Aufsatz 
Über den Wert der beiden Oberklassen unserer Anstalt für die bürgerliche Berufsvorbildung
Entstehung
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triebene und eingebildete Vorſtellung von ſich dem Lehrherren meiſt zur Laſt fielen, eigenſinnig und verwöhnt, arbeitsſcheu und unluſtig dazu ſich zeigten, das Geſchäft vom Kleinen an in allen ſeinen Theilen pünktlich und beharrlich zu erlernen. Wie weit werde endlich die Ab⸗ ſolvirung der Lehrzeit, wenn auch ſonſt Alles noch wohl gelinge, hinausgerückt; ehe ein jun⸗ ger Menſch Zeit gehabt habe, an mehreren Plätzen die verſchiedenartige Behandlung ſeines Geſchäftszweiges und die ſo nothwendige Weltkenntniß und Lebenserfahrung zu ſammeln, werde er genöthigt, ſeiner militäriſchen Dienſtpflicht zu genügen, und ſeine praktiſche Ausbildung bleibe unvollſtändig und einſeitig. Nur in einem Falle, geſtehen Andere zu, laſſe ſich die weiter gehende Schulbildung vertheidigen, wenn nämlich die höhere Bürgerſchule in ihren Oberklaſſen eine förmliche Fachbildung zu geben ſich entſchlöſſe; damit werde wenigſtens ein vortheilhafter Erſatz für die erſten Lehrjahre geboten.

Wir wiſſen nicht, ob in dem Angeführten die Summe der Anſichten ausgeſprochen iſt, die in dieſer Richtung geäußert zu werden pflegen; aber wir hörten die vorgetragenen bei mehr als einer Gelegenheit als ſolche vertheidigen, welche auf den allein richtigen, praktiſch ausführba⸗ ren und erfolgreichen Weg der bürgerlichen Berufsbildung hinleiteten. Hat die darin zu Tage tretende Betrachtungsweiſe eine weite Verbreitung und viele überzeugte Bekenner, ſo ſcheint es ihr gegenüber geringen Erfolg zu verſprechen und faſt eine gewagte Neuerung zu ſein, einen Bildungsgang für die Jugend des Bürgerſtandes zu empfehlen, der, abbiegend von der gewöhn⸗ lichen Heerſtraße, die durch die bekannten Niederungen in mäßigſter Anſteigung hinführt, den befähigten und ſtrebſamen Knaben erſt zu einem freieren Höhepunkte geiſtiger Umſicht und Ent⸗ wickelung emporleiten will, ehe er ihn zu dem Thore des Geſchäftslocals eintreten läßt. In der That aber handelt es ſich hierbei auch um einen freilich nicht gerade neuen, aber in dem Bürgerſtande noch nicht recht überzeugungskräftig durchgedrungenen Begriff von der perſönlichen und der berufsmäßigen Ausbildung, wie ſolche aus der Entwickelung und aus dem Fortſchrei⸗ ten des ſocialen Lebens mit Nothwendigkeit entſprungen iſt und ſich immer mehr Bahn brechen wird. Würde dieſe umfaſſendere Idee den Bürgerſtand in weiteren Kreiſen unſeres Vaterlandes bei dem Gange ſeiner Jugendbildung ſchon bisher geleitet haben, ſo wäre jetzt jedes Wort überflüſſig und man hätte nur nöthig, die etwa Säumigen auf die allerwärts zahlreichen Er⸗ fahrungen hinzuweiſen, daß der höhere Bildungsgrad der Jugend, welche ſich dem Geſchäfts⸗ ſtande widmet, auch zugleich eine höhere und erfolgreichere Befähigung dafür verleiht. Dieß iſt aber bis heute unter uns für diejenige Schichte des Bürgerſtandes noch nicht der Fall, welche ſich eben erſt anſchickt, einen Schritt zu einer höheren Stufe zu thun. Und wen dürfte es daher wundern, daß dasjenige Verfahren, welches in obigen Anſichten angerathen wird, in den Augen der Mehrheit noch den Werth und die Giltigkeit einer nur unklugerweiſe Weiſe an⸗ taſtbaren Regel für die Ausbildung zum bürgerlichen Berufe behauptet? Iſt es nicht der Aus⸗ druck deſſen, was von langer Vergangenheit her bis heute im Allgemeinen Brauch geweſen und ſo durch Herkommen, Sitte und Gewohnheit befeſtigt, durch das Beiſpiel und erfahrungsmäßige Reſultate unterſtützt iſt?

Wenn in einem Stande höhere Bildungsbedürfniſſe erwachen, ſo tritt zunächſt in der Regel eine Uebergangszeit der Unklarheit und Unſicherheit ein, in welcher die alten Bildungs⸗ wege zwar ungenügend gefunden, mannigfach geändert, verbeſſert und verlegt werden, am Ende auch gerne verlaſſen würden, wenn mau ſich nur das Herz faſſen könnte, die neu eröff⸗ neten Bahnen mit Zuverſicht zu betreten und bis zum Ziele beharrlich und conſequent zu ver⸗

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