Aufsatz 
Mitteilungen über den Zweck, die Einrichtung und den Lehrplan der Anstalt
Entstehung
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kommen, ihre Schulbücher und Hefte vergeſſen, ihre Schuleffecten und Kleidungsſtücke verlieren, oder in den Klaſſen liegen laſſen; daß ſie ihre Bücher und Hefte ſchmutzig und unordentlich halten, die Subſellien, Schulzimmer, Gänge und Treppen mit Papierſtücken und Ueberbleibſeln von Eßwaaren verunreinigen; daß ſie endlich ihre häuslichen Arheiten entweder nicht zur rechten Zeit, oder gar nicht liefern. Die Schule hat alle dieſe Untugenden zwar unerbittlich verfolgt und beſtraft, aber noch nicht alle ausrotten können. Wir machen aber hier darauf aufmerkſam, damit eine ſtrengere häusliche Zucht und Aufſicht der Schule dabei zu Hilfe kommen. Denn viele Fehler der Schuͤler haben ihren Urſprung in dem Mangel an häuslicher Aufſicht und können von Seiten der Schule nur in enger Verbindung mit dieſer gründlich geheilt werden. Bedauernswerth iſt auch eine Neigung zur Lüge und Unaufrichtigkeit, die mehr, als man erwarten durfte, hervorgetreten iſt. Daß bei ſolchen Schülern, denen es geſtattet wird, nicht nur faſt den ganzen Tag, ſondern auch noch bis ſpät am Abend auf den Gaſſen herumzulaufen, und die, wie es ſcheint, nicht ſorgfältig genug vor dem Umgang roher und verderbter Burſche erwachſeneren Alters behütet werden, ſich auch ein ſtarker Anflug einer unſauberen Rohheit und eines Gefallens an häßlichen Späſſen und Bildern gezeigt hat, das muß die Schule zu verdoppelter Wachſamkeit nöthigen, aber auch die Eltern auf die Gefahr und zugleich auf die Verantwortlichkeit hinweiſen, wenn ſie nicht nach Kräften, alle verderblichen Einflüſſe auf ihre Kinder zu beſeitigen, beſorgt ſind. Die Strafen der Schüler wegen Unfleißes, Unaufmerkſamkeit u. dgl. ſind in dieſem Jahre leider noch zahlreicher geweſen, als ſie, wie wir hoffen, zukünftig ſein werden. Grobe und ſittliche Vergehen ſind uns nicht zur Kenntniß gekommen; doch iſt von mehreren hieſigen Einwohnern über freche Beſchimpfung von Seiten einzelner Schüler Klage geführt und deßhalb ſtrenge Strafe verhängt worden. Gerade dieſe Klagen führen uns zu einer weiteren Bemerkung. Wenn nämlich überhaupt in der Sprache, in den Bewegungen, Gebärden und Manieren, kurz in der ganzen äußeren Haltung und im Benehmen der Schüler untereinander, den Lehrern und andern Erwachſenen gegenüber auch im jüngeren Alter ſich ein natürliches und in der häuslichen Erziehung früh zu pflegendes Gefühl für äußeren Anſtand und Schicklichkeit ausſprechen ſoll: ſo muß man geſtehen, daß bei einem nicht ganz geringen Theil der Schüler dieſer natürliche Sinn für das Geziemende, Edle und Schickliche nur noch zu ſehr vermißt wird. Denn wenn wir auch deſſen eingedenk ſind, daßJugend noch nicht Tugend hat; wenn wir auch Unbeholfenheit keineswegs mit Ungeſchliffenheit verwechſeln wollen;z wenn wir die natürlichen Ausbrüche eines jugendlichen Leichtſinns und Muthwillens von roher Ungebühr wohl zu unter⸗ ſcheiden wiſſen: ſo dürfen wir doch die Wahrnehmung nicht unausgeſprochen laſſen, daß gar manche unſerer Schüler gewohnt ſind und es zu lieben ſcheinen, in ihrer Sprache gaſſen⸗ hafte Unziemlichkeiten laut werden zu laſſen; daß ſie Regeln und Formen des Anſtandes, der Höflichkeit und guter Sitte wider alles Erwarten auſſallend vernachläſſigen. Wie wohl nun die Schule gegen alles dieß einen beſtändigen Kampf führt, ſo müſſen doch auch die Eltern alles Ernſtes darauf achten, aus der Sprache und dem Benehmen ihrer Kinder die ſich ſo leicht einſchleichenden plumpen und unanſtändigen Angewohnheiten möglichſt zu entfernen. Es war ein erfreuliches Zeichen, daß eine Anzahl Schüler(40) an einer freiwilligen Geſangſtunde unter der Leitung des Herrn Dr. Thielmann zur Einübung von mehrſtimmigen Liedern und Chöͤren ſich betheiligte. Auch vom Zeichen⸗ und Schreibunterricht, ſowie vom Turnen nach der Spieß'ſchen Methode hoffen wir in Zukunft einen guten Einfluß auf die Ausbildung des Schönheitsſinnes und auf die äußere Haltung und den Anſtand. Das Schulleben wird in dieſer Beziehung überhaupt erſt dann mehr darbieten und einwirken können, wenn, wie zu hoffen ſteht, weitere und geeignetere Räume für die höhere Bürgerſchule beſchafft ſein werden. Der angeknüpfte ſchriftliche und perſönliche Verkehr mit den Eltern, ſo wie öftere Hausbeſuche haben faſt immer die beſten Früchte getragen.