann nach ſeinem Umfang und Inhalt in den 4 unteren Klaſſen unmöglich bewältigt

**) Jahresbericht der höhern Bürgerſchule von 1858, pag. 7.