Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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der höhern Bürgerſchule; ſie iſt der Art und Ausdehnung nach von jener verſchieden. Mag ſie auch allen Klaſſen unſerer Cinwohner ohne Ausnahme offen ſtehen, ſobald die Bedingungen des Eintrittes erfüllt werden, die Zahl derjenigen Bürger, welche ihre Söhne in dieſelbe ſchicken, wird doch naturgemäß immer die weit geringere ſein. Die Klaſſe dieſer Bürger, welche keineswegs etwa nur aus den Vermögenden beſteht, ſondern bemerkenswerther Weiſe auch eine verhältnißmäßig große Zahl geringer Bemittelte in ſich begreift, haben die ernſtliche Abſicht, ihren Kindern eine tüchtige Ausbildung in den fremden Sprachen und eine erweiterte, mög lichſt gründliche allgemeine Schulvorbildung angedeihen zu laſſen; ſie wollen eine ſolche, weil ſie ihnen als ein vorzüglicher Hebel zur Gewinnung einer mit Erfolg begleiteten, äußerlich und innerlich befriedigenden Stellung im Leben erſcheint. Daher gehören die Berufsarten, welche ſie für ihre Kinder ins Auge faſſen, in der Regel ſchon zu den höheren, erweiterten und freie ren Kreiſen bürgerlicher Thätigkeit, in denen die Arbeit und der Betrieb ſelbſt, die Anlage und Führung des Geſchäftes, die Unternehmungen des Verkehrs, die Verbindungen nach außen, Plan und Berechnung ein reicheres Maaß von allgemeinen ſprachlichen und ſachlichen Kennt⸗ niſſen und eine umfaſſendere geiſtige Beweglichkeit und Gewandtheit nöthig machen. Auf ſolche Eltern nun iſt auch die höhere Bürgerſchule mit ihrem erweiterten Lehrcurſus berechnet, und dieſe würden unweiſe handeln, wenn ſie den Lehreurſus ihrer Kinder gerade da abbrechen wollten, wenn dieſelben im Begriffe ſtehen, ihre erforderliche Vorbildung zu vollenden; unweiſe, weil ſie zwar den Zweck richtig erkennen, aber durch die unſtichhaltigen Bedenken oben erwähn⸗ ter Art ſich abhalten ließen, die Mittel zur Erreichung deſſelben zu ergreifen.

Denn was iſt der Kern jener Rathſchläge und Einwürfe gegen einen weiter geführten Schulunterricht?Die ſpecielle Fachbildung werde durch denſelben beeinträchtigt. Es findet dieß aber bei rechter Ueberlegung in keiner Weiſe ſtatt. Man weiſet auf die nicht früh genug zu beginnende Cinübung der mechaniſchen und praktiſchen Fertigkeiten in einem gewerblichen Berufe hin, weil ſonſt keine vollkommene Gewandtheit und Sicherheit in denſelben erlangt werden könnten. Gewiß, alle Kunſtfertigkeit und geregelte Arbeit erfordert lange Uebung. Aber iſt denn wirklich ein 15⸗ oder 16jähriger Knabe ſchon ſo verknöchert, unbiegſam und un⸗ anſtellig, daß er mit dem 14jährigen nicht mehr wetteifern könnte? Iſt er nicht umgekehrt, bei unverlorener körperlicher Gewandtheit, weit kräftiger und reifer? Und wenn er nun dazu noch mit einer tüchtigen Schulbildung ausgerüſtet iſt, mit wie viel größerer Aufmerkſamkeit und Leichtigkeit wird er Alles auffaſſen, mit wieviel größerem Verſtändniß des Zweckes und der Mittel wird er arbeiten, mit, wie viel raſcherer und gründlicherer Einſicht wird er auch den Werth des Kleinen und ſcheinbar Uubedeutenden ſchätzen und in den Zuſammenhang der ein⸗ zeluen Geſchäftsthätigkeiten eindringen lernen! Ein ſolcher, wenn er ſonſt nur dem Charakter nach gut geartet iſt, bedarf nicht des herkömmlichen Zwanges und der langwierigen Dreſſur, für ihn reicht die richtige Anleitung und Zurechtweiſung ſchon hin, und er wird durch ſelb⸗ ſtändigen Antrieb in der Regel ſchneller Meiſter in allen nöthigen Fertigkeiten, als der neben ihm arbeitende unvorgebildete Kuabe. Eine Arbeit, mit Kenntniß, Einſicht und nach⸗ denkender Regſamkeit des Geiſtes unternommen, wird gediegener ausgeführt, als ſie Un wiſſenheit und Unüberlegtheit nach langem Quälen vollenden kann. Sind uns doch nicht wenige Beiſpiele bekannt, daß junge Leute, Anfangs zu einer wiſſenſchaftlichen Bexufsart ent⸗ ſchloſſen, bei naher Vollendung ihrer Gymnaſialſtudien, ſelbſt noch im 17ten Lebensjahre, dem eigentlichen mechaniſchen Gewerbe oder dem Handelsfache ſich zugewandt haben. Waren