An die Zürger unſerer Stadt.
Wem anders könnten wir unſeren erſten Jahresbericht über die höhere Bürgerſchule widmen, als den Bürgern unſerer Stadt? Denn nicht unſere eigene, oder eine ihnen fremde Sache iſt es, über die wir Rechenſchaft ablegen wollen, ſondern eine Angelegenheit, durch welche Hohe Landes⸗Regierung den lang genährten Wünſchen und geſpannten Erwartungen unſerer Bürgerſchaft Erfüllung verliehen hat. Einmal ins Leben getreten und in hoffnungsreicher Verwirklichung begriffen, nimmt ſie nun auch ihrerſeits die aufmerkſamſte Beachtung, den regſten Antheil und die wachſamſte Pflege und Sorge aus allen Kreiſen des hieſigen Bürgerſtandes für ſich in Anſpruch. Zunächſt ſteht ja die höhere Bürgerſchule allen Einwohnern Wiesbadens in gleicher Weiſe offen, und von allen kann ſie ihre Zöglinge empfangen zu tüchtiger Heranbildung für das Leben und den bürgerlichen Beruf. Wird aber eine öffentliche Schule recht gedeihen ohne die eifrige Mitwirkung der Eltern und ohne eine lebendige und ernſte Theilnahme des Standes, in deſſen Dienſt und Pflicht ſie ſtehen, deſſen Bedürfniſſe ſie kennen, deſſen Erwartungen ſie entſprechen ſoll?
Daß die Fundamente einer heiligen, ſittlichen Zucht und höherer bürgerlicher Bildung in unſerer heranwachſenden Jugend feſt und vollſtändig, angemeſſen und zeitgemäß gelegt werden, das iſt die Aufgabe der höheren Bürgerſchule. Jede gute Schule aber, die ihre Aufgabe recht erfüllt, iſt ein Heil— und nicht das kleinſte— für eine Gemeinde. Soll ſie dieß jedoch ſein können, dann darf ſie nicht gleichſam als eine vater⸗ und mutterloſe Waiſe erſcheinen, welcher die Eltern und die Väter der Stadt und des allgemeinen Wohles ferne ſtehen. Wie die Familie und die Ge⸗ meinde einerſeits ein Recht und eine Forderung an die Schule geltend zu machen haben, ſo dürfen ſie ſich anderſeits auch einer Pflicht und Verbindlichkeit gegen ſie nicht entziehen. Wir zielen hier⸗ mit nicht auf die Darreichung aller der äußeren Mittel, welche den Beſtand und die Entwicklung einer Schule überhaupt möglich machen. Haben wir doch die volle und gewiß auch 3 Zukunft ſich
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