40 D. Phyſiſches Wohl der Lehrer und Schüler.
Mit Ausnahme der oben erwähnten ſchweren Krankheit und des erfolgten Todes des Herrn Zeichenlehrers Scheuer war der Geſundheitszuſtand der Lehrer während der Schulzeit nur wenig geſtört. Im Winterhalbjahre trat während einiger Wochen eine bedeutende Anzahl von Erkrankungen unter den Schülern wohl in Folge der eigenthümlichen Witterungsverhält⸗ niſſe ein. Die Schule hatte aber außerdem den Verluſt zweier braver und hoffnungsvoller Schüler zu beklagen, von denen der eine, Heinrich Reinhard Weil von hier, Schüler in Klaſſe Illa, am 7. Auguſt vorigen Jahres, der andere Adolph Emil Ernſt Stritter von Biebrich, Schuler in Klaſſe IVb, am 9. Februar dieſes Jahres ſtarb.
II. Chronik der höheren Bürgerſchule.
Nachdem von Hoher Landes⸗Regierung beſchloſſen worden war, die höhere Bürgerſchule zu Oſtern v. Js. ins Leben treten zu laſſen, ließ, nach einer vorausgegangenen„vorläufigen Bekanntmachung“ des Herrn Bürgermeiſters v. 10. März 1857, der am 21. desſelben provi⸗ ſoriſch ernannte Rector der Anſtalt, durch Regierungs⸗Reſcript vom 24. desſ. dazu beauf⸗ tragt, in einer jener eben frühere ergänzenden Bekanntmachung vom 30. März die Eröff⸗ nung der Schule in vier Klaſſen auf den 4. Mai ankündigen. Da aber das für die höhere Bürgerſchule beſtimmte, bisher von dem nunmehr auch neuorganiſirten Realgymnaſium benutzte Local bis zu der feſtgeſetzten Zeit noch nicht zur Dispoſition ſtand: ſo fand das Aufnahmeeramen erſt am 7. und 8. Mai und die Eröffnung am 11. Mai unter der ehrenden Anweſenheit des Herrn Bürger⸗ meiſters Fiſcher, Herrn Adjunctes Coulin, Herrn Gemeinderaths Querfeld und eines Theiles der hieſigen Geiſtlichkeit, ſowie einiger anderer Zuhörer mit einer Rede des Rectors ſtatt. Seitdem hat die höhere Bürgerſchule das erſte Jahr ihres Beſtehens durchlebt, und wenn ſte einerſeits ſich der aufſehenden Fürſorge Hoher Landes⸗Regierung bisher erfreute, ſo hat ſie anderſeits die vorzügliche Liberalität und das theilnehmende Intereſſe dankbar zu rühnien, mit welchen der Herr Bürgermeiſter unſerer Stadt, ſo wie der ganze Löbliche Rath der Gemeinde von Anfang an den Bedürfniſſen der Anſtalt in jeder Weiſe Rechnung getragen und ihr Gedeihen und ihre Entwicklung gefördert haben. Unter dieſem doppelten Schirme hofft die höhere Bürgerſchule auch weiterhin ſich zur vollen Blüthe zu entfalten.
Die Pfingſtferien dauerten vom 31. Mai bis 6. Juni.— Das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Herzogs wurde am 24. Juli durch einige Geſänge der Schüler und eine Anſprache des Rectors, worauf ein Spaziergang aller Lehrer und Schüler in den Wald folgte, begangen. Aehnlicher kleinerer Gänge einzelner Klaſſen in die Nachbarſchaft wurden im Laufe des Sommers mehrere von den Klaſſenlehrern ausgeführt.
Am 9. Auguſt 1857 wohnte die ganze Anſtalt dem Begräbniß ihres Schülers Reinhard Weil bei.— Die Herbſtprüfung fiel auf den 10. und 11. September wobei die wiederholte Gegenwart des Mitgliedes Hoher Landes⸗Regierung, Profeſſor Dr. Müller, der Anſtalt zu beſonderer Genugthuung gereichte. Das Winterhalbjahr begann den 8. October.— Den 13. November begleitete ein Theil der Lehrer und Schüler den hingeſchiedenen Herrn Zeichenlehrer Scheuer zum Grabe.— Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. December 1857— 4. Januar 1858.— Am 12. Februar nahm die ganze Anſtalt an der Beſtattung des Schülers Adolph Stritter Theil. Hierbei wurde von den Schülern, ebenſo wie am 9. Auguſt 1857, ein paſſendes Lied vor und nach der Grabrede des Geiſtlichen geſungen.


