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bewährende Ueberzeugung gewonnen, daß die einſichtsvolle Leitung der öffentlichen Angelegenheiten unſerer Stadt jede gerechte Anforderung in dieſer Hinſicht bereitwillig erfüllen wird. Nein, etwas Anderes liegt dem geſammten Lehrercollegium der höheren Bürgerſchule zunächſt noch mehr am Herzen. Dringend und offen ſprechen wir den Wunſch aus, daß es den Eltern unſerer Schüler gefallen möge, oder daß ſie es vielmehr als eine Pflicht betrachten mögen, ſich in eine vielfältige, in⸗ nige und rückhaltsloſe Verbindung mit den Lehrern der neugegründeten Anſtalt zu ſetzen. Was kann dieſen erfreulicher, was weniger läſtig ſein, als mit den Eltern und Angehörigen der Schüler, mit den Freunden und aufmerkſamen Beobachtern der Anſtalt Beſprechungen zu halten, gemeinſamen Rathes zu pflegen, Wünſche zu hören, Urtheile zu vernehmen, Auskunft zu ertheilen, Verſtändniß und Einſicht zu eröffnen? Und muß nicht auch den Eltern daran gelegen ſein, von Allem, was die höhere Bürgerſchule angeht, eingehende Kenntniß zu nehmen, ihren Gang und ihre Richtung aufmerkſam zu verfolgen, ihre Anordnungen und Einrichtungen richtig zu beurtheilen? Wir denken uns, es könne insbeſondere nichts Erwünſchteres für dieſelben geben, als die Er⸗ ziehung und den Unterricht ihrer Kinder durch ihre eigene Mitwirkung fördern zu helfen, von ihren Leiſtungen und Fortſchritten ſich gründlich zu überzeugen und an der Hinwegräumung aller Hemm⸗ niſſe, Mängel und Fehler ihrer Entwicklung in Gemeinſchaft mit den Lehrern durch die wirkſamſten Maaßregeln und Vorkehrungen mitzuarbeiten. Denn gerade das natürlichſte und erfolgreichſte Hilfs⸗ mittel der Erziehung und des Unterrichts wäre der höheren Bürgerſchule geraubt, wenn ſie dieſes häufigen und vertrauensvollen Entgegenkommens der Eltern und des lebendigen Wechſelverkehrs mit ihnen entbehren müßte; aller ſorgfältige Fleiß und alle Strenge der Lehrer würde dieſen Verluſt nicht erſetzen können. Das Werk der Erziehung und des Unterrichts in öffentlichen Lehranſtalten iſt ja keineswegs der Art, daß man es den Lehrern als den Sachverſtändigen ganz ſorglos und unbekümmert überlaſſen und nach einer Friſt von wenigen Jahren ſeine Vollendung erwarten dürfte, ohne je einmal weiter, als vielleicht im Vorübergehen darnach zu fragen. Vortrefflich, wenn dieſes Verfahren ſich anderswo im Leben— und auch da ſelten genug— bewährt; das öffentliche Schul⸗ weſen verträgt aber ein ſolches nicht. Die Schüler, deren Leben zwiſchen Schule und Haus getheilt bleibt, müſſen auch von beiden Seiten eine übereinſtimmende und planvolle Behandlung erfahren, wenn eine befriedigende Entwicklung ihres Wiſſens und Wollens ſtattfinden ſoll. Es würde der Schule und den Lehrern Unmögliches aufbürden heißen, wenn man von den beſten Einrichtungen jener und der hingebendſten Pflichttreue dieſer Früchte der Bildung und Reſultate der Erziehung fordern wollte, zu welchen die nothwendigen Bedingungen und Vorausſetzungen gar nicht alle in ihrer Hand liegen, was erſt alsdann eintritt, wenn Eltern und Lehrer in beſtändiger Verbindung bleiben und ſich gegenſeitig unterſtützend, auf die Erreichung desſelben Zieles hinarbeiten. Dieſe innige Verbindung, dieſe offene Verſtändigung mit den Eltern, dieſes gemein⸗ ſame Handeln hervorzubringen, iſt nun unſer erſter Wunſch und unſer ernſtes Beſtreben.
Wird unſer Verlangen in Erfüllung gehen? Wir hegen gute Hoffnung; aber wir haben auch ſchon hinreichende Erfahrungen gemacht, um uns keinen Täuſchungen hinzugeben. Um ſo mehr wollen wir jedes Mittel aufſuchen und willkommen heißen, welches geeignet iſt, das richtige Einver⸗ nehmen und eine wechſelſeitige Einwirkung zwiſchen Gemeinde und Schule, Eltern und Lehrern her⸗


