73
nicht so ohne weiteres recht geben, zumal er selbst, von der Unzulänglichkeit unserer jetzigen Hilfsmittel überzeugt, den nichts weniger als zuversichtlichen Ausblick eröffnet:„Ob mit polari- siertem Licht oder mit anderen Hilfsmitteln mehr als auf bis- herigen Wegen erreichbar sein wird, muss die Zukunft lehren‘.
Heute kann soviel als feststehende Thatsache ange- sehen werden, dass die morphologische Betrachtung allein nicht genügt, wenn man tiefer in das Wesen der Protoplasmaerscheinungen eindringen will.
Vor einigen Jahren konnte Boveri noch mit Recht be- haupten, dass sich„die Kenntnis der allgemeinen Protoplasma- struktur in einem Zustand der Unsicherheit, um nicht zu sagen Versumpfung befindet, wie er grösser kaum zu denken ist“, Heute, nachdem durch das Auftreten Fischer’s ein Lichtstrahl auf dieses Gebiet der Protoplasmaforschung gefallen ist, muss es die Wissenschaft vor allem als ihre Aufgabe betrachten, in Verfolg der Anregungen Fischers die Ursachen für die Bildung der morphologischen Strukturen vollständig auf- zudecken. Wenn diese Strukturen wirklich als Ausfällungen innerhalb der protoplasmatischen Grundsubstanz zu betrachten sind— und nichts steht bis jetzt dieser Annahme hindernd im Wege—, dann ergibt sich von selbst die Forderung, die im Protoplasma sich vollziehenden chemischen Um- setzungen, welche nur als Folge molekularer Vorgänge an- gesehen werden können, genau zu studieren. Erst dann, wenn die Bedingungen, unter denen die morphologischen Strukturen auftreten müssen, klar erforscht sind, wird die weitere Frage zu behandeln sein, welchen besonderen Wert diese proto- plasmatischen Gebilde besitzen. Denn die Annahme, dass diese Differenzierungen doch nicht so ganz ziel- und regellos entstehen und vergehen, wie es wohl manchmal den Anschein erweckt, sondern dass auch sie die Träger bestimmter physio- logischer Funktionen in gewissen Stadien des Lebens sind, dürfte kaum von der Hand zu. weisen sein.
Als Elementarorganismen aber könnten die morpho-
73


