Aufsatz 
Franz Bacon's Standpunkt und Methode / von Polack
Entstehung
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Franz Bacon's Standpunkt und Methode.

Von Conrector Polack.

Erste AbtheHlung.

F ranz Bacon(geb. 1561, gest, 1626) hat die Erfahrung zur ausschliesslichen Grundlage der Wissenschaft erhoben, die Meihode der Naturforschung als den allein heil- bringenden Weg zur Wahrheit aufgestellt, in Schule und Erziehung den neuen Realismus angebahnt, kurz die eine Hauptrichtung des Denkens, nämlich die natürliche Bedingtheit aller Erscheinungen aufzusuchen, zu einer seit ihm immer wachsenden und sich weiter aus- breitenden Geltung gebracht. Dem Engländer bis heute der Vater aller gesunden Welt- betrachtung; galt er dem Deutschen bisher mehr nur beim vorsichtigen Geschäfte der Naturbeobachtung als erster Gesetzgeber, dem man selten die überlieferten Ehren vorent- hielt. Aber die Grundströmung des Zeitgeistes unter uns ist gegenwärtig jener nicht un- ähnlich geworden, deren Träger und Haupterzeuger zugleich Bacon in seinem Vaterlande gewesen ist. Ist es nicht so? Führerlos kämpfen die zusammengeschmolzenen Cohorten einer Weisheit ausreiner oder garabsoluter Vernunft einen ungleichen und noch unversöhnten Kampf znit der dichten Phalanx der Männerreiner und oft nurmaterieller Erfahrung. Die Physik im weitesten Sinne erfreut sich des Djenstes der zahlreichsten Kräſte; die Metaphysik sammelt mühsam ihre zerstreute Gemeinde; die Psychologie schliesst den alten Bund mit der Naturwissenschaft inniger als je; die Physiologie will die Grundwissenschaft des Gei- stes werden. Nach Werken verlangt man statt Worien, nach Thatsachen und Erfindungen statt Versprechen und Hypothesen, nach einem anwendbaren, erfolgreichen Wissen statt Theo- rien und Systemen; die Schule kann denpPraktischen Bedürfnissen der Staat denmate- riellen Interessen nicht eifrig und ausgedehnt genug entgegen kommen. Der Verstand fesseht die Phantasie; die Weltklugheit verscheucht das Gemüth; die Poesie weicht vor der Prosa; die Sittlichkeit verlegt ihren Schwerpunkt in die Werke, der Glaube den seinigen aus dem Gewissen in die Kirche. Derjenige Grundzug der Zeit aber, welcher ihre innige Wahlverwandtschaft mit Bacon's Geist bezeugt, ist die gleiche Ueberzeugung beider, dass nur von der richtigen, tiefen und umfassenden Erkenntniss der natürlichen Gesetze der sinnlichen Welt der gediegene Auf- und Ausbau der Wissenschaften bedingt und allein auch eine fortschreitende Verbesserung des Zustandes der Bildung und des eret der