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dieſe unfähiger als Andere? Im Gegentheil, ihre Lehrherren äußerten wohl ihr Erſtaunen, mit welchem raſchen Erfolg, eingehendem Verſtändniß, beharrlichem Eifer dieſe ihre Sache ergriffen; in Wochen überwanden ſie Schwierigkeiten mit Leichtigkeit, wo Andere Monate ſich anſtrengten, in Monaten erlangten ſie Kenntniſſe und Fähigkeiten, wozu die Anderen eines Jahres bedurften. Aber das iſt es eben, daß man den Einfluß der geiſtigen Ausbildung auf die Erlernung der gewerblichen und kaufmänniſchen Thätigkeit noch zu häufig unterſchätzt. Der Geiſt iſt es aber auch hierbei, der lebendig macht.— Wenn man aber vor Unluſt und Arbeitsſcheu, Eigenſinn und eitler Selbſtüberhebung bei weiter vorgebildeten Schüͤlern Be⸗ fürchtungen hegt, ſo kann dies kaum ernſtlich gemeint ſein. In der Schule, ſo dachten wir, lehret man arbeiten, hält man an zum Fleiße, jaget die Faulen auf, vertilgt den Eigenſinn und die Starrköpfigkeit, demüthigt die Eitelkeit. Nur der Unwiſſende blähet ſich auf; der Kenntnißreiche und Befähigte hat den falſchen Schein nicht nöthig.—„Aber die ganze Rich⸗ tung eines ſolchen Lehrlings wird zu ſehr verfeinert und auf geiſtige Beſchäftigungen allein hingelenkt; deßhalb intereſſiren ihn denn die mannigfaltigen, gar oft äußerlichen, im Ge⸗ ſchäfte aber mit aller Unverdroſſenheit und allem Ernſte zu vollziehenden Arbeiten meiſtens nicht mehr; da iſt er denn unzuverläſſig und flarterhaft und erlangt ſo nicht die praktiſche Durchbildung, die auch hier nur durch den Dienſt von der Pique auf erworben werden kann.“ Auch das kann nicht gelten. Das Gepräge der Ausbildung, welches die höhere Bürgerſchule ihren Schülern gibt, iſt nicht im entfernteſten der Art, daß bei denſelben eine theoretiſche, dem praktiſchen Leben abgewandte Stimmung erzeugt werden könnte; ſie brechen vom weitverzweigten Baume der Erkenntniß und des Wiſſens nur gerade ſo viele Früchte, daß ſie, geſtärkt durch deren Genuß, mit gewecktem Geiſte und muthigen Sinnes im Leben arbeiten und walten können. Wohl werden auch ſie Pein empfinden, wo peinliche Genauigkeit und Geduld verlangt werden; aber ihre Bildung lehrt ſie keine Arbeit geringſchätzen, ſondern gar bald in ihrem wahren Werthe erkennen; ſie fördert nicht die Flatterhaftigkeit und Nachläſſig⸗ keit, da ſie vielmehr gerade in der Fähigkeit beſteht, den Geiſt unverdroſſen auf die Sache zu richten, ohne ſich von Ungehörigem ablenken zu laſſen.
Aber allerdings fordert ein Schüler mit umfaſſender Vorbildung ein Berufsgeſchäft, in welchem er auch die erlangte Geiſtesbefähigung in vollem Maaße wieder verwenden kann. Die Eltern würden daher auch einen großen Fehlgriff begehen, wenn ſie ſolche Kinder zu Be⸗ ſchäftigungen beſtimmten, in welchen ſie unter dem Druck der bloßen Handarbeit verkümmern und mißrathen könnten. Denn kein Experiment iſt für das Lebensglück unheilvoller, als einen für Weiteres und Höheres ſich gewachſen Fühlenden in eine durchaus niedere und engbegrenzte Lage zu bannen. Allerdings fordert der ausgebildetere Schüler ferner auch eine Behand⸗ lung in einer ſpäteren Lehrzeit, welche der Erziehung und Bildung, welche er beſitzt, ange— meſſen iſt; wenn dieſe ihm nicht zu Theil wird und er zu einem rohen Umgang und zu Ver⸗ richtungen verurtheilt wird, wie ſie, ohne zum Berufe zu gehören, nur zu oft noch verlangt zu werden pflegen, ſo muß man ſich vielmehr freuen, wenn er dieß Alles unerträglich findet. Wenn aber dafür Sorge getragen wird, wozu ſich heutzutage für Lehrlinge von guter Vor⸗ bildung immer die Gelegenheit ergibt, daß der Lehrherr, dem derſelbe anvertraut wird, die Lehrjahre wirklich nur zur Unterweiſung im Geſchäfte und zur ſittlichen und bildenden Ein⸗ wirkung auf denſelben verwendet, ſo kann es nicht fehten, daß von allen befürchteten Uebel⸗ ſtänden nicht nur Nichts eintritt, ſondern daß gerade die entgegengeſetzten Eigenſchaften an


