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als„Pflanzenschleim‘“ schon lange vor Mohl Gegenstand eifrig- ster Studien war. Bedenkt man aber, dass durch diese Unter- suchungen die Wissenschaft in keiner Weise irritiert wurde, wäh- rend Mohl durch den einfachen Hinweis auf die physiologische Bedeutung des„Zellsaftes“ durch die prägnante Benennung die Forschung in die richtigen Bahnen lenkte, so wird man zugeben müssen, dass Mohl’s Verdienste um die Wissenschaft nicht hätten grösser sein Können, selbst wenn er das Protoplasma als morpho- logischen Bestandteil der Zelle wirklich auch„entdeckt“ hätte.
Den Anschauungen Mohl’s, der den zähflüssigen Aggregat- zustand des Protoplasmas betonte und, abgesehen von den Körn- chen, keinerlei feinere morphologische Differenzierungen erwähnte, trat i. J. 1861 Ernst Brücke in seiner Abhandlung über die Elementarorganismen entgegen.
Brücke ist der erste, welcher dem Protoplasma aller Zellen ausser seiner Molekularstruktur noch eine andere komplizierte morphologische Struktur zuschreibt. „Wir können uns,“ so führt er zur Begründung dieser Ansicht aus,„keine lebende vegetierende Zelle denken mit homogenem Kern und homogener Membran mit einer blossen Eiweisslösung als Inhalt; denn wir nehmen diejenigen Erscheinungen, welche wir als Lebenserscheinungen bezeichnen, am Eiweisse als solchem durchaus nicht wahr. Wir müssen deshalb der lebenden Zelle, abgesehen von der Molekularstruktur der organischen Verbin- dungen, welche sie enthält, noch eine andere und in anderer Weise komplizierte Struktur zuschreiben und diese ist es, welche wir mit dem Namen Organisation bezeichnen.“
I. Die Organisation des Protoplasmas. A. Die feineren morphologischen Strukturen.
Die Anschauungen Brücke’s, welcher lediglich vom Boden der damals herrschenden Kontraktilitätslehre aus das Protoplasma einen„komplizierten Aufbau aus festen und flüssigen Teilen“
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