Aufsatz 
Protoplasmastrukturen und Protoplasmatheorien
Entstehung
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nannte, waren für den weiteren Verlauf der Forschung insofern von der weittragendsten Bedeutung, als hierdurch die Anregung gegeben war, die auf blosse Vermutung gegründeten Ansichten mit allen zu Gebote stehenden Hilfsmitteln der Technik auf ihre Richtigkeit und auf ihren Wert hin zu prüfen.

Da die nach dieser Richtung hin unternommenen Unter- suchungen von Erfolg gekrönt waren, so schien das, was Brücke nur andeutungsweise und sehr vorsichtig auszusprechen gewagt hatte, mit einem Male zur vollen Gewissheit geworden zu sein: DieZelle ist nicht mehr als der Elementarorganis- mus zu betrachten, sondern als eine höhere Einheit. Die wahren Elementarorganismen sind die im Protoplasma vorkommenden, optisch differenzierbaren morphologi- schen Strukturelemente, welchen eine ganz bestimmte Form und eine ganz bestimmte Lagerung zukommt.

Die genauere Erforschung dieser morphologischen Differen- zierungsprodukte des Protoplasmas hat zur Aufstellung von vier Theorien geführt mit ausgesprochen monomorphistischer Tendenz. Es sind dies die Netz- oder Gerüsttheorie, die Filartheorie, die Granulatheorie und die Schaum- theorie, welche zum Teil bis in die neueste Zeit hinein ausge- staltet worden sind.

Über das Vorkommen deutlich sichtbarer Netzstrukturen hat zuerst Heitzmann in seinenUntersuchungen über das Protoplasma vom J. 1873 berichtet.

Heitzmann fand den Leib der Amoeben, mit deren Untersuchung er sich besonders eingehend befasste, von einem äusserst zarten Netzwerk durchflochten, dessen Knotenpunkte zu Körnchen verdickt erschienen. Von den Fädchen der am meisten peripher liegenden Körner behauptet er, dass sie in eine ununter- brochene dünne Lage einer schwach glänzenden Randsubstanz einmünden und macht ausserdem auf Fadenbildungen aufmerksam von konischer Gestalt mit einer vom Kern ausgehenden Basis und einer gegen.die Peripherie gerichteten Spitze, die sich jedes- mal in ein Körnchen einsenkte.