Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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demſelben ſich entfalten. Die Lehrzeit des gemeinen und alten Stils mit ihrem ſchlep⸗ penden Gange des Fortſchreitens und mit allen ihren zuweilen harten und drückenden Gebre⸗ chen können für diejenigen Eltern unmöglich wünſchenswerth oder Maaßſtab des Urtheils ſein, welche ihre Kinder der höheren Bürgerſchule anvertrauen. Ihnen muß vielmehr daran liegen, und es iſt Pflicht für ſie, dieſelben nach vollendetem Schulcurſus in ſolchen Geſchäften unter⸗ zubringen, welche durch ihre namhafte Tüchtigkeit, ihre weitere Ausdehnung und mehrſeitige Richtung von vornherein die Möglichkeit zu einer gründlichen und allſeitigen Erlernung des beſtimmten Faches verſchafſen. Hat der Schüler alsdann eine ſolche Lehrzeit des Geſchäftes beendigt, ſo wird er, ſelbſt dann, wenn er erſt mit dem 16ten Lebensjahre eingetreten iſt, inner⸗ halb der herkömmlichen Dauer derſelben eine beſſere, weitere und gründlichere Kenntniß und Gewandtheit in ſeinem Fache gewonnen haben, als derjenige, welcher ſchon mit dem 14ten Jahre, aber ohne die gehörige geiſtige Vorbereitung ſeinen Anfang gemacht hat. Was das Alter der militäriſchen Dienſtpflichtigkeit betrifft, ſo tritt dies bekanntlich im 20ten Jahre ein, und wir kennen kein Geſchäft, welches die höhere Bürgerſchule im Auge haben kann, und deſſen Crler⸗ nung nicht bis dahin in allen ſeinen Theilen vollendet ſein könnte.

Man ſieht alſo nicht, wie die ſpecielle Fachbildung durch einen erweiterten Schulunter⸗ richt leiden ſollte, da ſie vielmehr nur um ſo gründlicher und vollkommener vollzogen werden kann. Und gerade den unbemittelteren Eltern, welche ihren Söhnen ſelbſt keine ausreichende Lebensexiſtenz gründen können, dieſelben aber auch nicht unter dem Drucke niederer Arbeiter verkümmern laſſen und ihnen das vielleicht ſelbſt ſchmerzlich genug empfundene Loos gänzlicher Abhängigkeit und mannigfaltiger Entſagung erſparen wollen gerade dieſen iſt der Rath zu er⸗ theilen, daß ſie, wenn nicht durchaus ſtärkere Beweggründe anders entſcheiden, wegen jener Anſichten ihre Kinder von dem Beſuche der Oberklaſſen nicht zurückhalten. Und in der That iſt auch gerade bei dieſen nach unſerer Erfahrung die richtigere Beurtheilung der Sache weiter verbreitet; ſie wiſſen es meiſtens, daß von der perſönlichen Befähigung und von der guten Erziehung das künftige Lebensglück ihrer Kinder faſt allein abhängt; nur laſſen ſich dieſelben leicht durch eine eben dargebotene günſtige Ausſicht oder durch augenblickliche Hemmungen des häuslichen Lebens bewegen, ihr auf höhere Ausbildung der Söhne gerichtetes Vorhaben wieder aufzugeben. Aber ſie mögen bedenken, daß wer in der eigenen Kraft, in der eigenen Befähi⸗ gung und in den ſelbſterworbenen Kenntniſſen allein Alles ſuchen muß, was ihn im ſpäteren Leben empfiehlt und fördert, hält und ſtützt, auf eine möglichſt vollſtändige Ausbildung in der Jugend muß rechnen können. Mag es deßhalb auch ſolchen Eltern theilweiſe ziemlich ſchwer fallen, ſie thun wohl daran, ihre Söhne die ganze Schule durchlaufen zu laſſen; denn was jetzt Einſchränkung und Entſagung auferlegt, wird ſpäter hoher und erfreuender Gewinn für ihre Kinder und ſie ſelbſt ſein. Wir wiſſen zwar ſehr wohl, daß bei dieſen Angelegenheiten die beſonderen Lebens⸗ und Familienverhältniſſe ein ſehr nachdrückliches Wort mitzureden haben; aber die ſo oft gehörte Antwort:Es geht nicht anders; der Junge muß nun in das Geſchäft, iſt doch ſehr häufig weder das Reſultat der Nothwendigkeit, noch der vorſichtigen Ueberlegung, ſondern weit öfter das der herkömmlichen Gewohnheit und eines doch wohl nicht immer ganz zu entſchuldigenden Mangels an der recht treuen Fürſorge. Wenn man freilich bei der Er⸗ ziehung und dem Unterrichte der Kinder hier und da das Meiſte darauf anlegt, von denſelben ſo früh als möglich, gleichſam wie von gepflanzten Fruchtbäumen für Geſchäft und Haus wieder Nutzen zu ziehen; wenn man ſie nur ſchnell fertig gemacht wünſcht, um ſie eher wieder verbrauchen