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sem von der Willkürherrschaft des Verstandes ganz frei zu haltenden Gebiete des Wissens. Diese Herrschaft der Anticipationen hat aber ihren tieferen Grund in einer Eingenommenheit des Geistes selbst von falschen Begriffen oder Ildolen und Trugbildern der Phantasie. Die Lehre von den Widerlegungen der ldole ist eine der eigenthümlichsten und wichtigsten in dem Organum Bacon's. In sie drängt sich die ganze Schärfe seines Gegen- satzes gegen die bestehenden Richtungen der Philosophie zusammen; sie enthält eine Zu- rückführung aller Erthümer und. Vorurtheile auf ihre Haupiquellen. Die ldole selbst, er- klärt Bacon, sind der tiefste Betrug des’ menschlichen Geistes; denn sie täuschen nicht in einzelnen Fällen,'sondern sie bilden geradezu eine verkehrte Prädisposition desselben, welche gleichsam alle Vorstellungen des Verstandes verzerrt und vergifiet. Durch sie ist der Geist des Menschen aus einem ebenen, gleichmässigen, klaren Spiegel gleichsam ein Zauberspiegel, voll Aberglauben und Gespenster geworden. ¹) Der Wahrheit haben sie den Eingang zum Verstande beschwerlich gemächt, und auch wenn sie ihn gewonnen hat, treten sie bei dem Erneuerungsgeschäft der Wissenschaflen selbst wieder auf und fallen lästig, wenn man sich nicht, vorher gewarnt, so viel als möglich gegen sie waffnel. Eine Hinweisung auf dieselben hat daher grossen Nutzen. Denn die Lebre von denselben ver- hält sich ähnlich zur Interpretalion der Natur, wie die Lebre von den Sophismen zu der géwöhnlichen Logik. ²) Die ldole sind iheils angeboreue, theils angenommene; jene sind entweder in der Natur des Menschengeschlechtes überhaupt(idola tribus) oder in dem individuellen Wesen des Einzelnen(id. sperus— mit Hinweisung auf das bekannte Bild das Plato so bezeichnet) begründet; diese beruhen iheils auf den verkehrten Theorien und falschen Beweisführungen (id. theatri— insofern diese Theorien gleichsam erdichtete Wellen auf die Bühne bringen), oder auf der stillen Gewalt der Worte über den Geist(id. fori— weil die Worte den Verkehr der Menschen möglich machen). ³) in den Aphorismen über die id. tribus betreibt Bacon seine principielle Opposuion. Sie sind eine weitere Ausführung des Satzes, dass alle Wahrnehmungen des Sinnes und Verstandes nur ex analogia hominis, nicht ex analogia universi geschehen. Der Empiriker, welcher von den Dingen die Gesctze empfangen will, verweiset vor allem dem Iniellektua- listen das Recht, ihnen aus eigener Machtvollkommenheit solche geben und gleichsam über sie triumphiren zu wollen. Diesen abstract-idealistischen Hang des Geistes, jene verfüh- rerische Gewalt in demselben, scine Begriffe von der Nalur zu Geseizen in der Natur zu machen, sein besonderes Wesen zum allgemeinen Charakter des Seienden zu erheben, zeichhet er in einigen, für die Naturerklärung besonders verderblichen Hauptwirkungen. Jener Hang ist gleich- sam der daemon tamiliaris in jedem Menschen, der seinen Verstand mit Hirngespinnsten neckt und verwirrt. 4) Was heisst es, wenn B. so oft wiederholt, dass der Geist seine Natur
in die Natur der Dinge cinmische? Er erklärt sich jetzt näher darüber. Die menschliche
Seele ist eine gleichmässige und einlörmige Substanz. Diese Eigenthümlichkeit des Be- wusstseins verleilet den Verstand leicht zur Vorausetzung und Erdichtung einer grösseren Ordnung und Gleichmässigkeit in der Natur, als in Wahrheit besteht. Statt daher die Nalur vor allem in ihrer Besonderheit und concreten Mannigfaltigkeit zu erſorschen, er- träumt man Parallelen, Relationen, Analogien und Verknüplungen, welche gar nicht exi- sliren. Es wure aber besser, die Natur zu seciren, als von ihr zu abstrahiren. Denn die allgemeinen Begrifke und ldeen sind entweder etwas bloss Ersonnenes, oder man sollie so die allgemeinen Gesetze der Naturwirksamkeit bezeichnen. Denn sonst wird dio leben-
1) De augm. V, 4. 2) N. O. I, 38;3 40. 3) Inst. magn. p. 8 3 Imp. phil. p. 235, 4) Cogit et vis. p. 27.


