3
beizuführen. Wohl wiſſen wir, daß Haltung und Charakter, Lebensfähigkeit und Dauer die Schule ſelbſt ſich geben muß und wir denken auch, daß dieſe ein Bau werden ſoll, der nicht nach Phantaſieplä⸗ nen, wie herrlich ſie immer ſein möchten, aufgerichtet und ausgeführt wird, ſondern zu dem die trei⸗ benden Bedürfniſſe der Wirklichkeit die Maaße und Zwecke an die Hand gegeben haben. Aber wir wollen dennoch Nichts verſäumen, die Schule recht nahe an das Haus und die Familie heranzurücken, damit ihr auch von da aus, wie billig, Hilfe und Kraft erwachſen, wo die Früchte ihrer Zucht und Bildung zunächſt gebrochen werden ſollen.
Auch die Jahresberichte, in welchen wir von nun an regelmäßig über den Zuſtand der höheren Bürgerſchule Rechenſchaft ablegen werden, ſollen das Band gründlicher Verſtändigung zwiſchen Eltern und Lehrern, zwiſchen Schule und Bürgerſchaft knüpfen helfen. Dieſe Bedeutung nehmen ſie vor Allem für ſich in Anſpruch; dieſen praktiſchen Geſichtspunkt faſſen ſie in Allem, was ſie mittheilen, zunächſt ins Auge. Mit voller Offenheit ſollen in erſter Linie alle Fragen von einiger Wichtigkeit behandelt und dargelegt werden, welche in Betreff der höheren Bürgerſchule erhoben werden können. Dieſe Fragen verdienen aber gerade jetzt eine vorzugsweiſe und beſondere Beachtung und Berückſichtigung, ſo lange die Schule ſelbſt noch nichtihrevolle Ausbildunginſechs Klaſſen für das Alter von 10 bis zu 16 Lebensjahren erlangt hat und, gleichſam erſt in kräftigem Wachsthum begriffen, noch Bildſamkeit genug beſitzt, um auch in allen beſonderen, äußeren und inneren Beziehungen den Charakter und die Stellung zu gewinnen, die den Bildungsbedürfniſſen und Verhältniſſen unſerer Stadt am meiſten genügen werden. Außer dieſen unmittelbaren Lebensfragen für die höhere Bür⸗ gerſchule werden die Jahresberichte ferner ſolche in ihr Bereich ziehen, welche den Umſchwung des induſtriellen und gewerblichen Lebens, welche die Zuſtände und Richtungen, Mittel und Wege, Grund⸗ lagen und Reſultate der Arbeit und Kultur der Gegenwart zum Gegenſtande haben. Aber auch wiſſenſchaftliche und geſchichtliche Fragen und ſolche überhaupt, die nur ein rein geiſtiges Intereſſe erwecken ſollen, werden die Jahresberichte ihrem Leſerkreiſe vorzuführen ſuchen; denn auch dem nicht wiſſenſchaftlich gebildeten Bürger der Gegenwart ſteht eine geiſtige Regſamkeit und eine edle Wiß⸗ begierde wohl an, die ſich noch um etwas mehr kümmert, als um die rein materiellen Fragen ſei⸗ nes beſonderen Berufs. Faſt grundſätzlich aber ſchließen wir alle feinen und entlegenen Fragen der Wiſſenſchaft aus, die, wohlanſtändig in den Programmen von Gelehrten⸗Schulen, zwar auch Documente der Gelehrſamkeit für die Lehrer der höheren Bürgerſchule ſein könnten, aber weder mit dem Charakter und Zweck der Schule in näherem Zuſammenhang ſtänden, noch auch für die Abſicht der Jahresberichte, nämlich— geleſen zu werden, förderlich wären.
Der vorliegende Jahresbericht glaubt aber für dießmal den Erwartungen der hieſigen Ein⸗ wohner am meiſten dadurch zu entſprechen, daß er folgende Fragen beantwortet: Was iſt der Zweck, die Stellung und allgemeine Einrichtung der höheren Bürgerſchule? In welchen Gegenſtänden unterrichtet ſie ihre Zöglinge? Welche Grundſätze befolgt ſie dabei, und wie weit werden die Schüler in jedem Lehr⸗ gegenſtande geführt? Denn da die Schule noch unvollſtändig iſt, ihre Reſultate alſo noch nicht für ſie zeugen können; da ferner Mancher mit dem Plan, der ihr zu Grunde liegt, nicht hinreichend bekannt iſt: ſo konnten ſelbſt in der nächſten Umgebung dirr die Ausdeh⸗


